Ärzte und Apotheker haben reichlich Impfstoff geordert: Was bringt die Grippe-Impfung?

dzGrippesaison

Die Grippesaison steht an. Mit Impfstoff haben sich Apotheker und Ärzte eingedeckt. „Die Kühlschränke sind voll“, sagt Dagobert Ullrich. Nachschub gibt`s bei einigen Firmen schon nicht mehr.

Lünen

, 18.10.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit fünf Wochen hat Dagobert Ullrich, Sprecher der Lüner Apotheker, den Grippeimpfstoff vorrätig und an die Ärzte verteilt. „Wir haben etwa die gleiche Menge bestellt wie letztes Jahr“, erklärt er.

Im Oktober und November ist die beste Zeit für eine Impfung gegen Grippeviren. Die Erkrankung ist keine gewöhnliche Erkältung, sondern eine ernstzunehmende Infektionskrankheit. Vielen ist noch die Saison 2017/2018 in Erinnerung, als in Lünen 386 Grippefälle gemeldet wurden. Kreisweit waren es 1124. Die Welle schwächte in der vergangenen Saison zwar ab. Gemeldet wurden aber immer noch 95 Grippekranke in Lünen und 285 im Kreis Unna.

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Was ist eine Grippe?

Bei einer Grippe treten zwar ähnliche Symptome auf wie bei einer normalen Erkältung, sie nimmt allerdings einen schwerwiegenderen Verlauf. Neben hohem Fieber und starken Gliederschmerzen können auch Lungen- oder Herzmuskelentzündungen auftreten.

Die Impfbereitschaft sei diesmal etwas höher, hat Dr. Michael Funke, Vorsitzender des Lüner Ärztevereins, festgestellt. Vielleicht liegt es an den Erfahrungen der vergangenen Jahre, als viele Menschen betroffen waren und am Ende der Impfstoff knapp wurde. Funke glaubt aber auch, dass es davon abhängt, ob Ärzte die Impfung befürworten.

„Impfung kann Leben retten“

In seiner Praxis sei nicht nur das Team komplett durchgeimpft, auch Patienten würden gezielt angesprochen. „Ich finde das wichtig, die Impfung kann Leben retten“, so Funke.

Laut Robert Koch Institut kostete die Grippewelle 2017/2018 mehr als 1600 Menschen in Deutschland das Leben. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeimpfung vor allem für chronisch Kranke, Menschen ab 60 , Schwangere oder Personen mit beruflichem Risiko. Etwa 14 Tage dauere es, bis der vollständige Impfschutz da sei.

Ärzte und Apotheker haben reichlich Impfstoff geordert: Was bringt die Grippe-Impfung?

14 Tage nach dem Pieks hat sich der vollständige Impfschutz entwickelt. © picture alliance/dpa

Geschwächte Patienten schützen

Das Katholischen Klinikum Lünen/Werne hat für die beiden Häuser in Lünen und Werne 700 Impfdosen bestellt und 200 weitere in Reserve. Montags, mittwochs und freitags können sich die Mitarbeiter in der Zentralen Aufnahmen impfen lassen. Chefapotheker Bernd Scharfenkamp geht davon aus, dass er die Reserve auch wieder nutzen wird. Die Impfung soll dazu beitragen, dass Mitarbeiter geschützt sind und immungeschwächte Patienten nicht durch das Personal angesteckt werden. In Lünen haben sich in den ersten Tagen bereits 80 Mitarbeiter impfen lassen, in Werne gab es einen Aktionstag, an dem ebenfalls 80 Beschäftigte zur Impfung kamen.

Herdenimmunität ist ein Thema: Wenn sich genug Menschen gegen Grippe impfen lassen, schützen sie auch die, die das aufgrund einer Krankheit nicht selbst können.

Verträglichkeit und Reaktionen

Die Verträglichkeit hält Scharfenkamp durchaus vergleichbar mit dem Impfstoff der vergangene Jahren. Es kann zu Schwellungen, Rötungen oder auch Schlappheit kommen. „Dass die Impfung gegen Grippe eine Erkrankung erst hervorrufen kann, ist eine leider sehr verbreitete Annahme und vor allem eins: Falsch“, betont Dr. Volker Schrage, 2. Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) und Facharzt für Allgemeinmedizin. Es können zwar leichte Erkältungssymptome in der Folge auftreten: „Das ist jedoch ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass die körpereigenen Abwehrkräfte funktionieren.“

Erreger ändert sich

Weil sich der Erreger von Jahr zu Jahr ändert und der Impfstoff jährlich angepasst wird, sollte die Schutzimpfung in jedem Herbst wiederholt werden. „Die Impfung kann die Erkrankung nicht in jedem Fall verhindern. Sie trägt aber dazu bei, dass eine Influenzaerkrankung milder, also mit weniger Komplikationen verläuft als bei Ungeimpften“, erklärt Volker Brüning, Sprecher der Apothekerschaft im Nordkreis und Inhaber von drei Apotheken in Lünen.

Zusätzlich zur Grippeschutzimpfung rät Brüning zu weiteren Maßnahmen, um das Ansteckungsrisiko zu verringern: „Halten Sie Abstand zu Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung, und waschen Sie sich regelmäßig gründlich die Hände.“

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