122 Jahre alte Filmszene zeigt Schaufelraddampfer in Köln

dpa/lnw Köln. Eine bisher unbekannte Kölner Filmszene aus dem Jahr 1896 ist in einem französischen Archiv aufgetaucht. Es sei zugleich die erste Sequenz der Filmgeschichte, die aus drei Kameraperspektiven gedreht worden sei, teilte der Kölner Filmemacher Hermann Rheindorf am Dienstag mit. Martin Koerber von der Deutschen Kinemathek in Berlin bestätigte die Angaben auf Anfrage.

Köln

13.11.2018, 12:29 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Filmszenen aus dem Köln des 19. Jahrhunderts zeigen unter anderem die damalige Pontonbrücke über den Rhein, die alle paar Minuten für die Schifffahrt geöffnet wurde. Auf der nun entdeckten Sequenz ist ein durchfahrender Schaufelraddampfer zu sehen. „Aus irgendeinem Grund hat es diese Szene damals nicht ins Kino geschafft“, sagte Rheindorf. Seine Recherchen hätten nun dazu geführt, dass die Filmrolle wiederentdeckt und im französischen Nationalarchiv restauriert worden sei. Die Szene ist in seiner neuen Dokumentation „Filmreise in das alte Köln 2“ zu sehen.

Die führende Rolle Kölns in den Anfangstagen des Films geht wesentlich auf den Schokoladenfabrikanten Ludwig Stollwerck (1857-1922) zurück, der viele Jahre lang Experimente mit „lebenden Bildern“ förderte. Er sorgte auch dafür, dass die französischen Filmpioniere, die Gebrüder Lumière, im April 1896 in Köln ihre erste öffentliche Kinovorstellung in Deutschland gaben, keine vier Monate nach der Weltpremiere in Paris. Stollwerck hoffte, Kurzfilme in Süßigkeiten-Automaten zeigen und dadurch mehr Schokolade verkaufen zu können. In seinem Auftrag entstanden 1896 auch die ersten Kölner Filmszenen, die gleichzeitig zu den ersten Deutschlands gehören.

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