Anerkennung ausländischer Gesundheitsberufe wird vereinfacht

In NRW herrscht ein dramatischer Mangel an Pflegekräften. Die Landesregierung will nun mehr qualifizierte Kräfte aus dem Ausland gewinnen. Dafür soll Bürokratie abgebaut werden.

25.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Für einen Arzt aus Syrien oder eine philippinische Pflegekraft ist der bürokratische Dschungel bei der Anerkennung ihrer Berufe in Nordrhein-Westfalen kaum zu überblicken. Angesichts des dramatischen Fachkräftemangels besonders in der Pflege will die Landesregierung die Anerkennungsverfahren für Gesundheitsberufe nun vereinfachen. Ab 2020 werden die Verfahren für im Ausland erworbene berufliche Qualifikationen etwa als Krankenpfleger oder Arzt bei der Bezirksregierung Münster zentralisiert. Das hat das Kabinett am Dienstag in Düsseldorf beschlossen.

Bislang waren die Zuständigkeiten über die landesweit fünf Bezirksregierungen verteilt sowie beim Landesprüfungsamt für Medizin, Psychotherapie und Pharmazie (LPA) in Düsseldorf angesiedelt. Die bisherigen Verfahren dauerten zu lang, erklärte Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). 2017 habe es im Schnitt 190 Tage, also mehr als ein halbes Jahr gedauert, bis ein im Ausland erworbener Heilberuf mit Approbation anerkannt worden sei. Bei Gesundheitsfachberufen dauere es rund 118 Tage.

„Wir müssen gerade mit Blick auf den Gesundheitsbereich eine ganz neue Willkommenskultur ... verankern“, sagte Laumann. Das Land könne es sich „schlichtweg nicht leisten“, gut ausgebildete Menschen wegen zu langer Verfahren und überbordender Bürokratie zu verlieren. Allein in der Pflege fehlten schon jetzt 10 000 Fachkräfte. „Wir wollen hier deutlich schneller, effizienter und unbürokratischer werden, um wettbewerbsfähig zu sein bei Fachkräften, die wir im Gesundheitsbereich dringend benötigen“, sagte Laumann.

Laumann rechnet mit einer steigenden Zahl von Anträgen. 2017 seien in NRW allein bei medizinischen und nicht medizinischen Gesundheitsberufen mehr als 3800 Anerkennungsanträge gestellt worden, ein Jahr zuvor waren es noch gut 3200. Allerdings werden nicht alle Anträge anerkannt.

So wurden 2017 von knapp 1270 Anträgen ausländischer Gesundheits- und Krankenpflegekräfte bisher nur 315 positiv entschieden, wie aus Zahlen des Ministeriums hervorgeht. In etwa der Hälfte der Fälle wurden Anpassungslehrgänge verordnet, die sich lange hinziehen können. Von 1080 Anträgen ausländischer Ärzte auf die Erteilung der Approbation im Jahr 2017 wurden erst gut 350 positiv entschieden.

Die Anerkennungsverfahren in Münster werden künftig vollständig digitalisiert. Aus dem Ausland können dann auch elektronisch Anträge gestellt werden. In Kombination mit der geplanten zentralen Servicestelle auf Bundesebene sollen ausländische Fachkräfte von Beginn an beraten und begleitet werden. So sollen ihre Erfolgsaussichten für eine Anerkennung geklärt werden. Sie sollen auch Hilfe bei Übersetzungen und der Antragstellung bekommen.

Der Bundestag hatte kürzlich ein Fachkräfteeinwanderungsgesetz beschlossen, das qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland ebnen soll. Wer Deutsch kann und ausreichend qualifiziert ist, soll auch zur Jobsuche für bis zu sechs Monate kommen dürfen.

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