Abriss des alten Schlunz-Hauses ist vom Tisch: Nun haben die Investoren neue Pläne

dzEhemaliges Schlunz-Haus

Hotel oder Gastronomie: Die Investoren hatten mit dem leer stehenden Schlunz-Haus große Pläne. Doch nun kommt alles anders. Denn es gab einen Kompromiss mit den Denkmalpflegern.

Werne

, 07.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Endlich gibt es eine Entscheidung. Die beiden Investoren Ulf Klaverkamp und Frank Hölscher sind erleichtert. „Jetzt können wir endlich in die Planung gehen“, sagt Klaverkamp. Seit 2016 hingen die beiden Investoren in der Luft, wenn es um die Immobilie an der Steinstraße 1 ging.

Seitdem die beiden 2016 angekündigt hatten, das prägnante Gebäude abreißen zu wollen, hatte ein Gutachter der Denkmalbehörde die Immobilie untersucht. Er fand zehn alte Stützbalken in der ersten Etage. Daraufhin stellte der Fachmann das Haus unter Denkmalschutz und ließ die Pläne der Investoren platzen.

Abriss des alten Schlunz-Hauses ist vom Tisch: Nun haben die Investoren neue Pläne

Die Balken in der ersten Etage im Schlunz-Haus sind teilweise sehr porös. © Andrea Wellerdiek

Der historische Dachstuhl muss bleiben

Nun haben sich die Investoren endlich mit der Denkmalpflege der Stadt Werne und mit den Experten der Unteren Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auf einen Kompromiss geeinigt. „Damit können wir leben“, sagt Klaverkamp dazu. „Das, was marode ist, wird saniert. Und das, was erhaltenswert ist, wird später wieder aufgebaut. Das wollten wir auch so.“

Die Beteiligten haben sich nach langem Hin und Her nun konkret darauf verständigt, den denkmalwürdigen Dachstuhl aus dem Jahr 1527 zu erhalten. Dafür wird dieser zunächst abgetragen und bei einem Zimmermann gelagert und restauriert. Das darunter liegende Gebäude, in dem jahrelang die Metzgerei Schlunz beheimatet war, wird zurückgebaut.

Hotel oder Gastronomie zunächst geplant

Eigentlich wollten die Investoren das Gebäude komplett abreißen. Denn: Das Gebäude zu entkernen und zu sanieren, würde laut den Investoren genauso viel kosten wie ein Neubau.

Außerdem wollten sie die Fläche des Gebäudes verkleinern, um einen Innenhof oder eine Fläche für die Außengastronomie zu errichten. Ein Hotel oder eine Gastronomie wollten die Investoren hier errichten.

Doch nun sind die Pläne ganz andere. An der Größe des Gebäudes wird sich nichts ändern, schließlich muss der historische Dachstuhl wieder auf die Immobilie passen. Auch von der Idee eines Hotels sind die Investoren mittlerweile abgerückt.

Abriss des alten Schlunz-Hauses ist vom Tisch: Nun haben die Investoren neue Pläne

Der Dachstuhl des Gebäudes bleibt erhalten. Er wird zunächst abgetragen, gelagert und saniert. Danach wird er wieder auf das Gebäude gehoben. © Andrea Wellerdiek

Langfristiger Mietvertrag

Stattdessen wollen sie hier nun vier Wohnungen mit einer Größe von jeweils etwa 70 Quadratmetern bauen. Zunächst einmal gehe es laut Klaverkamp aber darum, einen neuen Mieter für die Gewerbefläche im Erdgeschoss zu finden. „An dem neuen Mieter werden wir dann die weitere Planung herum angehen“, erklärt Klaverkamp, der sich als Mieter „so ziemlich alles“ vorstellen kann.

Dabei soll ein jahrelanger Mietvertrag von mindestens zehn Jahren mit dem neuen Mieter abgeschlossen werden. Eine Arztpraxis etwa könne man sich als langfristige Lösung vorstellen.

Baustelle für etwa ein Jahr

Derweil geht der Architekt der beiden Investoren in die konkrete Planung für das Objekt. Wann der Dachstuhl abgetragen wird und der Rückbau des Gebäudes beginnt, ist noch ungewiss.

Es soll alles schnell gehen, um die Einschränkung durch die Baustelle so gering wie möglich zu halten, so Klaverkamp. In einem Zeitraum von etwa einem Jahr soll die Umgestaltung in der Steinstraße 1 fertiggestellt sein.

Jetzt lesen

Gebäude an der Steinstraße wird sich arg verändern

Das Gebäude wird dann nicht wieder zu erkennen sein. Auch dass es sich hier um ein Denkmal handelt, lässt sich auch in Zukunft nicht auf Anhieb ablesen. Wie genau die Fassade aussehen wird, darüber stimmen sich die Verantwortlichen aus der Denkmalpflege der Stadt Werne und der Unteren Denkmalbehörde des LWL nun ab.

„Die Fassade wird so gestaltet, dass sie ins Stadtbild passt“, erklärt Petra Göbel von der städtischen Denkmalpflege. Auch sie zeigt sich erleichtert, dass es am Schlunz-Haus nun endlich weitergehen kann. „Wir haben alle gemeinsam - die Investoren, das LWL und die Denkmalpflege - nun eine einvernehmliche Lösung gefunden, mit der wir alle gut leben können.“

Jetzt lesen
FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Blick in das ehemalige Schlunz-Haus

Das ehemalige Schlunz-Haus ist eine große Baustelle. Kurz nach dem Kauf durch zwei Investoren wurde das Gebäude an der Steinstraße 1 als denkmalgeschützt eingestuft. Das liegt an den alten Balken. Weil diese aber marode und nicht erhaltenswert sind, wie die Investoren glauben, wollen sie das Gebäude lieber abreißen. Die Denkmalschutzbehörde durchkreuzt diese Pläne.
15.06.2018
/
Die erste Etage des Gebäudes gleicht einer Baustelle. © Andrea Wellerdiek
Durch die Decke kann man durchschauen.© Andrea Wellerdiek
Einige alte Fenster wurden zwischenzeitlich zugemauert.© Andrea Wellerdiek
In der einstigen Wohnung der Familie Schlunz sind einige Lichtquellen eingebaut. Das schlauchartige, 17 Meter lange Gebäude verfügt nur über kleine Fenster.© Andrea Wellerdiek
Einige Lampen erinnern noch an die Wohnung.© Andrea Wellerdiek
Mit einem Zollstock kann Ulf Klaverkamp locker durch den porösen Balken bohren.© Andrea Wellerdiek
Das Gebäude wurde wohl 1528 errichtet. Ob auch die Balken so alt sind, ist ungewiss. An einigen Stellen ist zu sehen, dass sie später als Stütze eingebaut wurden.© Andrea Wellerdiek
Ein Gutachter hat anhand der Balken festgestellt, dass das Gebäude von 1528 ist.© Andrea Wellerdiek
Die Balken seien "statisch nicht intakt", wie Inhaber Ulf Klaverkamp sagt.© Andrea Wellerdiek
Die sogenannten Zechensteine sind wohl in den 60er-Jahren verbaut worden.© Andrea Wellerdiek
Immer wieder gab es Veränderungen an dem Gebäude. Auch deshalb sei es schutzwürdig, so die Denkmalschutzbehörde.© Andrea Wellerdiek
Einige Balken sind sehr löchrig.© Andrea Wellerdiek
Nachdem die Decke abgenommen wurde, zeigten sich die alten und maroden Balken.© Andrea Wellerdiek
Das einstige Badezimmer der Familie Schlunz verkommt.© Andrea Wellerdiek
Um die Deckenhöhe auszugleichen, sind neben den bestehenden Balken immer wieder kleine Holzstücke zu sehen. Dieser Balken ist ziemlich sicher erst nachträglich eingebaut worden.© Andrea Wellerdiek
Der Dachboden des Hauses wurde in den 50er-Jahren ausgebaut. Zuletzt wurde die Fläche als Speicher, Gäste- und Kinderzimmer genutzt.© Andrea Wellerdiek
Auch auf dem Dachboden sind die Stützbalken marode.© Andrea Wellerdiek
Löchriger Boden: Blick vom Dachboden in Richtung erste Etage. Auf dem Dachboden gibt es keine Isolierung.© Andrea Wellerdiek
Es ist viel Platz in dem dreigeschossigen Gebäude.© Andrea Wellerdiek
Der Giebel wurde mit Beton gegossen, damit er überhaupt stehen bleibt.© Andrea Wellerdiek
Im Dachstuhl stützt jedes noch so kleine Holz das Gebäude mit.© Andrea Wellerdiek
Hoch im Giebel: Eine verlassene Bank steht unter dem Dach des Gebäudes.© Andrea Wellerdiek

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Wirtschaft

Veränderung am Roggenmarkt: In das Floristikgeschäft zieht dieses Unternehmen aus der Pflegebranche

Hellweger Anzeiger Wochenmarkt Werne

Backwaren Rüter verlässt nach 45 Jahren den Werner Wochenmarkt - Kunden beginnen zu hamstern

Meistgelesen