Kampf gegen Lehrermangel: 1000 zusätzliche Studienplätze

Kaum ein Tag vergeht ohne Klagen über den Lehrermangel in NRW. In einem Kraftakt wollen die Hochschulen nun mehr Lehrer ausbilden. Die Hoffnung: Die Lehrer-Lücke soll sich in einigen Jahren schließen.

13.11.2019, 11:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Kampf gegen den Lehrermangel schaffen die Hochschulen und die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen rund 1000 zusätzliche Studienplätze im pädagogischen Bereich. Für das Grundschullehramt sowie Sonder- und Sozialpädagogik sollen allein an den Universitäten ab dem Wintersemester 2020/21 rund 880 zusätzliche Studienplätze entstehen. In der Pflegepädagogik gibt es bereits seit diesem Wintersemester mehr Plätze an Fachhochschulen. Die notwendigen Mittel in Höhe von 115 Millionen Euro bis 2025 stellen das Land und die beteiligten Hochschulen bereit, wie NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Mittwoch mitteilte.

Insgesamt könnten damit in den nächsten fünf Jahren bis zu 5000 Pädagogik-Studierende zusätzlich ein Studium beginnen. Schon zu Beginn der Legislaturperiode hatte die schwarz-gelbe Regierung mehr Studienplätze geschaffen. „Ich hoffe, dass wir damit ein genügend großes Angebot haben“, sagte Pfeiffer-Poensgen.

Der Numerus clausus werde durch den Ausbau des Platzangebots sinken, sagte Professor Lambert T. Koch, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Universitäten. Über die nächsten Jahre werde sich das Defizit an Lehrern abbauen. „Wir werden die Klagen zunehmend leiser hören.“ Lehrerverbände begrüßten den Ausbau der Studienplätze als richtigen Schritt. Das allein aber werde nicht reichen, teilte die Bildungsgewerkschaft GEW mit. Der Lehrerberuf müsse attraktiver werden durch bessere Bezahlung und Abbau der Arbeitsbelastung.

So sieht das Konzept aus:

Grundschullehramt: Hier werden 300 neue Studienplätze an verschiedenen Universitäten geschaffen. Insgesamt seien damit seit dem Amtsantritt von CDU und FDP 700 neue Plätze geschaffen worden - ein Plus von 38 Prozent. An fast 2800 Grundschulen in NRW unterrichten knapp 48 000 Lehrer, viele in Teilzeit. In NRW gibt es derzeit laut Ministerium 10 300 Studenten für das Grundschullehramt.

Sonderpädagogik:500 neue Studienplätze für die Ausbildung von Lehrkräften etwa an Förderschulen kommen hinzu. Schon 2018 waren 250 zusätzliche Plätze geschaffen oder gesichert worden. Damit wuchs die Zahl insgesamt um knapp zwei Drittel an. Derzeit gibt es rund 6300 Studierende.

Sozialpädagogik:Hier sollen 80 bis 100 zusätzliche Studienplätze entstehen - eine Erhöhung um 200 Prozent. Bisher kann das Fach Sozialpädagogik, das Lehrkräfte für die Ausbildung von Erziehern ausbildet, nur an der TU Dortmund studiert werden. Künftig soll voraussichtlich die Uni Wuppertal als weiterer Standort hinzukommen. Zur Zeit gibt es rund 270 Studenten.

Pflegepädagogik:Zur Ausbildung von Lehrkräften an Pflegeschulen werden 110 neue Studienplätze an Fachhochschulen eingerichtet und die Kapazitäten damit verdoppelt.

Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge werden bis zum Jahr 2025 bundesweit an Grundschulen mindestens 26 300 Lehrer fehlen - rund 11 000 mehr als von der Kultusministerkonferenz (KMK) im vergangenen Oktober errechnet. Für NRW hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bereits eine eigene aktuelle Prognose erarbeiten lassen, die den Anstieg der Geburtenzahlen und die hohe Zuwanderung berücksichtigt. An den NRW-Grundschulen waren zum Schuljahresstart 2019/2020 von rund 3200 ausgeschriebenen Lehrerstellen nur etwa 1760 besetzt.

Im Kampf gegen den Lehrermangel setzt die Landesregierung auch auf Seiteneinsteiger und das Angebot an Lehrkräfte der Sekundarstufe II, für zwei Jahre an einer Grundschule zu arbeiten. Die Master-Lehramtsstudiengänge an den Unis werden nach Angaben Kochs auch für Bachelor-Absolventen anderer Studienfächer geöffnet.

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