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Aufsichtsrat billigt einstimmig Umbau von Thyssenkrupp

Alles auf Anfang bei Thyssenkrupp. Der Aufsichtsrat hat die geplante Zweiteilung des Konzerns zu den Akten gelegt. Jetzt soll kräftig umgebaut werden. Die Arbeitnehmer haben dabei ein klares Ziel.

21.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp hat grünes Licht für den weitreichenden Umbau des Industriekonzerns und den damit verbundenen Abbau von 6000 Stellen gegeben. Das Kontrollgremium billigte am Dienstag einstimmig den zweiten radikalen Kurswechsel bei dem Traditionsunternehmen innerhalb weniger Monate. „Wir als Aufsichtsrat sind überzeugt davon, dass der Vorstand mit der neuen Strategie den richtigen Weg eingeschlagen hat. Damit werden wir den Interessen von Mitarbeitern, Kunden und Aktionären gleichermaßen gerecht“, sagte die Aufsichtsratsvorsitzende, Martina Merz, laut Mitteilung.

Bislang wollte Vorstandschef Guido Kerkhoff den finanziell angeschlagenen Konzern in zwei eigenständige Unternehmen für Werkstoffe und Industriegüter aufspalten. Diese Pläne sind jetzt vom Tisch. Jetzt soll der Konzern zwar als Ganzes erhalten bleiben, seine Struktur aber deutlich verändert werden. Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, kann Kerkhoff die profitable Aufzugssparte des Konzerns teilweise an die Börse bringen. Mit den Einnahmen wolle man „die Weiterentwicklung der einzelnen Unternehmen im Konzern vorantreiben“, sagte Kerkhoff.

Auslöser des Strategieschwenks war das Scheitern der Fusion der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem indischen Konkurrenten Tata. Kerkhoff hatte die Fusion abgeblasen, weil er nicht mehr mit dem Ja der EU-Kommission zu dem Bündnis rechnet. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern entstanden.

Thyssenkrupp wollte so die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern, das unter Überkapazitäten und dem Wettbewerbsdruck aus Asien leidet. Jetzt bleibt der Stahl zusammen mit dem Materialhandel ein Kernbereich des Konzerns. Der Stahl und der Handel hätten Thyssenkrupp groß gemacht, hatte Kerkhoff erklärt. „Es sind Geschäfte, die wir gut verstehen.“

Direkt nach der Absage an die Stahlfusion hatte der Vorstand die Beschäftigten mit der Ankündigung aufgeschreckt, beim geplanten Abbau von 6000 Stellen könne es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Mittlerweile hat Thyssenkrupp der IG Metall aber zugesichert, dass dies nur die allerletzte Möglichkeit sein soll. Die Gewerkschaft will aber den kompletten Verzicht auf Entlassungen durchsetzen. Kerkhoff kündigte am Dienstag an, zügig Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufzunehmen, „damit dort schnell Klarheit darüber besteht, wie wir den Stahl zukunftsfähig machen“.

Das neue Konzept für Thyssenkrupp mit seinen rund 160 000 Mitarbeitern sieht eine Umwandlung der Konzernzentrale in eine schlanke Dachgesellschaft vor. Die einzelnen Sparten des Firmengeflechts aus Stahl, Autoteilen, Fabrikbau, Werften und Aufzügen sollen mehr Eigenständigkeit erhalten. Partnerschaften und Teilverkäufe sind nicht ausgeschlossen. Verbunden ist das Konzept mit erheblichen Einsparungen. Kerkhoff will die jährlichen Verwaltungskosten von derzeit 380 Millionen Euro auf unter 200 Millionen Euro in etwa halbieren.

Kritik am Zustand Thyssenkrupp kam vom Krupp-Nachfahren Friedrich von Bohlen und Halbach. „Das Unternehmen erscheint orientierungslos“, sagte der Enkel der einstigen Firmeneigentümerin Bertha Krupp der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ, Dienstag). Es entstehe der „Eindruck von Aktionismus“. Die Krupp-Nachfahren sind nicht in der Krupp-Stiftung vertreten, die mit 21 Prozent größter Aktionär des Konzerns ist.

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