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Drei Zustellversuche hat es gebraucht, bis Christa Uglorz aus Selm ihr Paket erhielt. Von zweien dieser Versuche hat sie nie erfahren. In dem Paket: eine dringend benötigte Atemmaske.

Selm

, 05.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Drei Zustellversuche hat es gebraucht, bis das für Christa Uglorz bestimmte Paket endlich bei ihr eingetroffen ist. Von zwei dieser Zustellversuche hat sie nie erfahren. „Es lag keine Benachrichtigungskarte im Briefkasten“, sagt Christa Uglorz. Das Paket, um das es ging, enthielt eine Atemmaske. Christa Uglorz leidet unter anderem an Asthma, nachts nimmt ihr Körper zu wenig Sauerstoff auf. Damit ihre Organe dennoch mit genug Sauerstoff versorgt werden, benötigt sie die Maske. Ihre alte Maske war defekt, der Aufsatz löste sich immer wieder. Also bestellte Christa Uglorz über einen medizinischen Fachversand einen neue. Man sagte ihr, zwei bis drei Tage würde es dauern – es dauerte schließlich rund einen Monat, bis sie ihr Paket erhielt.

Sie fragte zwischendurch bei ihrem Versand nach und erhielt die Auskunft, dass das Paket schon zweimal verschickt worden war, allerdings war es jedes Mal wieder zurückgeschickt worden. Ohne, dass es eine Benachrichtigungskarte gegeben hatte. Christa Uglorz überbrückte die Zwischenzeit mit ihrer alten Maske. Ihr Mann flickte sie mehr schlecht als recht mit Klebeband zusammen. Gehalten hat das allerdings nicht dauerhaft, sodass Christa Uglorz in der Nacht ständig wach wurde und die Maske wieder reparieren musste. Die Zusteller könnten ja nicht wissen, dass in ihrem Paket ein wichtiges medizinisches Gerät stecke, sagt Christa Uglorz, doch was sie ärgert, ist Folgendes:

30.000 Beschwerden von Dezember bis Mai

„Wenn ich doch wenigstens einen Zettel im Briefkasten gehabt hätte“, sagt sie. Dann hätte sie gewusst, dass etwas nicht geklapt hat. Sie verstehe ja, dass es Zusteller nicht einfach hätten, aber „das geht nicht“, sagt die 70-Jährige.

So sieht es auch Julian Graf von der Verbraucherzentrale in NRW. „Ich muss den Empfänger darüber informieren, wenn ich ihn nicht angetroffen habe und das Paket anderweitig abgegeben wurde“, sagt Graf. Dazu gebe es auch klare Gerichtsurteile. „Wir haben relativ konstante Beschwerdezahlen“, sagt Graf. Außer Weihnachten, wenn besonders viele Beschwerden auftauchen, gebe es keine besonderen Hochs in der Beschwerdezahl. Aber selbst zur Weihnachtszeit könne man nicht sagen, ob es nun an der gesteigerten Anzahl an Paketen oder an der stärkeren öffentlichen Aufmerksamkeit für das Thema liege.

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Graf sagt, dass es im Zeitraum von Dezember bis Mai insgesamt 30.000 Beschwerden zum Thema Pakete bei der Verbraucherzentrale NRW gegeben habe, diese verteilten sich aber auf alle größeren Paketverteiler und entsprächen in der prozentualen Verteilung auch der Größe der Paketdienste. Soll heißen: Keiner der Dienste scheint anfälliger für Probleme zu sein als der andere. Aber Beschwerden gibt es überall. Das Paket für Christa Uglorz sollte von dpd geliefert werden. Peter Rei, Sprecher bei dpd, bezeichnet den Fall als „sehr unglücklich“, den Ärger von Christa Uglorz könne er verstehen, vor allen Dingen, da die Paketzusteller eigentlich den Auftrag hätten, entsprechende Benachrichtigungen zu hinterlassen. Für das Gebiet von Christa Uglorz gebe es seit Anfang des Monats einen neuen Zusteller, „der seinen Sorgfaltspflichten gewissenhafter nachkommen wird“, wie Rei sagt.

Auf Nummer sicher

Rei empfehle darüber hinaus, bei dringend benötigten Paketen, wie bei dem medizinischen Zubehör, auf eine Expresszustellung zu setzen. „Dann ist besser sichergestellt, dass es schnell ankommt.“ Julian Graf von der Verbraucherzentrale hat einen anderen Tipp: „Wir raten immer dazu, möglichst eine Variante zu wählen, wo eine Ersatzzustellung vermieden wird“, diese sei für alle Seiten mit mehr Aufwand verbunden und auch anfällig für Fehler. Stattdessen solle man, wenn möglich, einen Wunschtag wählen oder als Abgabeort einen Kiosk, einen Paketshop oder auch einen Wunschnachbarn angeben. Bei Christa Uglorz hat es bei Zustellversuch drei geklappt. Zumindest fast: Obwohl sie einen Zettel mit dem Namen einer Nachbarin auf den Klingelknopf geklebt hat und bat, das Paket dort abzugeben, hat auch das nicht geklappt. Immerhin war aber dieses Mal ein Hinweis im Briefkasten. So konnte sie ihr Paket am nächsten Tag abholen.

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Seite für Probleme mit Post und Paketen:

Die Verbraucherzentrale betreibt die Website www.post-aerger.de Dort sind Tipps und rechtliche Grundlagen erklärt, wenn es Probleme bei der Post- oder Paketzustellung gibt. Wer seinen Ärger mit etwas Humor zu Leibe rücken will, findet dort auch Fälle von kuriosen Paketzustellungen. Zum Beispiel von einem Paket, das durch das Toilettenfenster geworfen wurde: „Man kann von Glück reden, dass der WC-Deckel geschlossen war“, schrieb die Betroffene der Verbraucherzentrale.