Autozulieferer Hella mit Sorgen: Autonomes Fahren ist Thema

Hella? So wirklich bekannt ist der Firmenname nicht in Deutschland. Dabei sind die Produkte des Unternehmens aus Lippstadt omnipräsent auf deutschen Straßen - ob Auto-Scheinwerfer oder Heckleuchten.

09.08.2019, 09:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Autozulieferer Hella blickt pessimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. Die globale Autoproduktion werde nach eigenen Erwartungen um fünf bis sechs Prozent runterfahren, sagte Konzernchef Rolf Breidenbach am Freitag in Düsseldorf. Das werde auch seine Firma zu spüren bekommen. Positiveren Prognosen, wonach der Markt sich bald erhole und es insgesamt nur ein kleines Minus geben werde, schenkt er vorerst keinen Glauben. Es sei möglich, dass der Hella-Jahresumsatz auf gleicher Basis erstmals seit etwa 15 Jahren schrumpfe, so der Manager. „Das wirtschaftliche Umfeld trübt sich aus unserer Sicht weiter ein.“ Gründe seien die China-Marktschwäche, Handelskonflikte und politische Unsicherheiten.

In dem abgelaufenen Geschäftsjahr, das bei Hella bis Ende Mai ging, verbuchte die Firma 7 Milliarden Euro Umsatz. Rechnet man ein während des Geschäftsjahres verkauftes Großhandelsgeschäft raus, sind es 6,8 Milliarden Euro. In diesem Jahr wird nur eine Spanne von 6,5 bis 7 Milliarden Euro angepeilt.

Im vergangenen Jahr konnte Hella immerhin ein Umsatzplus von fünf Prozent einfahren. Allerdings wurde das Wachstum stark gebremst - hatte es im ersten Quartal noch rund zehn Prozent Plus gegeben, waren es im vierten und letzten Quartal 2018/19 nur noch etwa zwei Prozent Plus gewesen. Angesichts des Marktumfeldes habe man insgesamt „sehr gut abgeschlossen“, betonte Breidenbach. Der Nettogewinn schnellte sogar von 390 auf 630 Millionen Euro hoch. Ein Großteil entfiel auf den Verkauf des Großhandelsgeschäfts, was 395 Millionen Euro einbrachte.

Große Erwartungen verknüpft Hella mit dem Thema autonomes Fahren - aus Sicht des Unternehmens wird der Bedarf an Lichtern, Sensoren und Kamerasoftware weiter steigen. Bisher ist autonomes Fahren nur in abgespeckter Version im Straßenverkehr vorhanden - etwa über Stau- und Spurassistenten oder Einparkhilfen, wenn also das Lenken dem Fahrer zumindest zeitweise abgenommen wird.

„Das ganze Thema Licht wird beim autonomen oder assistierten Fahren im Innenraum und an der Außenkarossiere eine größere Rolle spielen“, sagte Breidenbach. Denkbar sei, dass Lastwagen, die automatisch hintereinander herfahren, eine andere Außenbeleuchtung haben als einzeln fahrende Lkw, so der Manager. Dies könnte den anderen Verkehrsteilnehmern helfen.

Ein weiteres Beispiel für zusätzliches Geschäftspotenzial von Hella: Autonom fahrende Autos könnten Fußgängern mit speziellem Licht signalisieren, dass sie erkannt wurden - bisher trauen sich Passanten bisweilen erst nach Blickkontakt über den Zebrastreifen. Diese Möglichkeit fiele weg, wenn die Person im Auto gar nicht mehr auf die Straße achtet.

Hella hat weltweit 39 000 Mitarbeiter, davon 10 000 in Deutschland. Die Zentrale samt Werk ist in Lippstadt, wo 5300 Menschen für Hella tätig sind. In Hamm (1100 Mitarbeiter), Recklinghausen (800) sowie in Bremen und Wembach im Schwarzwald sind weitere Standorte. Unlängst hatte die Firma beschlossen, in Lippstadt 200 Stellen in der Produktion abzubauen. Perspektivisch wird das Personal in den deutschen Werken sinken, der Rückgang soll aber durch Aufbau in der Forschung und Entwicklung in etwa ausgeglichen werden.

Die Autobranche setzt im großen Stil auf Produkte von Hella, etwa Scheinwerfer, Heckleuchten, Innenraum-Lampen, Radarsensoren und Kamerasoftware. Die börsennotierte Firma ist zu mehr als 60 Prozent in Familienbesitz. Neben dem Autogeschäft hat Hella noch kleinere Konzernsparten für Werkstattgeräte - etwa Abgastestgeräte - und Spezialanwendungen, zum Beispiel Parkbeleuchtung für Lkw-Anhänger.

Der Name des Scheinwerferherstellers kommt übrigens nicht vom Wort „hell“ beziehungsweise „heller“, vielmehr hat er durchaus romantische Ursprünge: Als der Firmengründer 1908 ein erstes Beleuchtungssystem für ein Auto auf den Markt bringen wollte, suchte er nach einem geeigneten Namen und dachte der Firmenlegende zufolge an seine Frau Helene - daraus wurde das Warenzeichen „Hella“. Später wurde die ganze Firma, die ursprünglich „Westfälische Metall-Industrie Aktien-Gesellschaft“ hieß, so benannt.

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