Azubi mit Behinderung ist ein Glück für seinen Ausbildungsbetrieb in Werne

dzThermo-Sensor

Adem Zahirovic ist 17 Jahre alt und seit vier Monaten Auszubildender bei Thermo-Sensor in Werne. Trotz fehlenden Unterarms überzeugt Adem voll. Doch anfangs schlug ihm Skepsis entgegen.

Werne, Bergkamen

, 06.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit August 2019 absolviert der in Bergkamen wohnende Adem Zahirovic (17) in der Werner Firma Thermo-Sensor eine Ausbildung zum Zerspanungstechniker. Sein Ausbilder ist voll des Lobes für ihn. Und auch Prokuristin Birthe Dobslaff (37) aus der Geschäftsleitung lobt den jungen Mann in höchsten Tönen. „Wir sind froh, dass wir ihn haben.“ Doch anfangs war sie skeptisch, wie sie zugibt.

Adem Zahirovic fehlt von Geburt an mehr als die Hälfte des Unterarms auf der linken Seite. Dennoch hat er sich vorgenommen, nach der Berufsschulzeit den handwerklichen Beruf des Zerspanungstechnikers zu erlernen. „Ein Bürojob wäre nichts für mich“, sagt er.

Azubi mit Behinderung ist ein Glück für seinen Ausbildungsbetrieb in Werne

Prokuristin Birthe Dobslaff und Reha-Spezialist Christoph Lange von der Arbeitsagentur freuen sich, dass Adem so gut in der Firma angekommen ist. © Jörg Heckenkamp

Im ersten Halbjahr 2019 absolvierte er ein Praktikum bei Thermo-Sensor. „Sein Vorgesetzter hat sich dann sehr stark für eine Ausbildung gemacht“, sagt Birthe Dobslaff. Sie sei skeptisch gewesen, habe sich dann überreden lassen: „Zum Glück“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht.

Denn Adem Zahirovic zeigte trotz seines Handicaps ganz erstaunliche Leistungen. Birthe Dobslaff: „Er ist voll engagiert, interessiert, denkt eigenständig mit.“ Bestes Beispiel für seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten: Er darf schon nach vier Monaten selbstständig an der Drehmaschine arbeiten. „Da gibt’s nicht viele, die schon so weit sind“, sagt die Prokuristin.

Azubi mit Handicap gefällt es im Ausbildungsbetrieb „super“

Und was sagt Adem? Er sagt: „Super“, als ihn Christoph Lange (40) nach seinen Eindrücken bei Thermo-Sensor fragt. Lange ist Reha-Spezialist bei der Agentur für Arbeit Hamm und betreut den jungen Mann. Gemeinsam mit der Arbeitsagentur hat Lange über den Zusammenschluss „Inklusion in Aktion“ Zahirovic die Ausbildungsstelle vermittelt.

„Mein Job ist es, mit den Betroffenen zu sprechen, ihnen Perspektiven aufzuzeigen“, sagt Christoph Lange. Dass ihm von Geburt an die rechte Hand fehlt, bringt ihn bei den Gesprächen mit gehandicapten Jugendlichen „schnell auf Augenhöhe“, wie er sagt. Weiterhin spreche er viel mit Arbeitgebern, schaue sich vor Ort um, biete Unterstützung.

Azubi mit Behinderung ist ein Glück für seinen Ausbildungsbetrieb in Werne

Seit August 2019 lernt der Bergkamener Zerspanungstechniker bei Thermo-Sensor in Werne. Hier steht er an einer konventionellen Drehmaschine. © Jörg Heckenkamp

Im Fall von Adem Zahirovic habe er sich beispielsweise mit einem technischen Berater den Ausbildungsbereich angeschaut, um zu erkunden, ob irgendwelche technischen Hilfsmittel gebraucht werden, die gegebenenfalls die Arbeitsagentur finanzieren würde. In diesem Falle funktioniert die Ausbildung auch so, eventuell benötigt der 17-Jährige einen speziellen Greifer.

Außerdem zahlt die Arbeitsagentur einen Teil der Ausbildungsvergütung. In diesem Fall sind es 70 Prozent der knapp 700 Euro brutto, die Adem Zahirovic verdient. Christoph Lange: „Das kommt aber immer auf den Einzelfall an.“

Dreieinhalbjährige Ausbildung

Auch wenn dem jungen Mann der linke Unterarm fehlt, absolviert er eine ganz normale dreieinhalbjährige Ausbildung. Inklusive einen Berufsschultag in der Woche. „Es ist toll hier. Ich fühle mich total wohl. Hier bei Thermo-Sensor herrscht ein tolles Arbeitsklima“, sagt Adem und zaubert Birthe Dobslaff damit ein Lächeln ins Gesicht.

An der Drehmaschine demonstriert er, wie flink und sicher er die gestellten Aufgaben bewältigen kann. Für Außenstehende ist es erstaunlich, was er alles mit seinem Armstumpf anstellen kann.

Gab es Situationen in der bisherigen Ausbildung, bei denen sein Handicap besonders hinderlich war? „Eigentlich nicht“, sagt Adem Zahirovic, „außer bei Arbeiten, bei denen man auch mit zwei Händen seine Probleme hätte“.

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