Autofahrer bremste ihn auf der A1 aus – Dann veröffentlichte der LKW-Fahrer ein Foto

dzWesthofener Kreuz

Beschimpft, überholt, schließlich ausgebremst und körperlich bedroht – alles auf der A1 am Westhofener Kreuz. Ein LKW-Fahrer veröffentlichte danach selbst ein Foto auf Facebook. Darf er das?

Schwerte

, 04.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Mann links neben seiner Fahrertür, eindeutig auf der A1 zwischen dem Westhofener Kreuz und der Ausfahrt Schwerte. Tatsächlich auf der Autobahn, auf der rechten der drei Spuren, fotografiert offenbar aus dem Führerhaus eines Lastwagens heraus.

Dieses Foto hat eine Vorgeschichte. Die Polizei beschrieb die kuriose Szene vom 27. November so: Der Fahrer eines weißen Autos, wahrscheinlich eines VW Passat, wollte von der A45 auf die A1 fahren, in Richtung Bremen. Die rechte Spur war allerdings voll mit LKW, was den Mann offenbar geärgert habe. Er scherte mit seinem Auto hinter einem LKW ein, überholte den, bremste ihn aus, stieg dann auf der Autobahn aus. Mehr noch: Er stieg am Führerhaus hoch, beschimpfte und bedrohte den LKW-Fahrer – einen 33-Jährigen aus Berlin.

Aufgehört habe der Unbekannte erst, nachdem der LKW-Fahrer mit seinem Handy Fotos gemacht habe, so die Polizei weiter.

Foto auf Facebook veröffentlicht und 5000 mal geteilt

Eins dieser Fotos tauchte am Tag nach dem Vorfall bei Facebook auf. Mittlerweile haben es 5000 Menschen geteilt, mehr als 300 Kommentare sind unter dem Post zu lesen. Etlich davon sind Aufrufe zu Gewalt und Selbstjustiz. Vom „Baseballschläger“ ist die Rede oder davon, mit dem Lastwagen einfach weiterzufahren.

Für die Kommentare sind die anderen Nutzer verantwortlich. Aber durfte der LKW-Fahrer das Foto einfach so veröffentlichen? Auf gar keinen Fall, unterstreicht Arndt Kempgens, Anwalt und Experte für Verkehrs- und Medienrecht: „Das ist eine Form von unlässiger Selbstjustiz.“ Die Fahndung nach einem Täter sei grundsätzlich hoheitliche Aufgabe, also ausschließlich eine Aufgabe für Polizei und Staatsanwaltschaft.

Ein Foto wie dieses „ist ein erheblicher Eingriff in die Persönlichkeitsphäre“ des Abgebildeten – und das gelte natürlich selbst dann, wenn derjenige eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat begangen habe.

Verkehrsrechts-Experte: Es geht um die Verhältnismäßigkeit

„Erst einmal gilt die Unschuldsvermutung“, verdeutlicht Kempgens. Und gerade in einem Fall wie diesem gehe es ja auch um die Verhältnismäßigkeit. So schlimm und gefährlich dieser Fall auch sein dürfte – eine Veröffentlichung eines solchen Fotos könne noch schlimmere Folgen für den Abgebildeten haben.

„Es könnte ja sein, dass der Arbeitgeber das sieht und den Mann entlässt. Das wäre nicht verhältnismäßig“, urteilt Kempgens. Deshalb müsse ja auch vor einer offiziellen Fahndung über die Polizei immer erst ein Richter entscheiden, ob Fotos von Überwachungskameras oder Zeugen veröffentlicht werden dürfen.

Den Grundsatz des Rechtsstaats lasse sich zurückführen auf einen einfachen Satz, so Kempgens: „Auch ein Täter darf nicht totgeprügelt werden.“

Und wenn man den Autofahrer ermittele, würde ihn sicherlich eine harte Strafe erwarten, schätzt Kempgens: Üblicherweise werde jemandem, der solch einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zu verantworten habe, für ein Jahr der Führerschein entzogen. Hinzu käme sicherlich eine Geldstrafe von ein bis zwei Monatsgehältern.

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