Alle auf der Straße - Zahl der Demos in NRW-Städten nimmt deutlich zu

Demonstrationen

Linke, Rechte, Bauern, Kurden, Klimaaktivisten. Die Liste derer, die 2019 ihre Meinungen auf die Straße getragen haben, ist lang. Rückblick auf ein Jahr des Protests.

Düsseldorf

29.12.2019, 11:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Alle auf der Straße - Zahl der Demos in NRW-Städten nimmt deutlich zu

Demonstranten einer Fridays-for-Future-Aktion halten in der Dortmunder Innenstadt. © dpa

Die Zahl der Demonstrationen in den NRW-Metropolen hat deutlich zugenommen. In fast allen Großstädten des Landes haben 2019 bereits vor Ablauf des Jahres mehr Demos stattgefunden als im Vorjahr, wie aus einer dpa-Umfrage unter den zuständigen Polizeipräsidien hervorgeht.

Zahlen gestiegen

In der Landeshauptstadt Düsseldorf gab es schon vor den letzten Wochen des Jahres 898 Demos im Vergleich zu 606 im Jahr 2018. In Köln und Leverkusen fanden bereits vor Jahresfrist 823 angemeldete Demos statt, im Jahr zuvor 797. Auch in Münster (320 Demos), Bielefeld (293), Bonn (414), der Region Bochum/Herne/Witten (257) und Essen gab es Zunahmen.

Lediglich in der Region Aachen, wo schon seit langem die Proteste rund um den Hambacher Forst große Wellen schlagen, blieb die Demo-Zahl auf hohem Niveau (377) konstant. Wie viele Demonstrationen welchem politischen Spektrum zuzurechnen sind, ließ sich bei der Polizei allerdings nicht nachvollziehen.

Während einige Hunderte Demonstrierende wie die Fridays for Future-Aktivisten einen langen Atem bewiesen und Woche für Woche protestierten, gab es auch Tage, die deutlich herausstachen und an denen sich Tausende in NRW auf die Straße begaben:

Fridays for Future:

Der 20. September war ein Tag, der alle Erwartungen übertraf: Während die Bundesregierung in Berlin ihr Klimapaket vorstellte, demonstrierten beim globalen Klimastreik allein in Deutschland mehr als eine Million Menschen für mehr Klimaschutz - diesmal nicht nur Schüler und Studenten, sondern auch Eltern, Großeltern, Wissenschaftler und viele andere. In NRW beteiligten sich nach Angaben von Fridays for Future 70 000 Menschen am Streik in Köln, in Münster und Düsseldorf jeweils 20 000. Auch in Bonn und Dortmund machten mehr als Zehntausend Menschen ihrem Ärger über die aktuelle Klimapolitik Luft.

Kurden:

Nach dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien gingen an vielen Orten Kurden und ihre Unterstützer auf die Straße, um gegen die Offensive zu protestieren. Nach einigen gewaltsamen Ausschreitungen in anderen Städten warnte die Polizei vor einer Großdemo in Köln am 20. Oktober, es könne massive Gewalt geben. Letztlich kamen mit 10 000 Teilnehmern jedoch weniger als erwartet und alles blieb ruhig. Der Protest gilt als größte Demo der Kurden in NRW.

Bauern:

Weil sie sich von den Auflagen der Regierung gegängelt fühlen, zeigten auch immer mehr Landwirte auf der Straße ihren Frust. Per Facebook und WhatsApp schlossen sie sich landesweit zu einem Netzwerk namens „Land schafft Verbindung“ zusammen und blockierten mit ihren Traktoren mehrfach Straßen und Innenstädte. Seinen bisherigen Höhepunkt nahm der Protest am 22. Oktober in Bonn, wo Tausende Bauern mit knapp 1000 Traktoren die Stadt zeitweise lahm legten.

Rechtsradikale:

In Bielefeld standen am 9. November etwa 230 Teilnehmer aufseiten der Partei „Die Rechte NRW“ rund 14 000 Gegendemonstranten gegenüber. Die Rechten demonstrieren dafür, die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck aus ihrer Haft zu entlassen. Ohne Erfolg: Das Landgericht Bielefeld entschied mittlerweile, Haverbeck müsse ihre volle Haftstrafe wegen Volksverhetzung absitzen.

dpa/lnw

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