Ärztepräsident für „kreative Lösungen“: Praxen auf dem Land

Dass sie es nicht allzu weit zum Arzt haben, ist vielen Bundesbürgern wichtig. Doch was tun, um Nachfolger für frei werdende Praxen in dünn besiedelten Gegenden zu finden - neue Anreize beim Medizinstudium?

26.11.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ärztepräsident Klaus Reinhardt hat für „kreative Lösungen“ geworben, um dringend benötigte Hausärzte für ländliche Gebiete beispielsweise im Sauerland zu gewinnen. „Man könnte darüber nachdenken, einen Teil der Medizinstudienplätze nach Regionen mit einem besonderen Bedarf an Ärztinnen und Ärzte zu verteilen“, sagte der Chef der Bundesärztekammer der Deutschen Presse-Agentur. Beispielsweise könnte ein bestimmter Anteil der Plätze an Bewerber aus dem Hochsauerland, dem Bayerischen Wald oder der Uckermark gehen – unabhängig vom Abiturnotenschnitt.

„Menschen, die selbst in der Region groß geworden sind, haben vielleicht eher die Neigung, nach dem Studium dorthin zurückzukehren“, sagte Reinhardt. „Sie kennen und mögen die Region und wissen, dass man dort gut leben kann.“ Dies könnte ein weiterer Baustein sein, die Versorgung zu sichern. Helfen könnten sicherlich auch digitale Angebote.

Vor allem in vielen dünn besiedelten Regionen drohen in den kommenden Jahren Probleme - weil sich oft nur schwer Nachfolger für Praxen finden lassen, wenn Ärzte in den Ruhestand gehen. Reinhardt betonte: „Wichtig ist, angesichts des wachsenden Mangels an Arztstunden nicht in Panik zu verfallen, sondern die Herausforderungen ernsthaft anzugehen.“

Erste Anreize bei der Studienplatzvergabe gibt es bereits. Als erstes Land hat Nordrhein-Westfalen eine „Landarztquote“ eingeführt. Wer sich vertraglich verpflichtet, zehn Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten, kann sich auf einen von rund 170 Landarzt-Studienplätzen bewerben - unabhängig vom üblichen Numerus clausus. Die Quote soll zunächst für knapp acht Prozent der Medizin-Studienplätze gelten. Solche Überlegungen gibt es auch in einigen anderen Ländern.

Beim Versorgungsangebot mit Hausärzten, die für viele Menschen die ersten Anlaufstellen sind, gibt es große regionale Unterschiede. Das dichteste Netz hat laut Bundesarztregisters mit Stand Ende 2018 Kaufbeuren in Bayern mit 95,9 Hausärzten berechnet auf 100 000 Einwohner. Am wenigsten Hausärzte in diesem Verhältnis gab es Ende 2018 in Herford in Nordrhein-Westfalen mit 50,4. Im Vergleich der Länder am höchsten ist die Dichte in Hamburg mit 74,1 Hausärzten je 100 000 Einwohner, Mecklenburg-Vorpommern (72,9) und Berlin (72,2). Am geringsten ist die Hausarztdichte in Westfalen-Lippe (59,9), Hessen (64,9) und Sachsen-Anhalt (65,2).

Bei Hausärzten ist es zudem besonders dringlich, Nachfolger für eine Praxis zu finden. Den größten Anteil an Hausärzten über 65 Jahre hatte Ende 2018 Rheinland-Pfalz mit 18,9 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern waren es dagegen nur 9,3 Prozent. Bundesweit ist das Durchschnittsalter aller niedergelassenen Mediziner leicht auf 54,2 Jahre (Vorjahr: 54,1) gestiegen. Höher liegt der Schnitt aber unter anderem bei Allgemeinmedizinern mit 55,5 Jahren und Praktischen Ärzten mit 62,4 Jahren.

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