Ausbau der Elektroauto-Ladesäulen in NRW zieht an

Die Klimabilanz von Elektroautos ist relativ gut, schließlich pusten sie keine Abgase in die Luft. Doch viele Stromer sind noch nicht zu finden auf deutschen Straßen - das liegt teilweise an hohen Autopreisen, aber auch am löchrigen Ladesäulen-Netz.

11.08.2019, 09:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Ausbau von Ladesäulen für Elektroautos kommt in Nordrhein-Westfalen auf niedrigem Level voran. Bei der Netzagentur sind in dem Bundesland inzwischen 1760 Ladesäulen gemeldet, wie aus der Webseite der Behörde hervorgeht. Das ist deutlich mehr als zuvor - im Oktober 2017 waren es nur 666 und im Juli 2018 genau 996. Allerdings sind die Zahlen nicht vollständig, da erst seit März 2016 neue Ladesäulen bei der Bonner Regulierungsbehörde gemeldet werden müssen. Anlagen, die davor gebaut wurden, sind auf der Karte der Netzagentur also nicht enthalten.

Hinzu kommt, dass Betreiber der Veröffentlichung nach der Meldung widersprechen können. In der Regel tun sie dies zwar nicht - ein Anspruch auf Vollständigkeit haben die publizierten Angaben aber nicht. Dennoch sind sie aussagekräftig, schließlich verdeutlichen sie einen klaren Trend: Es geht nach oben beim Ausbau der Infrastruktur.

Das Ladesäulennetz ist eine Art Achillesferse in Sachen Elektromobilität. Da die Reichweite eines Großteils der Stromer gering ist, ist der Bedarf an Ladepunkten hoch. Zwar ist auch das Aufladen zu Hause möglich, besonders in Großstädten haben viele Bürger aber keine eigene Garage oder keinen festen Stellplatz, wo eine Ladevorrichtung zu privaten Gebrauch angebracht werden könnte.

Trotz des Fortschrittes bleibt das Ausbau-Level noch niedrig. Hierzu ein Vergleich mit herkömmlichen Tankstellen, wo Benzin oder Diesel zu haben sind. Nach Branchenschätzung gibt es in NRW circa 3150 Sprit-Tanken, sie haben im Schnitt 10 Zapfsäulen - eine Ladesäule hingegen hat in der Regel zwei Ladepunkte und der Ladevorgang dauert deutlich länger als das Sprittanken. Vollgetankt kommen Pkw mit Verbrennungsmotoren in der Regel deutlich weiter als ein Stromer nach einem Ladevorgang.

Autoexperten werteten den Fortschritt beim Ausbau positiv. Aus Sicht von Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen liegt dies an der umfangreichen staatlichen Hilfe. „Die Landesregierung engagiert sich - die Zusatzprogramme helfen, das ist eine schöne Sache.“ Allerdings gebe es das Risiko, dass durch die starke staatliche Rolle die Ladeinfrastruktur nicht da aufgebaut werde, wo sie nötig sei, sagte der Professor. Der Aufbau sei zudem insgesamt zu kleinteilig. Es gebe keinen zentralen Plan, jedes Stadtwerk wurschtele vor sich hin, monierte Dudenhöffer. „Jeder stellt die Ladesäulen nach seinem Gusto auf.“

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