Lügde-Untersuchungsausschuss gestartet: Empfehlungskatalog

Mit der Anhörung von vier Experten aus der Kinder- und Jugendhilfe hat der Parlamentarische Untersuchungsausschuss „Kindesmissbrauch“ am Freitag seine Arbeit im Düsseldorfer Landtag aufgenommen. Der Ausschuss wurde nach dem massenhaften Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde eingerichtet und soll mögliche Fehler bei Jugendämtern, Polizei, Justiz und Landesbehörden untersuchen. „Wir hoffen, dass wir am Ende einen Handlungsempfehlungskatalog haben, damit so etwas nicht wieder vorkommt“, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Andreas Kossiski (SPD) am Rande der Sitzung der Deutschen Presse-Agentur.

13.09.2019, 02:49 Uhr / Lesedauer: 1 min
Lügde-Untersuchungsausschuss gestartet: Empfehlungskatalog

Der Düsseldorfer Landtag. Foto: Federico Gambarini/Archivbild

Die parlamentarische Aufarbeitung des Missbrauchsfalls von Lügde begann - zufällig - am selben Tag, an dem das Urteil gegen die beiden Haupttäter Andreas V. (56) und Mario S. (34) rechtskräftig wurde. Der Ausschuss will zunächst klären, wie die Strukturen der Jugendhilfe in NRW und ihre Schnittstellen zur Polizei funktionieren.

Matthias Lehmkuhl vom Landesjugendamt Westfalen sagte, die Zusammenarbeit zwischen Jugendämtern und Polizei habe aus seiner Sicht in den letzten Wochen durch den Fall Lügde Auftrieb bekommen: Es gebe nun Informationen von Polizei Richtung Jugendämter, die „es vorher so nicht gegeben hat.“ In den Jugendämtern aus seinem Bereich gebe es zwar bisher viele Formen der Zusammenarbeit mit der Polizei - die seien aber völlig verschieden: „Was fehlt sind fixe Kooperationsvereinbarungen.“

Großen Raum nahmen die Erklärungen der Experten zu den komplexen Zuständigkeiten von Jugendämtern ein. So hatte das Jugendamt im niedersächsischen Hameln Andreas V. im nordrhein-westfälischen Lügde als Pflegevater für ein kleines Mädchen eingesetzt. Ein Betreuungswechsel hin zum örtlichen Jugendamt fände - so die Experten - gesetzlich erst nach zwei Jahren statt. Das örtliche Jugendamt in Lippe hatte bereits erklärt, es hätte dem Vater die Pflegschaft nicht übergeben.

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