Ausspähversuch am Airport: Polizei sucht mehrere Personen

Terrorverdacht am Flughafen Stuttgart. Schwerbewaffnete Polizisten auf Streife. Mehrere Männer werden gesucht. Derweil geht der Flugbetrieb jedoch ungehindert weiter.

20.12.2018, 16:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach Ausspähversuchen am Stuttgarter Flughafen im Zusammenhang mit einem möglicherweise geplanten Anschlag sucht die Polizei mehrere Personen. Sicherheitskreise bestätigten am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur entsprechende Informationen. Zuvor hatte der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, es werde nach vier Verdächtigen gefahndet. Zwei der gesuchten seien Vater und Sohn und stammten aus Nordrhein-Westfalen. Sie seien bereits vergangene Woche der französischen Polizei aufgefallen, als sie am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle Fotos vom Terminal machten.

Das waren nach den SWR-Angaben auch die beiden Männer, die am Stuttgarter Flughafen gesichtet wurden. Sie konnten demnach anhand von Videoaufzeichnungen identifiziert werden. Das zuständige Polizeipräsidium in Reutlingen wollte den Bericht nicht kommentieren.

Mindestens einer der Verdächtigen gehört nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur zum islamistischen Milieu. Zuvor hatte es geheißen, er sei als Gefährder eingestuft. Dies ließ sich nach den dpa-Quellen aber zunächst nicht zweifelsfrei bestätigen.

Nach Hinweisen französischer Behörden wurden bereits am Mittwochabend in Stuttgart sowie dann auch an anderen Flughäfen im Südwesten die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Schwer bewaffnete Polizisten waren in Schutzausrüstung auf Streife unterwegs. Betroffen sind auch Friedrichshafen, Karlsruhe/Baden-Baden und Mannheim, teilte das für den Stuttgarter Airport zuständige Polizeipräsidium Reutlingen am Donnerstag mit. Wie lange die Maßnahmen geplant sind war zunächst unklar. Der Flugbetrieb lief normal weiter und wurde nicht beeinträchtigt.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte, die Sicherheitsbehörden hätten keine Erkenntnisse zu einer konkreten Gefährdung der Flughäfen im Südwesten. Der „Tagesspiegel“ berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass vergangene Woche und am Mittwoch junge Männer von einer Überwachungskamera gefilmt worden sind. Die Personen hätten sich an der Sicherheitsschleuse aufgehalten, ohne einen Flug antreten zu wollen und ohne Reisegepäck.

Vor diesem Hintergrund habe die Bundespolizei die sogenannte Spezialeinheit BFE plus am Flughafen eingesetzt, um einem Anschlag vorzubeugen. Ein Polizeisprecher wollte den Bericht auf Anfrage nicht kommentieren. In Reutlingen wurde eine Besondere Aufbauorganisation namens „Jumbo“ gebildet, die den Einsatz und die Ermittlungen koordiniert. Zuvor trug sie den Namen „Kranich“.

Die Maßnahmen an den baden-württembergischen Flughäfen seien eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, teilte die Polizei mit. „Derartige Hinweise oder Vorkommnisse gibt es immer wieder, vor allem um die Weihnachtszeit.“ Gerade nach der schrecklichen Tat in Straßburg müsse man weiter wachsam sein. Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag auf den dortigen Weihnachtsmarkt waren fünf Menschen ums Leben gekommen.

Die Polizei Reutlingen bat um Hinweise, falls jemand etwas Verdächtiges beobachten sollte. Auf die Spur gekommen sind die Ermittler den Männern laut „SWR“-Informationen auch durch Hinweise marokkanischer Sicherheitsbehörden. Diese hätten verdächtige Chats abgefangen und deutschen Behörden übermittelt. Darin sei von einem Anschlag auf einen Flughafen im deutsch-französischen Grenzgebiet als Rache für die westliche Politik die Rede: „Sie führen Krieg gegen den Islam, meine Brüder und ich sind hier, um sie zu bekämpfen“ stehe unter anderem in den Chats. „Werde ich alleine sein?“ fragt demnach eine Person. „Nein, wir sind mehrere!“, lautete demnach die Antwort.

Nach Informationen der „Bild“-Zeitung (Freitag) gab die Bundespolizei nach dem Sicherheitsalarm am Flughafen Stuttgart eine Warnung an alle vierzehn großen deutschen Verkehrsflughäfen heraus. Dazu hieß es bei der Bundespolizei, die dortigen Einsatzkräfte seien „sensibilisiert“ worden. Die Bundespolizei gehe „den aktuellen Informationen wie auch allen anderen derartigen Hinweisen konsequent und mit Hochdruck nach“.

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