Tauschbörse zu Weihnachten - Lüner suchen in ihren Kellern nach Geschenken

dzSocial Media

Während Soziale Netzwerke durch Hasskommentare oder Fake News vielfach in Verruf geraten sind, macht eine Lünerin der Grundidee des sozialen Vernetzens mit ihrem Post alle Ehre.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 28.11.2019, 15:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Facebook-Nutzer „Lee Harvey“ wünscht sich dringend ein „Wah-Wah-Pedal“ für seine E-Gitarre. „Jasmin Killerpanda“ möchte ihren Hund mit einem flauschigen Körbchen beglücken. „Sarah Gutsch“ wünscht sich Stoff, um gemeinsam mit ihrer Tochter nähen zu können.

Gleichzeitig bietet sie ihren alten Crosstrainer an, der im Keller schon Staub angesetzt hat. Und „Pia von Rothenstein“ ist auf der Suche nach jemandem, der ihr Stricken oder Häkeln beibringen kann.

„Es muss ja nicht immer neu sein“

Wünschen kann man sich viel, heißt es lapidar. Aber diese gerade beschriebenen Wünsche haben eine große Chance, wirklich in Erfüllung zu gehen. Denn sie alle stehen unter einem Post in der Facebook-Gruppe „Lünen“.

Darin ruft Nutzerin Jessica Labuch dazu auf, in die Kommentare zu schreiben, was man sich jeweils zu Weihnachten wünscht: „Vielleicht hat es jemand zu Hause und braucht es eh nicht mehr, oder es verstaubt nur im Keller, und dieser jemand entscheidet sich, dein Weihnachtswichtel zu sein?“ Der Umwelt und der Nächstenliebe wegen müssten Dinge ja nicht immer neu sein. „Oder vielleicht kann sich jemand grad etwas nicht leisten.“

Wünsche werden erfüllt

Was für den einen nur noch Müll ist, könne dem anderen Wünsche erfüllen, sagt die 39-jährige Lünerin im Gespräch mit unserer Redaktion. Und während in Sozialen Netzwerken sonst oft Flapsiges, Abwertendes oder sogar Hasserfülltes geantwortet wird, sind hier die Reaktionen durchweg positiv.

Viele Nutzer loben die Idee, die meisten der Wünsche stoßen auch tatsächlich auf Gehör: „Ich finde die Idee sehr schön. Jeder hat irgendwo etwas liegen was er nicht mehr benötigt und gegebenenfalls einen anderen glücklich macht. Diese Idee müsste regional weiter an Zuwachs gewinnen“, schreibt Facebook-Nutzer „Danny Wittler“. Er hatte sich einen Gitarrenverstärker gewünscht und schnell einen angeboten bekommen.

„Ich finde, das ist eine so schöne Idee , denn fast jeder hat doch sicher so einige Dinge zu Hause , welche er nicht benötigt“, schreibt auch „Christine Berger-Möller“, die sich auf den Wunsch nach einer Nähmaschine hin an ihre alte im Keller erinnerte. „Bevor die jahrelang herumsteht, finde ich es viel besser , wenn sie jemand bekommt, der diese Dinge gebrauchen kann“, sagt sie.

Bisher ist der Kontakt allerdings noch nicht zustande gekommen. „Lee Harvey“ hingegen hat seinen Wunsch nach einem Wah-Wah-Pedal bereits erfüllt bekommen.

Resonanz hat überrascht

Die größte Überraschung erlebt jedoch wahrscheinlich Jessica Laubach selbst, die mit ihrem Post den Anstoß zu der Geschenkeaktion gegeben hat. „Ich bin sprachlos, erfreut und irritiert zugleich“, sagt sie. Sie hatte nicht damit gerechnet auf so viel Resonanz zu stoßen.

Gesehen hatte sie die Idee in einer anderen Gruppe. Begeistert davon hatte sie sie mit freundlicher Genehmigung auch in der Gruppe „Lünen“ gepostet. „Es gibt so viele Gruppen, in denen irgendwas verkauft wird. Die Leute wollen alle nur noch möglichst billig, aber viel von dem Krempel wird dann einfach weg geschmissen. Ich wollte auch mal etwas gegen den Konsum, gegen den Strom ausprobieren.“

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