Artisten und Tänzerinnen ausgebeutet: Razzien

Eine Bande um zwei Hauptbeschuldigte soll Künstler, Artisten und Tänzerinnen nach Deutschland gelockt und ausgebeutet haben. Nun gingen Ermittler mit einer Razzia gegen die mutmaßlichen Täter vor.

10.07.2019 / Lesedauer: 2 min

Mit rund 300 Beamten ist die Polizei am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gegen Schleuserei und Zwangsprostitution in der Artisten- und Zirkusszene vorgegangen. Künstler, Artisten und Tänzerinnen seien unter falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt und dann ausgebeutet worden, sagte eine Sprecherin der Bundespolizeidirektion St. Augustin. Die Hauptbeschuldigten - ein 51-Jähriger aus Simbabwe und eine 62-jährige Deutsche russischer Herkunft - wurden festgenommen.

Insgesamt gehen die Ermittler von 17 Beschuldigten aus, zwölf Männer und fünf Frauen im Alter von 25 bis 66 Jahren mit vorwiegend deutscher Staatsangehörigkeit, wie die Bundespolizei und die Staatsanwaltschaft Aachen gemeinsam mitteilten. Weitere Beschuldigte sollen aus der Türkei, Äthiopien und Polen kommen. Der Bande konnten den Angaben zufolge bisher über 60 Schleusungen nachgewiesen werden.

Die beiden Hauptbeschuldigten sollen Scheinfirmen gegründet haben, durch Castings Artisten und Künstler aus Simbabwe und anderen afrikanischen Ländern sowie Tänzerinnen aus Russland auf sich aufmerksam gemacht und diese unerlaubt nach Deutschland gebracht haben. Statt wie versprochen geregelt als Künstler zu arbeiten, mussten die Geschädigten laut Bundespolizei ihren Lohn abgeben und in heruntergekommenen Wohnwagen, Lagerräumen oder Wohnungen hausen. Die Männer hätten als Artisten auftreten müssen und seien mit fensterlosen Transportern zu Auftritten gebracht worden. Es soll mit dem Tode oder mit Gewalt gegen Freunde oder Familien in der Heimat gedroht worden sein. Die Frauen seien an Bordelle verkauft worden.

Durchsucht wurden im Auftrag der Aachener Staatsanwaltschaft 16 Bordelle und Wohnungen und sonstige Objekte, darunter auch zwei Zirkusse. Schwerpunkt der Razzien seien Aachen, Düren und Eschweiler gewesen, eine Razzia gab es außerdem in einem Zirkus in Ludwigshafen.

Der Behördenmitteilung zufolge wurden acht Opfer vernommen. Die Einsatzkräfte stellten unter anderem Laptops, Mobiltelefone, Personaldokumente, Geschäftsunterlagen und Arbeitsverträge sicher, zudem wurde Bargeld in Höhe von 4200 Euro beschlagnahmt.

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