Antisemitismus-Vorwurf: Kunstverein hält an Ehrung fest

Trotz Antisemitismus-Vorwürfen will ein Aachener Kunstverein einen Preis an den amerikanisch-libanesischen Künstler Walid Raad überreichen. Man habe die Vorwürfe recherchiert, „aber nichts gefunden, was wirklich stichhaltig ist“, sagte der Vorstandssprecher der Freunde des Ludwig Forums, Michael Müller-Vorbrüggen, am Mittwoch in einem Interview mit dem Deutschlandfunk.

02.10.2019, 18:29 Uhr / Lesedauer: 1 min

Mit dem Preis sollte Raad im Oktober für sein 15 Jahre dauerndes Projekt „The Atlas Group“ gewürdigt werden, in dem sich der 1967 geborene Künstler mit der gewaltsamen Geschichte des Libanon auseinandersetzt.

„Wir unterscheiden zwischen der Kritik am Staat Israel - ich denke, die ist möglich und auch berechtigt zum großen Teil - und zwischen der Kritik an der grundsätzlichen Existenz Israels“, sagte Müller-Vorbrüggen. Das habe man bei Walid Raad aber nicht finden können. „Deshalb haben wir uns entschieden - nach großer Diskussion und auch nicht einstimmig - , den Preis dann trotzdem zu vergeben.“

Die Stadt Aachen hat sich dagegen aus der Verleihung zurückgezogen. „Wir müssen nach entsprechenden Recherchen davon ausgehen, dass der designierte Preisträger Anhänger der BDS-Bewegung ist und mehrfach an Maßnahmen zum kulturellen Boykott Israels beteiligt war“, hatte Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) den Schritt begründet. Darauf angesprochen, habe sich Raad auch nicht ausreichend von der vom Landtag als antisemitisch eingestuften Bewegung distanziert.

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