An der B 236 hat es kürzlich ein Reh erwischt: Einer von bislang 17 gemeldeten Wildunfällen in Schwerte im Jahr 2018. Die Statistik zeigt: Auf einer Straße ist besondere Vorsicht geboten.

Schwerte

, 09.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die B 236 ist eine der Gefahrenstellen in Schwerte, hier kommt es regelmäßig zu Wildunfällen. Wo noch Vorsicht geboten ist, wie man sich als Autofahrer richtig verhält und wem man Wildunfälle melden muss, beantworten wir in Fragen und Antworten.

Wo in Schwerte sollten Autofahrer besonders auf Wildwechsel gefasst sein?

Die Statistik der Polizei gibt eine eindeutige Tendenz vor. 17 Wildunfälle wurden 2018 bislang gemeldet, sechs davon auf der Rote-Haus-Straße. Drei Unfälle gab es auf der Letmather Straße, je zwei Mal tauchen die Sölder Straße und der Bürenbrucher Weg auf, je einmal der Bürenbruch, der Michaelisweg, die Bergstraße und Iserlohner Straße/Am Ohl. „Immer waren es Unfälle mit Rehen, außer bei einem Unfall an der Sölder Straße, da waren es zwei Wildschweine“, so Polizei-Pressesprecherin Ute Hellmann.

Die Unfallstellen decken sich auch mit der Einschätzung von Hegeringleiter Dietrich Junge, der zusätzlich noch die Ruhrtalstraße in Richtung Hagen nennt.

Sind es Jahr für Jahr die gleichen Stellen – oder meiden die Wildtiere Straßen, wenn es zum Beispiel große Baustellen wie an der B 236 gibt?

„An Baustellen gewöhnen sich Wildtiere schnell“, so Junge. Kürzlich habe er einen Dachs eingesammelt, der im Baustellenbereich an der Ruhrbrücke überfahren worden war.

Wann passierten die Unfälle?

Der erste Wildunfall wurde 2018 am 15. April gemeldet, die meisten waren es im Juni (6). Die Uhrzeiten liegen zwischen abends, ab 20 Uhr, und morgens, bis 8.30 Uhr. Nur eine Ausnahme gibt es: Ein Unfall auf dem Bürenbruch war nachmittags um 15.30 Uhr.

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Warum überqueren Wildtiere überhaupt die Straße?

Die Futtersuche ist ein Hauptgrund. Tagsüber halten sich die Tiere im Wald auf, morgens und abends wechseln sie dann auf die Wiesen und Felder, erklärt Junge. In der Dämmerung sind sie vor Fressfeinden geschützt. Neu orientieren müssen sie sich zum Beispiel, wenn Felder abgeerntet werden. Dann fehlen plötzlich Flächen, in denen sie sich sonst geschützt aufgehalten haben, auch das kann für Unruhe und häufigere Wildwechsel sorgen.

Besonders nach der Zeitumstellung am Sonntag, 28. Oktober, sollten Autofahrer auf Wild achten, rät Junge. Die Tiere kennen keine Uhrzeit und werden vom starken Verkehrsaufkommen überrascht.

Wie verhalte ich mich als Autofahrer richtig, wenn ein Reh an der Fahrbahn auftaucht?

Die Polizei rät: Sofort abblenden, kontrolliert abbremsen, hupen und anhalten. „Mit Fernlicht blendet man die Tiere und löst eine Art Schockstarre aus“, so Ute Hellmann. Die Warnblinkanlage sollte unverzüglich eingeschaltet werden, um nachfolgende Verkehrsteilnehmer zu warnen. Entfernt sich das Tier, mit Schrittgeschwindigkeit weiterfahren und den Fahrbahnrand im Blick behalten. Denn wo sich ein Wildtier befindet, folgen oft Nachzügler.

Ist eine Kollision nicht mehr zu vermeiden, nicht ausweichen, sondern die Fahrspur halten. „Das ist natürlich schwierig einzuhalten, weil der Reflex ist, auszuweichen. Das sicherste ist es, wenn man zu Dämmerungszeiten unterwegs ist, vorsichtig zu fahren, den Straßenrand im Blick zu haben und bremsbereit zu sein“, so die Polizei-Pressesprecherin.

Es ist zum Unfall gekommen: Wie verhalte ich mich, wen muss ich informieren?

Nach einem Wildunfall müssen Autofahrer unverzüglich anhalten, die Warnblinkanlage einschalten und die Unfallstelle absichern, unter anderem mit dem Warndreieck. Der Unfall muss der Polizei gemeldet werden. „Wir verständigen dann den zuständigen Jäger“, so Hellmann. Außerdem werden ein Unfallbericht und eine Bescheinigung ausgestellt, die man für die Schadensregulierung bei der Versicherung einreichen kann.

Was unternimmt der Jäger dann?

Im einfachsten Fall sammelt er das tote Tier ein. So war es auch im Falle des Rehs, das Junge an der B 236 abgeholt hat. Es lag direkt an der Unfallstelle am Fahrbahnrand. „In 50 Prozent aller Fälle entfernt sich das Tier aber noch von der Unfallstelle weg, liegt nicht direkt an der Straße“, so Junge. Manchmal könne man die Spur, beispielsweise im Morgentau, gut verfolgen. „Ansonsten muss man mit einem guten Hund losziehen und versuchen es zu finden, damit das Tier nicht zu lange leiden muss.“

Selbst darf man das Wild auf keinen Fall mitnehmen, das wäre Wilderei, ein Straftatbestand.

Zahl der Wildunfälle auf Höchststand Die Autoversicherer haben 2017 so viele Wildunfälle registriert wie noch nie seit Anfang der 1990er-Jahre. Rund 275.000 Verkehrsunfälle mit Wildtieren seien 2017 gemeldet worden. Dies geht aus einer Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hervor, die jetzt veröffentlicht wurde. Das seien 11.000 mehr als im Vorjahr und 34.000 mehr als noch vor rund zehn Jahren, hieß es weiter. Jeden Tag kollidierten somit im Schnitt rund 750 Wildtiere mit Autos. Für jeden Unfall hätten die Versicherer durchschnittlich 2700 Euro gezahlt. Die wirtschaftlichen Schäden infolge von Wildunfällen erreichten etwa 744 Millionen Euro.
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