Altbundespräsident Köhler wirbt für Partnerschaft mit Afrika

Altbundespräsident Horst Köhler hat auf dem Kirchentag in Dortmund für Afrika als „strategischen Partner für Europa“ und einen optimistischen Blick auf die afrikanische Entwicklungsfähigkeit geworben. Das Verhältnis Europas zum Nachbarkontinent sei noch immer geprägt von „jahrhundertelangem Rassismus und jahrzehntelangem Afropessimismus so vorgeprägt, dass wir den herrschenden Bedrohungs- und Schreckensszenarien nichts entgegenzusetzen haben“, sagte der profilierte Afrikakenner am Freitag in einem Vortrag.

21.06.2019, 17:33 Uhr / Lesedauer: 1 min
Altbundespräsident Köhler wirbt für Partnerschaft mit Afrika

Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident, hält beim Evangelischen Kirchentag eine Rede. Foto: Bernd Thissen

Doch damit eine gute gemeinsame Zukunft der beiden Kontinente möglich sei, müsse Europa in Afrika einen strategischen Partner erkennen und Ungleichheiten als Chance begreifen. Außerdem unterstrich Köhler den „Machtfaktor Jugend“, der von dem Kontinent mit wachsender Bevölkerung ausgehe. Europa dürfe Afrika gegenüber nicht als „Besserwisser“ und „Wohltäter“ auftreten, sondern als „Gestalter gemeinsamer Zukunft“. Er zeigte sich überzeugt, dass eine Partnerschaft keine Bedrohung für Europa sei, sondern „dem europäischen Projekt Richtung und Sinn geben“ könne.

Anklang fanden Köhlers Worte auch bei einem Überraschungsgast auf dem anschließenden Podium: Die Nobelpreisträgerin und ehemalige Staatspräsidentin Liberias, Ellen Johnson-Sirleaf, sagte, Afrika sei stets als Empfänger, nicht als Geber gesehen worden. „Heutzutage sind wir selbstbewusst“, sagte Johnson-Sirleaf.

Die jungen Menschen nähmen ihr Schicksal selbst in die Hand, statt sich von Partnern lenken zu lassen. Auch wenn nicht alle Länder ihr Potenzial ausschöpften: „Afrika ist an einem Punkt angekommen, wo es ein Kontinent der Zukunft ist“, sagte Johnson-Sirleaf. Sie wird am Samstag an einer Diskussionsrunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Dann geht es um das Thema „Vertrauen als Grundlage internationaler Politik“.

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