„Auf etwas länger zu warten, passt nicht ins Schema“

dzMeinung am Mittwoch

„Meinung am Mittwoch“ heißt eine Kolumne, in der Gastautoren zu Wort kommen. Sie schreiben über Themen, die ihnen wichtig sind. Heute beleuchtet Pfarrerin Dr. Katrin Stückrath den Advent.

von Dr.Katrin Stückrath

Lünen

, 28.11.2018, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einer kritischen Kolumne zum Thema Adventszeit dürfen drei Themen auf keinen Fall fehlen.

Erstens: Der Advent beginnt zur Unzeit, z.B. mit Spekulatius ab September in den Supermärkten.

Zweitens: Es wird viel mehr konsumiert, als der wahre Zweck von Weihnachten (die Geburt von Jesus) rechtfertigen kann.

Drittens: Bei dem ganzen Stress kommt die Besinnung zu kurz, die doch das Eigentliche der Adventszeit ausmacht.

Natürlich stimmen diese Klagen. Die Ursache hierfür liegt in unserem Wirtschaftssystem, das vom Immer-Mehr-Konsumieren lebt. Auf etwas länger zu warten, passt da überhaupt nicht ins Schema.

Zur Person

Gastautorin Dr. Katrin Stückrath

„Auf etwas länger zu warten, passt nicht ins Schema“

Dr. Katrin Stückrath, Pfarrerin. © Foto: Magdalene Quiring-Lategahn

Die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Horstmar-Preußen ist eine unserer Lüner Gastautoren. Sie engagiert sich auch in der Lüner Inititiative gegen globale Armut (Liga).

Von den Kindern erwarten wir es aber. Wir schenken ihnen Adventskalender in allen Formen und Farben, damit sie lernen: Nur ein Türchen jeden Tag und nicht die ganze Schokolade auf einmal in sich reinstopfen! Und die Erwachsenen? Die gönnen sich schon ab Mitte November das volle Programm: Weihnachtsmärkte und Betriebsessen, Weihnachtsfrühstück und Wichtellotterie.

Ich gebe allerdings zu, dass ich auch schon vor dem ersten Advent Plätzchen gebacken habe. Plätzchen backe ich sonst nie. Ich kann also nicht schreiben, dass es die letzten Herbst-Plätzchen gewesen seien.

Das Ritual des Geschenke-Austauschs

Auch habe ich mir schon Gedanken über Geschenke gemacht (allerdings versuche ich solche zu finden, die sich rückstandslos konsumieren lassen und verschenke gerne Seife, Schokolade oder selbst gemachten Likör). Von dem allgemeinen Ritual des Geschenke-Austauschs kann ich mich auch nicht frei machen.

Wir sind den Zwängen nicht hilflos ausgeliefert

Es hat den Anschein, dass wir den oben beschriebenen drei Advents-Zwängen hilflos ausgeliefert sind, entweder weil wir sie befolgen, oder weil wir chancenlos versuchen, gegen sie zu handeln. Ich denke, das ist nicht so. Und da wir Christen für den ganzen Schlamassel mit dem Advent ein bisschen mehr verantwortlich sind als z.B. unsere muslimischen Mitbürger, liefere ich hier ein Gegengift: Es heißt evangelische Freiheit. Die Bibel fasst sie zusammen mit den Worten: „Alles ist erlaubt. Aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt. Aber nichts soll Macht über mich haben.“ (1. Kor 6,12).

Dient es zum Guten?

Das bedeutet, man kann so frei sein, Spekulatius im September zu essen und massenhaft Geschenke zu kaufen. Aber dient das zum Guten? Auch sollte es keinesfalls zum Wahn werden, der Macht über einen hat. Besonders für die Besinnung im Advent sind wir selbstverantwortlich. Die mache ich mir selber mit Adventsmusik in der Kirche oder in meiner Bude mit einem Plätzchen, einem Tee und einem guten Bibelwort. Eins meiner liebsten Bibelwörter kennen Sie ja jetzt.

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