Allerheiligen: Was passiert, wenn Gräber vernachlässigt werden?

dzGedenken zu Allerheiligen

An Allerheiligen steht für viele Grabpflege auf dem Programm. Manche bepflanzen die Grabstätte selbst, andere holen sich Unterstützung. Doch es gibt auch Gräber, um die sich niemand kümmert.

Selm

, 30.10.2018, 16:33 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am 1. November ist Allerheiligen, ein christliches Fest, an dem den Heiligen der Kirche gedacht wird. In Nordrhein-Westfalen ist Allerheiligen jedoch nicht nur ein kirchlicher, sondern auch ein gesetzlicher Feiertag. Viele nutzen ihn, um die Gräber verstorbener Familienmitglieder zu besuchen, die sie an den Vortagen winterfest gemacht haben. Auch Gestecke zum Gedenken an die Verstorbenen sind auf vielen Gräbern zu sehen.

„Die Nachfrage nach Gestecken ist zu Allerheiligen groß“, sagt Irene Ahland von Blumen Ahland in Bork. „Gestecke sind für viele Trauernde der Weg, ihr Gedenken an den Verstorbenen zu zeigen.“ Jedoch seien die meisten Gestecke sehr viel kleiner als früher. Das komme daher, dass es heute viele Urnengräber gebe, auf denen kein Platz für größere Gestecke sei.

Gestecke an Kundenwünsche angepasst

Dennoch bemühen sich die Floristen bei Blumen Ahland, die Gestecke an die Wünsche der Kunden anzupassen. „Es gibt natürlich auch Gestecke von der Stange, aber die meisten freuen sich über etwas Individuelles“, erklärt Irene Ahland. Derzeit seien Kombinationen aus gepflanzter und gesteckter Ware besonders beliebt.

Zur Winterzeit arbeiten die Floristen dabei mit Hartware, also Materialien, die auch bei Kälte haltbar sind. Dazu gehören beispielsweise Zapfen, Tanne oder Efeu. Wenn es darum geht, winterharte Pflanzen zu setzen, empfiehlt Irene Ahland Heide, Scheinbeere oder Stiefmütterchen. „Wobei die leider manchmal als Kaninchenfutter enden“, sagt die Floristin.

Vor dem ersten Frost Pflanzen

Früher sei es einfacher gewesen, den Zeitpunkt zu finden, an dem man Gräber winterfest macht. „Das war dann oft der 1. November, also Allerheiligen“, sagt Irene Ahland. Heutzutage sei das Wetter jedoch schwer einzuschätzen, einen genauen Zeitpunkt könne man nicht mehr bestimmen. Wichtig sei es nur, die Gräber vor dem ersten Frost zu bepflanzen. „Manche Kunden haben sogar schon gepflanzt, aber auch in der kommenden Woche sollte es noch möglich sein.“

Doch nicht alle nehmen es mit der Grabpflege so genau. Auf manchen Gräbern landet deshalb ein Hinweisschild der Selmer Stadtwerke. „Wenn uns die Friedhofsgärtner ein Grab melden, auf dem die Pflanzen nicht zurückgeschnitten sind und das Unkraut wuchert, reagieren wir darauf“, erklärt Holger Leidorf, der bei den Stadtwerken unter anderem mit dem Bereich Vernachlässigung der Grabstättenunterhaltung betraut ist.

Auf Hinweisschilder folgt eine schriftliche Mahnung

Wenn also ein Grab nicht ausreichend gepflegt wird, weist zunächst ein Schild auf der Grabstätte darauf hin, die Mängel zu beseitigen. Geschieht dies nicht innerhalb von vier bis sechs Wochen, werden die Angehörigen des Verstorbenen, bzw. diejenigen, die das Grab pflegen sollten, angeschrieben. Passiert auch auf die schriftliche Mahnung hin nichts, wird das Grab eingeebnet.

„Wir haben keine genaue Statistik, wie oft das in Selm passiert“, sagt Holger Leidorf. Es sei von Jahr zu Jahr unterschiedlich, wie häufig Mahnungen geschrieben werden. Die Gründe dafür, warum sich Menschen nicht mehr um ein Grab kümmern, seien ebenfalls unterschiedlich: „Die Leute werden älter und können sich nicht mehr um das Grab kümmern oder sie haben keine Zeit dazu, weil sie zum Beispiel weiter weg wohnen“, erklärt Holger Leidorf. „Viele haben dann auch kein Geld, um einen Gärtner zu bezahlen.“

Friedhofsgärtner kümmern sich um alles

Diejenigen, die sich einen Friedhofsgärtner leisten können, müssen je nach Leistungsumfang jedoch gar nicht so tief in die Tasche greifen, wie Ralf Harbaum erklärt. „In Nordrhein-Westfalen sind die Preise für Grabpflege recht moderat“, sagt er. „Für die reine Pflege zahlt man circa 100 Euro pro Jahr.“ Ralf Harbaum ist beim Landesverband Gartenbau NRW Geschäftsführer des Fachverbandes Friedhof und der Gesellschaft für Dauergrabpflege Westfalen-Lippe.

Grundsätzlich könne ein Friedhofsgärtner alle Aufgaben, die bei der Grabpflege anfallen, übernehmen: die Anlage und Pflege, das Gießen, die jahreszeitliche Wechselbepflanzung und die Grabbeleuchtung. „Aber der Kunde kann individuell entscheiden, welche Leistungen er in Anspruch nehmen möchte“, sagt Ralf Harbaum. In der Regel kümmere sich der Gärtner alle 14 Tage um das Grab. Wünscht der Kunde eine wöchentliche Grabpflege, kostet es entsprechend mehr. „Spätestens alle vier Wochen kommt der Gärtner aber vorbei.“

Rundum-sorglos-Paket

NRW-weit werden 150.000 Gräber von Treuhandgesellschaften gepflegt. Aber auch darüber hinaus übernehmen Gärtner die Grabpflege. Insgesamt geht Ralf Harbaum von circa 750.000 zu pflegenden Gräbern aus. Der Trend gehe zu sogenannten Memoriengärten, also Gemeinschaftsgräbern, bei denen sich der Kunde um nichts kümmern muss. „Natürlich kann er es pflegen, wenn er möchte, aber grundsätzlich kauft er Stein, Anlage, Pflege - alles in einem“, sagt Ralf Harbaum. Mit diesem Pflegevertrag müsse sich der Kunde um nichts mehr kümmern. „Und man hat keine ungepflegten Gräber dazwischen.“

Denn diese gebe es auf jedem Friedhof. „Aber die Verwaltungen versuchen auch bei den normalen Grabstellen den Wildwuchs und ungepflegte Gräber in den Griff zu bekommen“, sagt Ralf Harbaum.

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