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Taxifahren wird im Kreis Unna demnächst teurer. Die erste Tariferhöhung seit über vier Jahren ist nur noch Formsache. Nicht alle Unternehmer sind damit zufrieden.

Kreis Unna

, 14.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Wer Taxifahrten anbietet, unterliegt in Deutschland dem Personenbeförderungsgesetz. Das bedeutet unter anderem, dass der einzelne Unternehmer nicht frei entscheiden darf, wieviel Geld er von seinem Kunden für den gefahrenen Kilometer, als Grund- oder Wartezeittarif verlangt. „Obwohl es sich bei Taxis um Gelegenheitsverkehr handelt, sind sie ein wichtiger Bestandteil des ÖPNV. Und deshalb genehmigungspflichtig“, erläuterte Günter Sparbrod, Leiter der Fachbereichs Straßenverkehr beim Kreis Unna, am Montag im zuständigen Fachausschuss.

Letzte Tariferhöhung war 2015

Die kreisfreien Städte und Landkreise, in diesem Fall der Kreis Unna, legen auch die Tarife fest, an die sich die Unternehmer zu halten haben. Zuletzt hatte es im Februar 2015 eine Anpassung gegeben – was im Vergleich etwa zu den jährlich steigenden Fahrpreisen in Bus und Bahn einer kleinen Ewigkeit entspricht. Der Taxi-Verband VPSV (Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs) hat deshalb 2018 beim Kreis Unna eine Anhebung beantragt. Der Verband argumentiert unter anderem mit steigenden Lohnkosten durch Veränderungen beim gesetzlichen Mindestlohn.

10 Cent mehr pro Kilometer

Die Pläne, die der Fachausschuss am Montag einstimmig befürwortete, sehen nun eine Erhöhung vor, die allerdings nicht so deutlich ausfällt wie der Verband sich das gewünscht hatte. So wird etwa der Kilometertarif am Tag (6 bis 22 Uhr) von bisher 1,90 Euro auf 2,00 Euro angehoben. Beantragt waren 2,10 Euro. In der Nacht kostet der Kilometer künftig 2,10 Euro statt 2,00 Euro. Beantragt waren 2,20 Euro. Eine durchschnittliche Taxifahrt (5 km lange Strecke, 2 Minuten Wartezeit) kostet künftig am Tag 14,60 Euro und in der Nacht 15,50 Euro. Bislang sind es 13,70 Euro am Tag und 14,60 Euro in der Nacht.

Abwägung zwischen Interessen der Kunden und Unternehmer

Die Kreisverwaltung begründet ihren Vorschlag mit der Abwägung zwischen den berechtigten Interessen der Unternehmen einerseits und denen der Kunden andererseits. Die Kunden wollten ein bezahlbares, verlässliches Beförderungsangebot, die Unternehmen indes sähen sich einer verschärften Wettbewerbssituation gegenüber. Die von Verkehrsminister Andreas Scheuer beabsichtigte Liberalisierung des Fahrdienstmarktes sieht unter anderem die Aufhebung der Rückkehrpflicht bei Mietwagen vor; das heißt, sie dürften dann ebenso wie Taxis Fahrgäste im Straßenverkehr aufnehmen, ohne aber an die strengen Tarifbestimmungen gebunden zu sein.

Uber kein Thema im Kreis Unna

Die heimischen Unternehmer sehen in Fahrdienstleistern wie Uber freilich keine Gefahr, sondern eher ein Thema für Großstädte. „Uber betrifft uns hier im Kreis Unna nicht“, sagt etwa Ayhan Hatap, einer der beiden Inhaber und Geschäftsführer von Taxi Moritz. Das in Kamen ansässige Unternehmen besteht seit über 60 Jahren und ist auch in Bergkamen unterwegs. „Wir haben fast nur Stammfahrgäste, unsere Autos sind sehr gut ausgelastet“, so Hatap weiter. Er begrüße die Tariferhöhung, sie sei in Ordnung.

Unternehmer sind unterschiedlicher Meinung

Einen kräftigeren Aufschlag hätte sich indes Merita Karajlija gewünscht, Geschäftsführer von Taxi Edi in Bergkamen. „Wir zahlen mehr als den Mindestlohn für unsere festangestellten Fahrer“, argumentiert er, den Beruf wolle heute schließlich kaum noch jemand machen. Die Erhöhung sei zu gering.

Die Kreisverwaltung argumentiert freilich auch, dass die Dieselpreise in den Jahren 2017 und 2018 deutlich unter denen der Jahre 2011 bis 2014 gelegen hätten, die damals ausschlaggebend für die Tariferhöhung Anfang 2015 gewesen seien.

Neuer Taxitarif

Gültig ab dem 15. August

  • Bevor der neue Taxitarif in Kraft treten kann, muss der Kreistag noch zustimmen. Das dürfte nach der einstimmigen Empfehlung des Fachausschusses aber reine Formsache sein.
  • Gelten soll der neue Tarif ab dem 15. August 2019.

Taxi-Markt wandelt sich

Fakt ist, dass der Taxi-Markt seit Jahren einen Wandel durchlebt – in Bergkamen etwa sind Taxi Kempken und Taxi Dohrmann vom Markt verschwunden. Aus Taxi Dohrmann ist zwischenzeitlich die Medico Admir Ambulanz geworden, die auf Krankenfahrten spezialisiert ist. „Wir haben uns aus dem Taxigeschäft zurückgezogen, weil der Tarif nicht leistungsgerecht ist“, sagt Geschäftsführer Admir Karajlija. „Man hebt den Mindestlohn an, aber nicht den Tarif.“ Die letzten beiden Anhebungen seien 2007 und 2015 gewesen. „Das ist viel zu wenig“, so Karajlija.

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