Amnesty Werne zeigt Fotos aus aller Welt: „Wir erleben eine Krise der Verantwortung“

Menschen auf der Flucht

Während die Geldautomaten in der Volksbank die Scheine ausspucken, zeigen die Bilder dahinter ganz andere Momente. „Menschen auf der Flucht“ ist eine Ausstellung der Amnesty-Gruppe Werne.

Werne

, 10.12.2018 / Lesedauer: 3 min
Amnesty Werne zeigt Fotos aus aller Welt: „Wir erleben eine Krise der Verantwortung“

Beeindruckende Fotografien zeigen das Leben von Menschen. © Vanessa Trinkwald

„Menschen wie du und ich“, sagt Heinz Bokler und schaut seinem Gegenüber einmal tief in die Augen. Es sind nur kurze, dafür aber bedachte Momente – immer dann, wenn Bokler auf die Besucher zugeht und erst stehen bleibt, wenn sich die Nasenspitzen fast berühren.

Heinz Bokler ist Mitglied der Werner Ortsgruppe von Amnesty International (ai). Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft (AG) Flüchtlinge eröffnete sie am Internationalen Tag der Menschenrechte (10. Dezember) eine Ausstellung in den Räumen der Volksbank.

„Wir sitzen auf einem Kreuzfahrtschiff und bedienen uns am Büfett“

Die Ausstellung zeigt „Menschen auf der Flucht“, Menschen wie dich und mich. Ende 2017 waren es weltweit mehr als 68,5 Millionen, die aufgrund von bewaffneten Konflikten und Verfolgung ihr Zuhause verlassen mussten. Mehr als 21 Millionen sind deshalb aus ihren Heimatländern geflohen. Das sind die nackten Zahlen, die Werner Schumacher an diesem Vormittag vorträgt. Er ist ebenfalls Mitglied der derzeit nur dreiköpfigen Ortsgruppe der weltweit agierenden Menschenrechtsorganisation.

„21 Millionen – das sind weniger als 0,3 Prozent der Weltbevölkerung“, sagt Schumacher. Bestehende Herausforderungen könnten seiner Meinung nach bewältigt werden, wenn sich die europäischen Regierungen untereinander solidarisch zeigen würden. „Was wir wirklich erleben, ist eine Krise der Verantwortung und der Solidarität.“

Amnesty Werne zeigt Fotos aus aller Welt: „Wir erleben eine Krise der Verantwortung“

Bei der Ausstellungseröffnung am 10. Dezember (v.l.): Hermann Steiger (AG Flüchtlinge), Philipp Gärtner (Volksbank), Bürgermeister Lothar Christ und Werner Schumacher von der Amnesty-Gruppe Werne. © Vanessa Trinkwald

70 Jahre ist es her, dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Palais de Chaillot in Paris die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verkündete. Es war der 10. Dezember 1948. Sieben Dekaden später gibt es die Erklärung noch immer. Ob sie gelebt wird, ist eine andere Frage. „Wir können nicht sagen, unser Boot ist voll“, wagt Hermann Steiger von der AG Flüchtlinge einen bildlichen Vergleich zu denen, die auf Schlepperbooten im Mittelmeer ihr Leben riskieren. „Wir können das nicht sagen. Denn wir sitzen auf einem Kreuzfahrtschiff und bedienen uns am Büfett.“

Steiger kritisiert, dass die Diskussion um Flüchtlinge immer auch eine Diskussion um Gerechtigkeit sei. „Und die Diskussion um Gerechtigkeit führt zum Vergleich.“ Er appelliert an die Besucher, nicht darüber nachzudenken, was gerecht ist, sondern darüber, „was human ist“.

Individuelle, alltägliche Geschichten

Doch all die Worte können an diesem Vormittag nicht ausdrücken, was die Fotografien ausdrücken. Sie erlauben einen Einblick in die individuellen, alltäglichen Geschichten von geflüchteten Menschen. Sie umreißen die vergangenen 70 Jahre und blicken zurück bis zum Zweiten Weltkrieg. Sie zeigen junge Menschen, sie zeigen Kinder. Menschen wie dich und mich. Die um ihre Zukunft bangen und um ihr Leben, während der Geldautomat an diesem Vormittag wie gewohnt die Scheine ausspuckt.

  • Die Ausstellung „Menschen auf der Flucht“ ist seit dem 10. Dezember in den Räumen der Volksbank Kamen-Werne zu sehen, Konrad-Adenauer-Straße 12-14. Sie läuft bis Weihnachten.
  • Öffnungszeiten der Volksbank: Montag bis Freitag 8.30 bis 17 Uhr, Donnerstag 8.30 bis 18.30 Uhr, Freitag 8.30 bis 14 Uhr.
  • Die Ausstellung umreißt Fluchtsituationen aus der ganzen Welt.
  • Kontakt per E-Mail an gruppe-1112@amnesty-werne.de oder online auf der Homepage der ai-Ortsgruppe Werne.
Lesen Sie jetzt
Plakat-Kampagne

Fotos mit Ur-Dortmunder Perspektive für die Menschenrechte

Was bedeuten die Menschenrechte für Menschen in Dortmund? In einer Plakatkampagne und einer Fotoausstellung im U sollen Gruppen zeigen, was sie denken – und individuell Haltung bekennen. Von Hannah Schmidt

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Freibäder im Vergleich

Freibad-Vergleich: Werne nimmt die höchsten Preise für Eintritt und Pommes

Hellweger Anzeiger Unfallschwerpunkte

Hier knallt‘s oft in Werne - aber die Unfallstatistik sagt was ganz anderes

Meistgelesen