Parkinson: So hat es ein Ehepaar geschafft, mit der unheilbaren Krankheit zu leben

dzParkinson-Kreis

Seit 20 Jahren besteht der Parkinson-Kreis Selm und Umgebung. Eine Selbsthilfegruppe. Eine Gruppe, die mehr bietet, als Informationsaustausch.

Selm

, 14.10.2019, 20:54 Uhr / Lesedauer: 3 min

Erika und Emil De Zan gehören seit 20 Jahren zum Parkinson-Kreis. Sie sind Mitglieder der ersten Stunde. Wenn es also Menschen gibt, die aus der eigenen Erfahrung berichten können, wie wichtig der Kreis ist, dann sie. Also haben wir sie am Rande der Feier in der Familienbildungsstätte getroffen und mit ihnen gesprochen.

Erika De Zan (82) hat seit 1981 Parkinson. Sie sitzt seit fünf Jahren im Rollstuhl. Hat nicht mehr die Kraft, zu laufen. „Meine Frau nimmt am Tag so um die 15 Tabletten“, berichtet Ehemann Emil. „Das fängt morgens um 6 Uhr an und endet abends um 22 Uhr.“ Erika De Zans Krankheit ist mit den Jahren immer weiter fortgeschritten. Das war abzusehen, als das Ehepaar vor 20 Jahren dem Parkinson-Kreis beigetreten ist.

Gespräche mit Gleichgesinnten

Was die beiden womöglich nicht voraussehen konnten, war, dass sich der Wunsch, den sie damals hatten, erfüllen würde. Und zwar zu 100 Prozent. „Damals haben wir gehört, dass sich ein Parkinson-Kreis gründen würde“, berichtet Emil De Zan. Und weil es in der Umgebung keine entsprechende Parkinsongruppe gegeben habe, zu der sie hätten gehen können, machten sie bei der jungen Selmer Gruppe mit. Warum? „Wir haben Gesellschaft gesucht, Gespräche mit Gleichgesinnten, die mit der gleichen Krankheit konfrontiert sind“, sagt De Zan.

Zwar habe die Krankheit eigentlich immer im Mittelpunkt der Gespräche gestanden, sagt Erika De Zan, „aber es gab und gibt auch andere Themen“. „Wir spielen, wir kochen gemeinsam“, ergänzt Emil De Zan. Ausflüge, Handarbeiten: Die Palette der Beschäftigungen ist groß.

Auszeiten im Alltag nennt man solche Treffen wohl. Auszeiten aber, die nicht nur atmosphärisch wichtig sind: „Wir bekommen auch Informationen über Entwicklungen der Krankheit; die ist ja bei jedem verschieden“, meint Emil De Zan. Mediziner und Therapeuten kommen regelmäßig zum Parkinson-Kreis und halten Vorträge, wie der 83-Jährige berichtet. Diese Informationen seien nützlich für den Alltag. Und: „Man kann voneinander lernen.“

Zusammenhalt der Gruppe

Das ist wohl so: Der Zusammenhalt der Gruppe verstärkt sich auch durch den Erfahrungsaustausch. Mit den Jahren haben sich auch Freundschaften entwickelt. „Mit einigen haben wir uns auch schon privat getroffen“, erzählt Erika De Zan.

Parkinson: So hat es ein Ehepaar geschafft, mit der unheilbaren Krankheit zu leben

Die Mitgklieder des Parkinson-Kreises unternehmen viel miteinander. Gemeinsame Spiele zum Beispiel. © Cornelia Meinhardt

Dem Parkinson-Kreis gehören nicht nur Menschen an, die an Parkinson erkrankt sind. Es sind auch Angehörige dabei. Angehörige wie Emil De Zan. Zuhause koche er, wasche er, kümmere sich um alles, erzählt er. Erika De Zan nickt. Zum Parkinson-Kreis begleite er seine Frau auch immer. Und es schwingt das Wort „selbstverständlich“ mit.

Diese Begleitung seiner Frau hat für den 83-Jährigen noch einen nicht unwesentlichen Effekt: „Wenn wir hier sind, sage ich immer: Es gibt Leute, die sind noch schlimmer dran als wir.“

Zahlen, Fakten und Kontaktdaten Eindeutiges Merkmal der Krankheit Parkinson sind nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstärungen ist der Verlust an Dopamin-produzierenden Nervenzellen in einem winzigen Teil des Gehirns, der Substantia nigra. Charakteristisch für die Parkinson-Krankheit ist nicht nur das Zittern (Tremor), weitere Bewegungsstörungen wie Steifheit der Muskeln (Rigor), verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie) und Gleichgewichtsstörungen kommen hinzu. Zusätzliche Symptome können das „Einfrieren“ von Bewegungen (Freezing), Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken, Störungen der vegetativen Funktionen (z.B. Blutdruckregulation), Schlafstörungen, Depressionen und geistige Beeinträchtigungen bis hin zur Demenz sein. Nach Auskunft von Apothekerin Cornelia Meinhardt leiden 5000 von zwei Millionen Menschen, die im Münsterland leben, an Parkinson. Der Parkinson-Kreis Selm und Umgebung trifft sich in der Regel am ersten Donnerstag im Monat, außer, der Donnerstag fällt auf einen Feiertag. Die Treffen laufen von 15 bis 16.30 Uhr in der Familienbildungsstätte Selm, Ludgeristraße 111. Kontakt: Cornelia Meinhardt, Tel. (02592) 3097

Es sind Menschen wie die De Zans, für die Cornelia Meinhardt 1999 den Parkinson-Kreis gegründet hat. Damals hatte sie gerade die Apotheke am Sandforter Weg gekauft. „Und als ich etwas Freizeit hatte, habe ich mir überlegt, zusätzlich etwas Soziales zu machen.“ Erfahrungen mit Selbsthilfegruppen - wenn auch mit Diabetikergruppen - habe sie in der Apotheke bekommen,in der sie angestellt war, bevor sie die Selmer Apotheke übernommen habe.

20 bis 30 Teilnehmer

„Ich hatte viele Parkinson-Patienten und die nächste Selbsthilfegruppen waren damals in Unna und Steinfurt. In der Umgebung gab es keine.“ Also gründete sie den Parkinson-Kreis Selm und Umgebung. Seit den Anfängen kommen 20 bis 30 Menschen zu den regelmäßigen Treffen und tauschen sich aus.

Wobei man sich als Laie vorstellen könnte, dass nicht jeder sofort von sich und der Krankheit redet. „Das ist ganz unterschiedlich. Die Teilnehmer bringen sich schon ein, aber das kann auch etwas dauern“, antwortet die Apothekerin.Was man beim Parkinson-Kreis nicht erwarten dürfe, sei, geheilt zu werden, sagt Cornelia Meinhardt. „Parkinson ist nicht heilbar.“ Was die Teilnehmer aber auf jeden Fall erwartet, ist eine wertschätzende, respektvolle Atmosphäre während der Treffen.

Und: Es wird viel gelacht. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Gruppenresonanz so hoch ist, wie es Cornelia Meinhardt beschreibt.

Was ganz klar ist und was während des Treffens zur Feier des 20-jährigen Bestehens deutlich wurde: Der Parkinson-Kreis hat im Leben der Teilnehmer eine wichtige Rolle. Cornelia Meinhardt zitiert eine Patientin, die ihr gesagt habe: „Nachdem ich die Diagnose bekommen habe, hat mich der Parkinson-Kreis aufgefangen.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Bahnhof Selm

Schlangen vor Bahnschranke: Langes Warten für Autofahrer am Bahnübergang Olfener Straße

Hellweger Anzeiger Klimaschutz

Streit um Zweifachhalle: Wer ist zuständig für Fotovoltaik auf neuem Hallendach in Selm?

Hellweger Anzeiger Straßensanierung

„Brauereiknapp bleibt lebensgefährlich.“ Radfahrer fordert mehr Sicherheit in Cappenberg