Das ist eine Zäsur: Apothekerin Heidi Eiberger hat ihre Selmer Apotheke und die drei Filialen abgegeben. Den Bären-Apotheken mit der lila Tatze bleibt die 59-Jährige aber dennoch treu.

Selm

, 03.01.2020, 14:42 Uhr / Lesedauer: 3 min

Tanja Adick (45) kann sich das noch gar nicht so genau vorstellen: die Arbeit ohne Heidi Eiberger (59). Seit siebeneinhalb Jahren arbeiten die beiden Apothekerinnen bereits zusammen: Eiberger als Inhaberin der Bärenapotheken und Adick als Filialleitung an der Ludgeristraße 67. Zum Jahreswechsel hat sich das geändert. Beruflich werden dennoch beide Frauen in Kontakt bleiben.

1993 war die aus Süddeutschland stammende Heidi Eiberger - auch dort war sie bereits für eine Apotheke verantwortlich - umgezogen und hatte ihre erste Apotheke in Selm eröffnet. Mehr war damals auch noch nicht möglich - aufgrund der gesetzlichen Vorgaben.

Warum Apotheken kein großes Filialnetz haben dürfen

Das Bundesverfassungsgericht hatte 1958 in seinem „Apotheken-Urteil“ die Niederlassungsfreiheit für Apotheken festgeschrieben. Demnach darf in Deutschland anders als unter anderem in Belgien, den Niederlanden, Großbritannien und Italien überall und jederzeit eine Apotheke gegründet werden. Die Betonung lag aber lange auf „eine Apotheke“.

Neben dem sogenannten Fremdbesitzverbot - Berufsfremde dürfen keine Apotheke besitzen, sondern nur Apotheker - galt bis 2004 das Mehrbesitzverbot: Mehr als eine Apotheke zu haben, war zuvor nicht zulässig.

Seit 2004 dürfen Apotheker neben ihrer Hauptapotheke bis zu drei weitere Filialapotheken betreiben, die allerdings in räumlicher Nähe zueinander liegen müssen: eine Chance, die Eiberger genutzt hat.

Tanja Adick und Jan Forster sind jetzt Inhaber

Neben den beiden Selmer Apotheken - an der Ludgeristraße und an der Kreisstraße - hatte sie bis Jahresende eine in Datteln und eine in Herten. Seit dem 2. Januar ist Tanja Adick Inhaberin der Selmer Apotheken. Und auch die Apotheken Herten und Datteln sind in die Hand eines langjährigen Mitarbeiters gewechselt: Jan Forster. „Viele Kundinnen und Kunden kennen ihn aus der Zeit, als er hier in Selm tätig war“, so Eiberger.

Mitarbeiter gut ausbilden, immer wieder neu schulen und Kontakt halten. Das sei ihr immer wichtig gewesen, sagt sie. Und daran wird sich auch künftig nichts ändern. Denn auch wenn Heidi Eiberger die Verpflichtungen einer Apotheken-Inhaberin abgegeben hat. In einer anderen Funktion bleibt sie den Bären-Apotheken mit der lila Tatze - nicht nur den Vieren, die sie jetzt abgegeben hat - erhalten.

2007 hatte Heidi Eiberger einen neuen Weg eingeschlagen

2007 hatte Eiberger einen neuen Weg eingeschlagen, um trotz des zwar gelockerten, aber nach wie vor geltenden Mehrbesitzverbots, Verantwortung für mehr als vier Apotheken tragen zu können - und die Synergieeffekte zu nutzen. Sie hat gemeinsam mit ihrem Mann Peter Eiberger einen eigenen Apothekenverbund gegründet: inzwischen mit 24 rechtlich Selbstständigen Apotheken in Westfalen.

Die Kooperation läuft über die Firma BP Apo Consulting an der Funnemannstraße 17 in Selm. Apothekerin Tanja Adick und die übrigen Mitglieder des Verbunds stehen alle auf lila: die Signalfarbe für die Apotheken mit dem Tatzenlogo und dem Namen Bären-Apotheke, für den sich die Eibergers inzwischen die Rechte gesichert haben. Marketing, Marken, Schulungen - alles nutzen die Partner gemeinsam.

Das verpflichtet die einzelnen Apothekerinnen und Apotheker zwar, gleichzeitig entlastet sie das auch, wie Tanja Adick meint: „Ich hätte den Schritt in die Selbstständigkeit sonst gar nicht gemacht“, sagt sie. Alles als Einzelkämpferin zu organisieren und zu verhandeln, sei eine immense Anstrengung - und auch nicht so effizient wie im größeren Verbund der lila Bären. Und auch nicht so familienfreundlich, wie Adick ergänzt.

Kreis Unna hat Unternehmen als familienfreundlich ausgezeichnet

Die Münsteranerin, die jeden Tag nach Selm fährt, ist junge Mutter. Um Familie und Beruf - und jetzt sogar Selbstständigkeit - unter einen Hut bringen zu können, seien Hilfsangebote willkommen: wie E-Learning, flexible Angebote für Mütter, Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige. 2015 hatte deshalb das Bündnis für Familie im Kreis Unna die Selmer Bären-Apotheken als „familienfreundlichstes Unternehmen“ im Kreis ausgezeichnet.

Eiberger weiß bei Adick nicht nur ihre Apotheken in guten Händen, wie sie sagt, sondern auch die von ihr gegründeten Selbsthilfegruppen: von der Diabetes-Selbsthilfegruppe bis zu verschiedenen Präventionskursen.

Eiberger: „Ich wollte nie am Stuhl kleben“

Und was macht die Gründerin und Chefin jetzt? „Es bleibt noch jede Menge“, sagt sie. Die Betreuung und Beratung ihrer lila Bären-Familie nehme viel Zeit in Anspruch - insbesondere, weil es immer neue Herausforderungen gebe, etwa durch die Digitalisierung. „Aber es macht auf viel Spaß zu sehen, wie die jungen Kolleginnen und Kollegen die Dinge anpacken.“

Auf neue Freiräume freut sich Heidi Eiberger aber auch: „Ich hatte mir immer vorgenommen, nicht so lange am Stuhl zu kleben, bis andere mich darauf aufmerksam machen, ob ich nicht langsam gehen will.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Krankheit
Staupe-Alarm in NRW: Tierärzte in Selm und Nordkirchen raten zur Impfung von Hunden
Hellweger Anzeiger Wohnungsbau und Kita
Wald rund um die ehemalige Pestalozzischule Selm bleibt „zum überwiegenden Teil“ erhalten
Meistgelesen