Ampeln - für viele Autofahrer ein Aufreger. Zehn Fakten rund um Ampeln in Schwerte: Von kuriosen Störungen und Autofahrern, die selbst Schuld haben, dass das Signal schnell auf Rot springt.

Schwerte

, 10.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Heute sind sie eine Selbstverständlichkeit, über die insbesondere Autofahrer gerne mal schimpfen: Ampeln. Vor 150 Jahren war das noch ganz anders: Am 10. Dezember 1868 wurde in London die allererste Ampel aufgestellt. Damals noch für Pferdekutschen.

Zum 150. Geburtstag der Lichtzeichenanlage haben wir zehn Fakten über die Ampeln in Schwerte zusammengetragen - über die erste Ampel in der Ruhrstadt und eine Störungsmeldung aus der Kategorie „kurios, kurios“. Bis zu einem Tipp, der Autofahrern Aufregung ersparen kann.

? Wo und wann wurde die erste Ampel in Schwerte aufgestellt?

1964 an der Kreuzung Wittekindstraße/Béthunestraße (damals noch Verbandsstraße). Die Ampel sollte dafür sorgen, den Schulweg für Kinder sicher zu machen, sagt Uwe Fuhrmann, Vorsitzender des Heimatvereins.

? Wie viele Ampeln gibt es insgesamt in Schwerte?

31 Ampelanlagen sind auf der Liste verzeichnet, die Thomas Kaczynski führt. Er ist bei der Stadtentwässerung Schwerte (SEG) zuständig für das Thema Straßen. Gemeint sind damit nicht einzelne Ampelmasten, sondern der komplette Kreuzungsbereich. Unterschieden werden in der Liste Vollsignalisierung, also Anlagen mit Ampeln für Autos und Fußgänger, und Fußgängerampeln.

Ampeln in Schwerte: Zehn Fakten und ein Tipp für Autofahrer

Die erste Ampel in Schwerte wurde 1964 an der Ecke Bethunestraße/Wittekindstraße aufgestellt. © Bernd Paulitschke

? Wonach richtet sich, wann eine Ampel auf grün oder rot springt - und kann ein Autofahrer das beeinflussen?

Es gibt zwei verschiedene Systeme: Induktionsschleifen und Kameras, die die Bewegung überwachen. Die Induktionsschleifen erfassen, wenn ein Auto über sie rollt oder darauf steht. „Eine Schleife ist direkt am Haltebalken, eine vorgelagerte zwanzig Meter vor der Ampel“, erklärt Thomas Kaczynski. Die Kameras funktionieren als reine Bewegungsmelder, zeichnen keine Daten auf.

Und beide Systeme bestrafen Autofahrer, die zuviel Platz zum Vordermann lassen, erklärt Kaczynski. Ampeln sind auf ein Zeitfenster programmiert - beispielsweise eine Grünphase von 50 Sekunden. Unabhängig davon erfassen die beiden Systeme aber, wenn nach einem Auto kein weiteres folgt. Dann geht die Anlage davon aus, dass keine weiteren Autos über die Kreuzung fahren wollen und springt vorzeitig auf Rot. Dafür reicht schon eine Lücke von 10, 15 Metern zwischen zwei Autos. Beim Anfahren sollten Autofahrer also darauf achten, keine Lücken entstehen zu lassen.

? Was passiert bei Störungen an den Ampeln?

Geht dieser Hinweise bei der SEG, erreichbar unter Tel. 259100, ein, informiert Thomas Kaczynski die Wartungsfirma. Zumindest bei Ampeln, für die die Stadt verantwortlich ist. Bei Bundes-, Land- oder Kreisstraßen geht die Info an Straßen NRW oder den Kreis Unna. „Der Techniker ist im Normalfall noch am gleichen Tag vor Ort, spätestens am nächsten Tag.“

Bei gravierenden Problemen schaltet die Ampel in den Modus um, in dem nur noch die gelben Lichter blinken. „Es gibt eine doppelte Sicherung, so dass auf keinen Fall alle Ampelrichtungen gleichzeitig grün zeigen könnten“, so Kaczynski.

Eine skurrile Störungsmeldung hielt die Techniker kürzlich mehrmals auf Trab: Immer wieder meldeten Autofahrer, dass eine Ampel an der K10 ausgefallen sei. Bei der Überürfung vor Ort konnten die Techniker nie einen Fehler feststellen. Bis ein Autofahrer die Uhrzeiten mitmeldete - und sich herausstellte, dass das Problem immer auftrat, wenn die Sonne direkt in die Kamera schien. Der Bewegungsmelder wurde „geblendet“ und „sah“ die heranfahrenden Autos nicht.

? Und was ist mit Vandalismus?

„Wenn Dortmund verloren hat, merken wir das“, sagt der Ampel-Experte. Und meint: Bei einer Niederlage des BVB kommt es mal vor, dass aus Frust ein „Anforderungstaster“, also der Drücker, abgetreten wird. Insgesamt halten sich Vandalismus und sonstige Reparaturen aber in Grenzen: 2017 mussten die Techniker nur vier Mal für die städtischen Ampeln ausrücken. Hinzukommen die turnusmäßigen Wartungen alle drei bis sechs Monate.

? Welche Ampelanlage ist in Sachen Stromverbrauch die teuerste?

Eindeutig vorne lag 2017 die Ampelanlage an der Ecke Hüsingstraße/Nordwall. 1300 Euro kamen hier an Stromkosten zusammen. Die große Ampelanlage an der Ecke Margot-Röttger-Rath-Straße/Beckestraße kam auf 450 Euro. Der Unterschied: An der Hüsingstraße sind noch Glühlampen verbaut, an der Margot-Röttger-Rath-Straße schon LED.

? Welche Kreuzung ist die komplizierteste?

Die große Kreuzung am Bahnhof, weil hier neben den vier Fahrtrichtungen auch noch die Busvorrangschaltung dazukommt, sagt Kaczynski. Einige Busse haben eine Auslösvorrichtung an Bord, über die sie in den normalen Ablauf zwischengeschaltet werden.

? Warum stehen manchmal nachts alle Ampeln an einer Kreuzung auf Rot?

Das soll Wartezeiten verhindern, erklärt Kaczynski. Rollt ein Auto über die vorgelagerte Induktionsschleife auf die Kreuzung zu, kann diese direkt auf Grün springen. Stände die andere Richtung turnusmäßig auf Grün, würde es länger dauern, das Auto müsste anhalten.

? Gibt es besondere Ampeln in Schwerte?

Eine optisch ungewöhnliche Ampel gibt es am Holzener Weg: Dort zeigt seit 2017 ein originales Berliner Ampelmännchen an, wann Fußgänger losgehen dürfen. Kinder hatten sich die Figur gewünscht, daraufhin wurde die Schablone ausgetauscht.

? Ist die Stadt für alle Ampelanlagen zuständig?

Nein. Es kommt darauf an, wer Träger der Straße ist, an der sie stehen. Für 21 Ampelanlagen an Landes- oder Bundesstraßen ist Straßen NRW zuständig. Drei fallen in der Zuständigkeitsbereich des Kreises Unna. Für die restlichen sieben ist die Stadt verantwortlich.

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