B236-Ausbau soll erst im Frühling starten – Eigentümer bereitet sich auf Enteignung vor

dzB236 in Schwerte

Noch knapp vier Monate, dann soll der B236-Ausbau starten. Noch sind nicht alle Formalitäten geklärt. Grundstückseigentümer an der Hörder Straße warten noch immer auf ein passendes Angebot.

Schwerte

, 09.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich sollte es schon im vergangenen August losgehen auf der B236, dann hatte man den seit Jahren geplanten Ausbau auf den Herbst verschoben. Schließlich war man auch von diesem Vorhaben abgewichen, denn erst im Juli wurde mit der Ausschreibung der Gewerke begonnen. Aus November 2019 wurde dann Anfang 2020.

Genauer gesagt: Ende März oder Anfang April will die ausführende Firma Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH – kurz Deges – mit dem Ausbau starten. Das bestätigte Pressesprecherin Simone Döll auf Anfrage, immer mit dem Zusatz „voraussichtlich“.

„Die Ausschreibungen sind mittlerweile durch“, so Döll. Mit weiteren Informationen wolle man aber vorerst noch nicht an die Öffentlichkeit gehen.

Oberes Stück der B236 soll 2021 fertig sein

Der detaillierte Zeitplan sieht laut Deges so aus: Noch bis März 2021 soll zwischen der K20/Am Eckey bis zur Kreuzung der Hörder Straße mit Heide- und Bergstraße gebaut werden. Gleichzeitig werden in einer ersten Bauphase auch die Auf- und Abfahrt zur A1 in Fahrtrichtung Köln erneuert. Im zweiten Schritt ist dann die Anschlussstelle Bremen dran.

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Gleichzeitig soll dann auch die Fußgängerbrücke am Freischütz neu gebaut werden. Die hatte in der Vergangenheit öfter für Spott gegenüber der Deges gesorgt, denn nach dem symbolischen Spatenstich im August 2018 führte ein Streit mit dem Bauunternehmen zum Stillstand an der Baustelle. Im Mai hatte die Brücke dann noch eine neue Auffahrtsrampe erhalten, wegen mangelnder Qualität durfte sie aber niemand nutzen.

Wenn diesmal alles nach Plan läuft, dann will die Deges voraussichtlich noch 2021 den vierspurigen Ausbau der 1,7 Kilometer langen Trasse zwischen den Autobahn-Anschlussstellen und dem Berghofener Tunnel abschließen – also das Teilstück der B236, für dessen Planung und Koordinierung das Unternehmen zuständig ist.

Grundstückseigentümer an der Hörder Straße rechnen mit Enteignung

Neben Autofahrern und den Schwerter Politikern ärgern sich vor allem mehrere Anlieger über die Pläne der Deges. Drei Grundstückseigentümer entlang der Hörder Straße haben sich noch nicht mit dem Unternehmen einigen können, sie wollen auf keinen Fall freiwillig verkaufen.

Einem von ihnen – Giesberg Immobilien – gehört die Fläche, auf der derzeit noch das ehemalige Hotel Drei Linden steht. Schon im Sommer hatte man mit der Enteignung gerechnet, die rückt jetzt immer näher. „Es läuft alles auf eine Enteignung zum Frühjahr 2020 hinaus“, bestätigte Maurice Giesberg gegenüber den Ruhr Nachrichten auf Anfrage. Dabei führt die Deges die Verhandlungen aber nicht selbst, sondern hat eine Vollmacht bis 2022 an ein Architekturbüro aus Berlin vergeben.

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Die endgültige Entscheidung liegt dann bei der Bezirksregierung Arnsberg, denn im Verfahren müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu gehört unter anderem ein angemessenes Kaufangebot, bei dem die Verhandlungen von Seiten des Eigentümers gescheitert sind.

Angebot für das Grundstück liegt weit unter dem Richtwert

„Angemessen liegt natürlich im Auge des Betrachters“, deutet Giesberg an. Denn das vorliegende Angebot für das Grundstück liegt bei 26 Euro pro Quadratmeter. Vor einigen Wochen habe der Bodenrichtwert für Grundstücke in der Lage an der Hörder Straße aber bei einem Quadratmeterpreis von 180 Euro gelegen.

Bei der Schwerter Immobiliengesellschaft versucht man nun, sich dem Bodenrichtwert über andere Verfahren zu nähern. „Eine geologische Untersuchung auf dem Grundstück läuft. Meine Hoffnung ist, dass die Experten einen höheren Wert feststellen“, so Giesberg. Gut sehe es aber seiner Meinung nach nicht aus. Schließlich stehe das öffentliche Allgemeinwohl vor dem Privatwohl der Eigentümer.

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