Egal wo Hilfe benötigt wird - auf einen ist immer Verlass: Markus „Kappi“ Kapp. Der 55-Jährige ist der Lieblingsmensch der Familie Barton. Und wahrscheinlich noch von zig anderen Menschen.

von Marcel Schürmann

Selm

, 10.01.2020, 19:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Dezember 2019 startete die Selmer Lokalredaktion der Ruhr Nachrichten einen Aufruf an die Leser: Wer ist Ihr Lieblingsmensch 2019? Unter dem Betreff „Lieblingsmensch“ ging kurze Zeit später eine E-Mail im Postfach ein. Die Absender: Marion und Wolfgang Barton aus Selm. Ihr persönlicher Lieblingsmensch: Markus Kapp – von allen nur „Kappi“ genannt.

Kurz vor dem gemeinsamen Treffen erfährt Kappi von seiner Nominierung. „Wart ihr betrunken“, fragt er scherzhaft. „Nein“, erwidert Marion Barton sofort, „wenn es einer verdient hat, dann du, Kappi.“ Ihr Ehemann Wolfgang Barton sagt: „Ich habe diesen Aufruf mal bei uns in der Clique angesprochen. Und alle meinten unisono: Lass‘ den Kappi wählen. Nur nominiert hat ihn außer uns natürlich keiner.“ Ein Lachen in der Runde.

Nicht gerne im Mittelpunkt

Kappi ist glühender BVB-Fan. Davon zeugt nicht nur der Klingelton auf seinem Handy, das während des Treffens klingelt und die BVB-Hymne „Wir halten fest und treu zusammen“ erklingen lässt. Kappi ist auch Vorsitzender des BVB-Fanclubs Selm. Er sitzt mit einem BVB-Pullover am Tisch bei seinen Freunden. Auch die Tochter der Bartons, Joy Köppler ist mit ihrem Ehemann David und dem sieben Monate alten Sohn Hannes dabei.

In dem Gespräch geht es jedoch nur um Kappi. Eine Situation, die der 55-Jährige eigentlich gar nicht mag, wie Marion Barton weiß: „Die Brigitte, Kappis Frau, ist meine beste Freundin. Und als ich mit ihr über dieses Thema gesprochen habe, meinte sie: ‚Du weißt doch wie er ist. Der haut wieder ab. Der mag es doch nicht so im Mittelpunkt zu stehen.‘“

Aber Kappi wurde im Vorfeld eingeweiht und ist trotzdem erschienen. „Ich musste eh hier her“, sagt er. Wieder ein Lachen in der Runde.

Brötchen-Bringdienst und andere Hilfsarbeiten

So wie jeden Sonntag. Ungefragt legt Kappi bei den Bartons seit einigen Jahren sonntags die Brötchen vor die Tür. „Die schlafen immer länger. Ich habe damit irgendwann angefangen und dachte, das ist eine gute Idee.“ Selbst wenn es regnet liegen am Sonntagmorgen die Brötchen an der Türschwelle. „Und toi toi toi – es sind noch nie welche weggekommen“, so Kappi.

Neben seinem Brötchen-Bringdienst hilft Kappi aber auch bei allen anderen Sachen immer gerne. Wolfgang Barton: „Auf Kappi ist einfach Verlass. Egal welche Hilfsarbeiten anstehen, er ist immer dabei. Und steht grundsätzlich eine Viertelstunde eher auf der Matte.“ Ob Arbeiten im und am Haus oder im Garten anstehen – Kappi geht bei den Bartons ein und aus, und hilft, wo er nur kann. „Da kommt der eigene Garten fast schon zu kurz“, sagt er.

Anruf mitten in der Nacht - „ohne schlechtes Gewissen“

Selbst nachts um 3.30 Uhr meldete sich Wolfgang Barton einmal bei seinem Freund. „Ohne schlechtes Gewissen“, wie er sagt. Er hatte damals an einem Wagen für den Selmer Karnevalsumzug gearbeitet. Die letzten Pinselstriche fehlten allerdings noch.

Und die Zeit war knapp: Schon am nächsten Tag sollte der Wagen durch Selms Straßen ziehen. „Kannst du auch nicht schlafen, hat er mich damals allen Ernstes am Telefon gefragt – um halb vier nachts. Danach hatte ich keine Ruhe und habe natürlich geholfen“, sagt Kappi. Geredet haben die Freunde in der besagten Nacht nicht viel. Heute lachen sie gemeinsam darüber.

So entstand der BVB-Fanclub Selm

Den BVB-Fanclub Selm hat Kappi Anfang der 90er-Jahre gegründet. „Am 22. Februar 1992“, schießt es aus ihm heraus. Wolfgang Barton erinnert sich: „Kappi wollte schon länger einen BVB-Fanclub gründen. Ich wusste, dass das mit einer Menge Arbeit und Stress verbunden ist. Aber er hat nicht locker gelassen und irgendwann eine Fete organisiert.“

Auf der Fete habe sich Wolfgang Barton dann schnell gewundert. „Die kenne ich doch alle aus dem Stadion“, sagt er, „da waren nur Borussen. Und als wir dann alle leicht einen sitzen hatten, holte Kappi plötzlich die Anmeldeformulare aus der Tasche. So haben wir damals unseren Fanclub gegründet.“

Heute ist Kappi der Vorsitzende des Fanclubs und kümmert sich auch um die Verteilung der Eintrittskarten. David Köppler, der Schwiegersohn der Bartons, sagt, dass Kappi ihm auf dem Weg zum Stadion einmal aus der Patsche geholfen habe: „Da hatte ich tatsächlich die Dauerkarten von der Vorsaison dabei. Ich habe Kappi Bescheid gegeben und er hat mir vorm Stadion dann doch noch die richtigen Karten überreicht.“

Erste-Hilfe-Tipps und Hundesitter

Selbst zum sieben Monate alten Enkel von Marion und Wolfgang Barton haben sie eine Geschichte zu erzählen. Joy Köppler sagt: „Hannes hatte eine Magen-Darm-Grippe und wir wollten zu Kappis Frau, weil sie in Dortmund in der Kinderklinik arbeitet. Aber weil seine Frau geschlafen hatte, hat Kappi uns zum Thema Erste Hilfe am Säugling beraten.“ Kappi hatte kurz zuvor mitbekommen, wie seine Frau einem Freund bei dem gleichen Problem geholfen hatte. „Deshalb weiß ich, was da zu machen ist“, sagt er.

Kappi hat eigentlich panische Angst vor Hunden. „Ich bin mal gebissen worden“, erzählt er, „Hunde sind nicht so mein Ding.“ Nur mit Joschi, dem Hund der Bartons, habe er keine Probleme. Darum passt er auch zwischendurch gerne mal auf den Mops auf, wenn die Bartons keinen Hundesitter finden. Wolfgang Barton sagt: „Die haben sogar schon zusammen auf der Couch geschlafen“

Kappi und die Bartons – das ist eine ganz besondere Beziehung. Wolfgang Barton wendet sich direkt an seinen Freund: „Du bist ein Unikum, das steht fest. Danke für alles.“

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