Was vor fast 900 Jahren in Cappenberg passiert ist, hat Geschichte gemacht: Gottfried, Spross einer der mächtigsten Familien des Reiches, verzichtet auf seinen Besitz. Warum nur?

Selm

, 26.09.2019, 19:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Feuer! Dieser Ruf hallt am 2. Februar 1121 durch die Straßen Münsters. Der Mittelpunkt der Siedlung, der Paulus-Dom, steht bereits in Flammen. Sie fressen sich gierig weiter. Am Ende liegen nahezu alle Gebäude in Schutt und Asche - bis auf die Lambertikirche: ein Schock, insbesondere auch für die, die verantwortliche für das Fiasko sein sollen: Gottfried und Otto von Cappenberg.

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Die Brüder waren zusammen mit Lothar von Supplinburg, dem späteren Kaiser Konrad III., gegen Münster gezogen. Ihr Ziel: den von kaisertreuen Kräften abgesetzten und aus der Stadt gejagten papsttreuen Bischof wieder in sein Amt einsetzen. Eine Auseinandersetzung, die typisch ist für die Zeit, die später als Investiturstreit in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Ursache des Feuers bleibt ungeklärt

Ob Dom und Siedlung infolge der kriegerischen Handlungen in Flammen aufgingen oder, wie die Quelle meint, durch Unachtsamkeit, lässt sich nicht mehr entscheiden. Ganz offensichtlich war das verheerende Feuer aber nicht geplant. Nur so lässt sich die Erschütterung der Cappenberger erklären, die weitreichende Folgen hat.

Gottfried entsagt 1122 dem Ritterstand, vermacht alle weltlichen Besitztümer dem kurz zuvor gegründeten Prämonstratenserorden und kündigt an, zusammen mit seinem Bruder Otto selbst Ordensmann werden zu wollen.

Ist aus heutiger Sicht, diese fromme Reue und der Respekt vor dem Fegefeuer glaubhaft oder war nicht vielmehr die durch den Kaiser angedrohte Verhängung der Reichsacht ursächlich für die Gründung des Stifts? Prof. Dr. Knut Görich, wissenschaftlicher Leiter der öffentlichen Fachtagung am 27. und 28. September über Cappenberg und die Ereignisse vor 900 Jahren, will sich da nicht festlegen.

Angst vor Gott oder vor dem Kaiser?

„Ich weiß nicht, ob man eine Antwort im Sinne von entweder oder geben kann oder muss“, sagt er. Beide Motive seien nachvollziehbar. „Ein Akt der Buße und der Reue in Folge einer Handlung gegen Gott – und als solche war die Zerstörung des Doms durchaus zu sehen – war für die Zeitgenossen durchaus verständlich. Außerdem war die Gefahr der Verlust der Güter in Folge der Reichsacht real.“

Laut Görich gebe es „keinen Anlass zu zweifeln, dass Gottfried ein sehr frommer Mann war. Denn er hat gegen erheblichen Widerstand nicht zuletzt seines Schwiegervaters die Übertragung der Güter durchgesetzt“.

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