Amtsarzt rät zur Grippe-Impfung - im Großhandel wird der Impfstoff knapp

dzGrippe-Impfung

Die letzte Grippewelle hatte es in sich: Schwerpunkt im Kreis Unna mit 386 Erkrankten war Lünen. Der Amtsarzt rät zum Impfschutz. Doch wer diesen Rat annehmen will, sollte sich beeilen.

Lünen

, 07.11.2018, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Grippephase Anfang des Jahres ist vielen noch in schlimmer Erinnerung: In zahlreichen Firmen fehlten die Mitarbeiter, im Familien- und Bekanntenkreis lagen die Menschen flach. 1124 Grippekranke waren in den ersten vier Monaten 2018 im Kreis Unna gemeldet worden, im Jahr davor waren es 173. „Ein salopper Umgang mit der Krankheit nach dem Motto ,Mich haut so schnell nichts um‘ wirkt vielleicht witzig, ist aber eine Fehleinschätzung“, warnt Amtsarzt Dr. Roland Staudt. Die Gesundheitsbehörde sagt: „Der beste Schutz gegen Grippe ist die vorbeugende Impfung.“

Dr. Funke: „Viele Patienten sind verunsichert“

Dr. Michael Funke, Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, spricht seine Patienten gezielt an und hat ein Schild an der Praxistür. Allerdings seien viele verunsichert. „Bekomme ich jetzt die gute und richtige Impfung“ würden einige fragen. Im vergangenen Jahr hatten die Kassen anfangs nur die Dreifach- statt Vierfachimpfung bezahlt. Das ist jetzt anders: Aufgrund dieser Erfahrungen haben die Krankenkassen im April beschlossen, den Vierfach-Impfstoff zu übernehmen. „Als diese Entscheidung fiel, war schon klar, dass die Produktion nicht reichen würde“, sagt Bernd Scharfenkamp, Chefapotheker des katholischen Klinikums Lünen-Werne.

Er hat für die Mitarbeiter beider Häuser 700 Impfdosen bestellt und weitere 200 zur Reserve. Am Freitag sei er vom Großhändler gefragt worden, ob er die auch brauche. Denn es fehle Nachschub. „Nach Vierfach-Impfstoff wird schon gesucht“, weiß Bernd Scharfenkamp. Er ist heilfroh, im Februar genügend bestellt zu haben.

Das ist auch Dagobert Ullrich, Sprecher der Lüner Apotheker. „Wir haben einen Vorrat“, sagt er, die Ärzte hätten sich ebenfalls eingedeckt. Eine Anfrage beim Großhandel bestätigt ihm: „Da ist momentan nichts mehr zu bekommen.“ Bei Dr. Michael Funke ist von Engpässen noch nichts angekommen: „Wir haben genug Vierfach-Impfstoff da“.

„Ich möchte mich und andere schützen“

Dass sich mehr Menschen aufgrund der Erfahrungen des vergangenen Jahres impfen lassen, kann Funke nicht bestätigen. „Es läuft in normalem Rahmen ab.“ Im St.-Marien-Hospital haben 400 Klinik-Mitarbeiter die vom Arbeitgeber angebotene Impfaktion bereits genutzt. Einer ist Matthias Möllenbrink (39). Er lässt sich von Impfarzt Christoph Fedorowicz pieksen. Es ist seine 10. Grippeimpfung. Matthias Möllenbrink „hält die meisten Impfungen für sinnvoll“. „Ich möchte mich und andere schützen“, begründet er seine Entscheidung. Sorge vor Nebenwirkungen hat er nicht. Eine Grippe hält er für schwerwiegender.

Seit dem 22. Oktober läuft die Impfaktion für die Klinikmitarbeiter, die sich während der Arbeitszeit den Vierfachimpfstoff verpassen lassen können. „Einige, die es zu den festgelegten Zeiten hier nicht schaffen, gehen zum Hausarzt“,

weiß Bernd Scharfenkamp. Auch er ist Impfbefürworter. Wenn 75 Prozent der Menschen sich impfen lassen, gebe es den so genannten Herdenschutz. Damit seien auch die geschützt, die nicht geimpft werden könnten. Die beste Impfzeit sei jetzt, so Scharfenkamp. Denn bis der Schutz komplett aufgebaut sei, dauere es etwa zwei Wochen.

Schlappheit als mögliche Nebenwirkung

Dr. Michael Funke nennt als mögliche Nebenwirkungen Schmerzen an der Einstichstelle oder einen Tag Schlappheit, weil der Körper wie bei einer Infektion Antikörper bildet. Er hat sein gesamtes Praxisteam geimpft. „Wir sind da an vorderster Front.“

„Mit jedem Geimpften sinkt das Risiko einer erneuten Erkrankungswelle“, betont Amtsarzt Dr. Roland Staudt und macht deutlich: „Auch wer nicht selbst erkrankt, kann andere ebenfalls nicht Geimpfte anstecken und so eine Kettenreaktion auslösen.“ Einen echten Schutz vor der Influenza biete nur eine Impfung. Besonders im Blick hat der Amtsarzt Ältere und chronisch Kranke, deren Immunsystem aufgrund des Alters oder einer chronischen Erkrankung geschwächt ist. Auch Menschen, die beruflich häufigen Kontakt mit anderen Menschen haben, empfiehlt er die Impfung.

Weil sich der Erreger von Jahr zu Jahr ändert, sollte die Schutzimpfung alle Jahre wieder im Herbst wiederholt werden. „Die Impfung kann die Erkrankung nicht in jedem Fall verhindern. Sie trägt aber gerade bei Älteren dazu bei, die Komplikationen und den Schweregrad der Grippe zu verringern“, erklärt Volker Brüning, Sprecher der Apotheker im Nordkreis Unna.
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