Ärger mit Amazon: Borkerin (34) bestellte Beamer, erhielt aber leeres Paket

dzPaket-Ärger

Janine Klockenbusch aus Bork wollte ihren Mann mit einem Beamer für über 1.000 Euro überraschen. Erhielt aber nur ein fast leeres Paket. Nun will sie ihr Geld von Amazon zurück.

Selm

, 24.11.2018, 05:48 Uhr / Lesedauer: 3 min

Schnee, Lebkuchenhäuser und hell erleuchtete Häuser sind in der aktuellen Werbung des Versandriesen Amazon zu sehen. Im Mittelpunkt stehen aber lächelnde, singende Pakete, die alle Menschen um sie herum in Weihnachtsstimmung versetzen.

Kein Beamer im Paket

Janine Klockenbusch (34) und ihrem Mann Andreas (43) aus Bork ist aktuell aber überhaupt nicht nach Lachen zumute. Ende Oktober hatte Janine Klockenbusch einen Beamer für ihren Mann bestellt. Es sollte ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk sein. Schon länger habe ihr Mann überlegt, sich das Gerät zu bestellen, so die 34-Jährige - und dann war da dieses gute Angebot. 1.022 Euro sollte der Beamer kosten, der sonst 1.500 Euro gekostet hätte.

Bestellt über Amazon-Warehouse-Deals. Das sind Angebote, die von Kunden zurückgeschickt worden sind. „Da ist dann vielleicht ein kleiner Kratzer am Paket oder der Karton ist etwas beschädigt“, erklärt Janine Klockenbusch, „aber das macht ja nichts.“ Sie bestellt das Schnäppchen über den Amazon-Acount ihrer Schwiegermutter - damit ihr Mann nichts von der Überraschung mitbekommt.

Ein Nachbar nimmt das Paket an. Als sie es bei ihm abholt, ist sie bereits überrascht: „Da stimmt was nicht“, sagt sie „das Paket war so leicht.“ Als Janine Klockenbusch das Paket und anschließend den Karton für den Beamer öffnete, sei nämlich nur die Bedienungsanleitung, die Fernbedienung und das Kabel im Karton gewesen. Der alles entscheidende Beamer habe aber gefehlt.

Ärger mit Amazon: Borkerin (34) bestellte Beamer, erhielt aber leeres Paket

Außer Fernbedienung, Kabel und Gebrauchsanweisung war der Karton, den die Klockenbuschs enthielten leer, sagt Janine Klockenbusch. © Sabine Geschwinder

„Korrekt geliefert“

Janine Klockenbusch ist sich sicher, dass das Problem nicht bei ihrem Nachbarn aufgetreten ist. Seit 2010 wohnt sie in ihrem Haus in Bork, „wir nehmen immer gegenseitig Pakete füreinander an, da gab es nie ein Problem“. Sie sucht den Kontakt zum Amazon-Kundenservice. Sie schreibt Nachrichten und ruft auch dort an. „Dort sagte man mir, dass ich eine eidesstattliche Versicherung ausfüllen und das Paket zurückschicken soll und dann mein Geld zurückbekommen würde“, erklärt Janine Klockenbusch. Das macht sie auch. Sie versichert, dass der Beamer nicht im Paket war und schickt alles wieder zurück.

Ein paar Tage später erhält sie das Paket erneut zurück. Amazon schreibt in einer Mail: „Aufgrund unserer Untersuchungsergebnisse gehen wir davon aus, dass die Sendung vollständig an die korrekte Adresse geliefert wurde, weshalb wir keine Ersatzlieferung oder Rückzahlung veranlassen können.“ Man empfiehlt ihr allerdings, Anzeige zu erstatten, falls sie die Sache weiterverfolgen wolle.

Janine Klockenbusch ist sauer. Sie glaubt an eine Hinhaltetaktik von Amazon. „Ich habe gehört, dass nach einem halben Jahr die Beweislast auf den Verbraucher übergeht“, sagt sie. Das Unternehmen sagt auf unsere Anfrage: „Wir bitten um Verständnis, dass wir aus Datenschutzgründen Details zu Bestellungen und Kundenkonten nur an den jeweiligen Kundenkontoinhaber weitergeben.“ Gleichzeitig sagt das Unternehmen, dass es Fall erneut geprüft habe und die Kundin entsprechend informieren werde.

Beweislast beim Händler

„Rein juristisch gesehen, trägt der Händler die Beweislast dafür, dass der Besitz an den Eigentümer übergegangen ist“, sagt Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW. Das bleibe auch so und ändert sich nicht nach einem halben Jahr. „Diese so genannte Beweislastumkehr kommt zu tragen, wenn es um Mängel geht“, so Graf. Das treffe in diesem Fall aber nicht zu, da es erst mal grundsätzlich darum gehe, ob das Paket überhaupt zugestellt worden sei. Notfalls müsse man das juristisch klären lassen.

Michelle Jahn, Referentin für Kaufrecht bei der Verbraucherzentrale NRW, nennt den Fall knifflig. Ein Trick, wenn auch nicht der favorisierte, so Jahn, sei bei einer Lastschriftzahlung, diese zu widerrufen. „Das kann man acht Wochen nach Zahlung tun“, so Jahn. Bei Janine Klockenbusch kommt das aber nicht infrage. Sie hatte mit Kreditkarte gezahlt. In ihrem Fall rät Michelle Jahn: „Eigentlich ist man am sichersten, wenn man erst mal das fordert, was man wollte, und eine Frist von zwei Wochen setzt.“ Das heißt: Janine Klockenbusch soll fordern, dass sie einen Ersatz für den Beamer erhält, keine Geldrückzahlung. Reagiert das Unternehmen darauf nicht, könne man den Klageweg beschreiten und ein Richter müsste entscheiden, wie plausibel argumentiert würde.

Mehrere Strafanzeigen

Thomas Röwekamp von der Polizei im Kreis Unna sagt, dass Strafanzeigen wegen unvollständigen Paketinhalten häufig vorkommen. „Wir kriegen oft gesammelte Anzeigen von den Paketunternehmen zum Beispiel über zehn fehlende Handys“, so Röwekamp. Was mit den Paketen passiert ist? Da komme vieles infrage. Diebstahl oder Betrug, das Paket durchlaufe ja verschiedene Stationen. „Das kann von ,falsch eingepackt‘ bis zu ,Diebstahl im Paketlager‘ reichen, wenn jemand das Paket öffnet, den Inhalt nimmt und es wieder verschließt, bis zum Kunden, der behauptet, den Inhalt nie bekommen zu haben“, so Röwekamp. Der Polizeisprecher würde in jedem Fall eine Strafanzeige empfehlen. Muss aber zugeben, dass diese häufig nicht zum Erfolg führt. „Man kann verfolgen, wer das Paket irgendwann in der Hand hatte, es ist aber schwierig nachzuweisen, was genau passiert ist.“

Janine Klockenbusch bleibt nun möglicherweise nur der Klageweg - oder die Hoffnung, dass Amazon in dem Streit einlenkt. Dem Versandunternehmen abschwören möchte die 34-Jährige dennoch nicht. „Kleinigkeiten bestelle ich weiter, weil die Lieferung schnell ist und ich vieles kostengünstiger bekomme“, sagt sie. „Aber Dinge über 50 Euro werde ich definitiv nicht mehr bestellen.“

Was tun bei Ärger mit Paketen?
  • Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW rät: Wenn das Paket ganz offensichtlich beschädigt ist, den Schaden vom Paketdienstleister quittieren zu lassen oder die Annahme zu verweigern.
  • Ein Problem mit dem Paket sollte innerhalb von sieben Tagen dem Paketdienstleister und dem Absender mitgeteilt werden.
  • Am besten sollte man einen Zeugen benennen können. „Das kann auch der Ehepartner oder das Kind sein“, so Graf.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Umweltverschmutzung

Ärger über Zigarettenstummel: So setzt sich eine Selmerin für ein schöneres Stadtbild ein

Hellweger Anzeiger Grippeimpfung

Vierfach-Impfstoff gegen Grippe soll große Grippewelle wie vor zwei Jahren verhindern

Hellweger Anzeiger Kulturtafel

Aktion der VHS: Selmer mit wenig Einkommen können kostenlos Kulturveranstaltungen besuchen

Meistgelesen