Einen denkwürdigen Heiligen Abend erlebte die Westhofenerin Irmgard Fulfs 1939. Rudi Schurike spielte eine Rolle. Und die Westfront.

Westhofen

, 22.12.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weihnachten 1939. Irmgard Schröder ist fünf Jahre alt. Ihre Schwester Hannelore zwei Jahre älter. Weihnachten verbringen die Kinder mit Mutter und Großmutter. Ohne den Vater.

Weihnachten 2018: Irmgard Fulfs ist 84 Jahre alt, ihre Schwester schon seit 15 Jahren tot. Und sie erinnert sich noch gut: „Mein Vati war als Soldat in den Krieg eingezogen worden. Wir waren allein in unserem alten Haus.“ Irmgard Fulfs ist in Lünen aufgewachsen, in der Nähe der Zeche Viktoria.

Die Mädchen hofften auf den Weihnachtsmann, brachte er doch stets an Heiligabend die Geschenke für die Bescherung am ersten Weihnachtstag. Irmgard Fulfs: „Es hatte ganz toll geschneit. Großmutter sagte, der Weihnachtsmann kann bei so viel Schnee nicht kommen. Wir waren sehr traurig und gingen zu Bett.“

Rudi Schurke sang

Plötzlich riefen die Erwachsenen die Kinder jedoch zurück in die Küche, wo der Volksempfänger auf dem Tisch stand. „Mutti legte den Finger an die Lippen und wir setzten uns dazu. Unsere Mutti erwartete ihr drittes Kind. Aus dem Radio erklangen schöne Weihnachtslieder. Dann wurden Wünsche von Soldaten an der Front in die Heimat gesendet.“

Auch der Vater hatte für seine Frau ein Lied bestellt: Rudi Schurickes „Hörst du mein heimliches Rufen“, offenbar das Lieblingslied der Eltern. Die Mutter weinte, und die Mädchen weinten mit. Irmgard Fulfs: „Ich glaube, es waren ,traurige Freudentränen‘.“ Und trotz der Sorgen um den Vater an der Westfront: Die Freude ging weiter, denn auf einmal klopfte es ganz laut an die Haustür. Schneebedeckt polterte der Weihnachtsmann ins Haus – mit einem kleinen Geschenk für jeden. Irmgard Fulfs: „Nie wieder haben wir so einen schönen Weihnachtsmann gesehen.“

Jetzt lesen

Bevor die Mädchen glücklich und müde ins Bett fielen, gab es noch heißen Kakao und Plätzchen. Bis heute erinnert die 84-jährige Westhofenerin sich gern an diesen besinnlichen Abend, der dann doch noch zu einem schönen Heiligabend wurde.

Bis der „normale“ Alltag bei den Schröders wieder Einzug hielt, dauerte es. Der Vater war nach Kriegsende noch lange in Gefangenschaft. Die Oma verdiente Geld dazu, indem sie Gardinen häkelte. Außerdem betrieb sie in ihrer Küche einen kleinen Handel, während Enkelin Irmgard am Küchentisch ihre Hausaufgaben erledigte.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Rohrmeisterei
73 Fotos vom Bürgerbrunch 2019 – Diese Menschen engagieren sich ehrenamtlich in Schwerte
Hellweger Anzeiger Deutsche Post
Holzener beschweren sich: Unsere Briefe landen dauernd in den Briefkästen der Nachbarn
Hellweger Anzeiger Der große Überblick
Weihnachtsmärkte in Schwerte und Umgebung: Alle Informationen auf einen Blick
Hellweger Anzeiger „Herrlich Ehrlich“
Santino (7) aus Schwerte in Vox-Gameshow – Wie gut kennen ihn seine Eltern?