Kerstin Hoffmann (29) ist neue Gleichstellungsbeauftragte – Probleme liegen im Verborgenen

dzWerner Gleichstellungsbeauftragte

In Kerstin Hoffmann hat die Stadt eine neue Gleichstellungsbeauftragte. Und die hat einiges auf der Agenda. Denn um die Gleichberechtigung der Geschlechter steht es noch nicht optimal.

Werne

, 02.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor 33 Jahren fanden sich Frauen aus Werne zusammen, um feministischen Themen nachzugehen und gründeten die „Erste-Frauen-Alternative“ (EFA) . Dieses Jahr scheint ihr Ende gekommen zu sein, denn nach aktuellem Stand überlegen die Mitglieder der EFA sich aufzulösen.

Grund sind vor allem sinkende Mitgliederzahlen. Hat das Interesse am Thema Gleichberechtigung also abgenommen? Oder gibt es einfach keine Probleme mehr, die ein Engagement erforderlich machen? Doch, sagt Gabriele Kuschyk (63), ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Werne.

Die Problematiken in der Gleichberechtigung von Mann und Frau hätten sich in den mehr als drei Jahrzehnten jedoch verschoben. Sie sieht aktuell vor allem ein ganz bestimmtes großes Problem: „Fehlende Gleichberechtigung macht besonders die Altersarmut deutlich. Nicht grundlos sind überwiegend Frauen betroffen.“

Kuschyk hatte drei Jahre lang das Amt der Gleichstellungsbeauftragten inne, bevor sie Anfang des Jahres in Rente ging. Sie erinnert sich an die 90er-Jahre, in denen die Themen Frauenförderung und Gleichberechtigung langsam an Bedeutung gewannen.

Frauenquote in Unternehmen im Blick

Damals ging es hauptsächlich darum, Frauen die gleichen Chancen zu ermöglichen wie Männern. Gesetze und Ausschreibungen wurden geändert und angepasst, denn vor dem Grundgesetz waren Mann und Frau schließlich gleich.


Die Frauenquoten in Unternehmen und Verwaltungen seien in den letzten Jahren zwar gestiegen, allerdings nur bis zu einer gewissen Hierarchie-Ebene, erklärt Gabriele Kuschyk. In der Geschäftsführungs-Ebene haben noch immer Männer die Oberhand. Auch dort müsse ein Umdenken stattfinden, so die 63-Jährige.

Problematik liegt im Verborgenen

Die Problematik der heutigen Gleichberechtigung steckt nach Aussage von Kerstin Hoffmann (29) im Verborgenen. Zwar haben Männer und Frauen mittlerweile die gleichen Rechte, doch gibt es zuweilen noch immer große Unterschiede in ihrer Entlohnung. Frauen verdienen in den gleichen Berufen immer noch im Schnitt 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Darauf macht der Equal Pay Day am 18. März 2019 aufmerksam. Bis zu jenem Tag arbeiten Frauen von Beginn des Jahres gewissermaßen unentgeltlich verglichen mit ihren männlichen Berufskollegen.

Rollenbild der Frau ist von der Vergangenheit geprägt

Auch sei das Rollenbild der Frau weiterhin durch die Vergangenheit geprägt. Die Aufgabenverteilung bei der Kindererziehung und des Haushaltes sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind nach wie vor aktuelle Themen.

Schwierig für Frauen sei es oft auch terminlich: „Kita-Betreuungszeiten müssen für Frauen noch flexibler werden. Nicht alle Frauen arbeiten zwischen 9 und 16 Uhr“. Das weiß die 29-Jährige aus eigener Erfahrung, denn die neue Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Werne kommt gerade aus ihrer Elternzeit.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen gestärkt werden

Zu ihren Aufgaben gehört es, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken und Gleichstellungsdefizite abzubauen. Sie ist Ansprechpartnerin für frauenspezifische Fragen und vermittelt Kontakte zu verschiedenen Beratungsstellen.

In der Verwaltung der Stadt Werne sitzt sie Personalauswahlverfahren bei und wirkt an Gleichstellungsmaßnahmen mit. Ihre Arbeit ist jedoch nicht auf die Stadtverwaltung begrenzt.

Schreibwettbewerb zusammen mit Schulen geplant

Sie ist ebenso Ansprechpartnerin für Schulen, Vereine, Institutionen und Bürger. Außerdem gehört sie dem Netzwerk Frau und Beruf des Kreises Unna und weiteren Gremien an.

Für dieses Jahr hat sich Kerstin Hoffmann vorgenommen einen neuen Gleichstellungsplan zu erarbeiten und das Thema „Hundert Jahre Wahlrecht für Frauen“ erneut aufzugreifen. Mithilfe der Schulen in Werne hofft sie, einen Schreibwettbewerb zu dem Thema auf die Beine stellen zu können.

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