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Das stürmische Wochenende hat den Feuerwehren im Kreis Unna insgesamt 245 Einsätze beschert. Und die Disponenten in der Leitstelle mussten etliche „Notrufe“ entgegennehmen, die gar keine waren.

Kreis Unna

, 11.03.2019 / Lesedauer: 6 min

Am Tag eins nach demSturmwochenende fand Kreisbrandmeister Thomas Heckmann Zeit für eine kurze Bilanz: 280 Einsätze kamen insgesamt zusammen, von denen 245 dem Sturm und 35 dem Rettungsdienst zuzuordnen waren. In der Rettungsleitstelle in Unna waren am Sonntag 14 Disponenten (statt fünf) im Einsatz, um die Kräfte vor Ort steuern zu können. Bis zur Rücknahme der Unwetterwarnung um 19.15 Uhr hatten die Einheiten 259 Einsätze abgeleistet. 734 Einsatzkräfte waren im Dienst. Schwerpunkte lagen in Lünen (146 Einsätze) und Kamen (105), die niedrigste Zahl an Einsätzen gab es in Werne: elf. Eine gute Nachricht: Verletzt wurde niemand.

Auch Polizei im Dauereinsatz

95 sturmbedinge Einsätze leisteten die Beamten der Kreispolizeibehörde. Oft ging es darum, Straßen oder Straßenabschnitte zu sperren, auf denen Gefahr drohte. Kleinere Äste oder Gegenstände, die auf einer Fahrbahn gelandet waren, schafften die Polizisten auch selbst aus dem Weg. Zur Sperrung mit den vielleicht größten Auswirkungen kam es nach Einschätzung der Polizei in Unna: Dort musste ein Teil des Verkehrsringes gesperrt werden, nachdem am Westfriedhof ein Ast herabgestürzt war. Zu Schaden gekommen war dabei aber niemand.

Bürger nutzen Notrufnummern für allgemeine Fragen

Die Leitstellen von Polizei und Feuerwehr appellieren anlässlich zahlreicher Anrufe am Wochenende an die Bevölkerung, die Notrufe 110 und 112 auch tatsächlich nur für Notrufe zu nutzen. Dazu gehört ausdrücklich nicht die Frage, wie lange der Sturm noch dauert oder wer den Schaden regelt.

Noch Störungen im Bahnverkehr

Bahnpendler waren am Morgen gut beraten, wenn sie sich vor Fahrtantritt über eventuelle Streckensperrungen und Zugausfälle informierten. Die Bahn hatte den Regionalverkehr am Sonntag eingestellt. Die Auswirkungen waren auch am Montag noch zu spüren. So waren die Fernverkehrsstrecken zwischen Altenbeken und Hamm sowie zwischen Wuppertal und Solingen noch gesperrt. Sturmtief Eberhard führteauch noch zu Beeinträchtigungen im Regional- und S-Bahnverkehr. Detail-Infos gibt es auf der Internetseite der Bahn.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Wie stark dieses GWA-Müllfahrzeug beschädigt ist, zeigt sich erst bei genauerem Hinsehen: Der vertikale Spalt rechts unter der Lampe ist so nicht vorgesehen, sondern zeigt, wie sehr die Heckklappe durch den umgestürzten Baum verzogen wurde. © Marcel Drawe

Kamen

In Kamen drohte am Montag teilweise ein Ausfall der Müllabfuhr, nachdem zwei Müllwagen am Sonntag durch einen umgestürzten Baum beschädigt worden waren. „Glücklicherweise ist nur eines mit mechanischen Beschädigungen ausgefallen“, hieß es kurz nach Tourenstart am Morgen. Im Fuhrpark wurde umdisponiert, um den Ausfall möglichst auszugleichen. „Durch die eingeleiteten Maßnahmen konnten wir sicherstellen, dass die 120- und 240-Liter-Tonnen heute alle abgefahren werden können, das heißt die Bio-Tour in Methler und die Papiertour in Heeren-Werve“, sagte Andreas Hellmich, Sprecher der Entsorgungsfirma GWA Kommunal.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Eine Spur der Verwüstung hinterließ der Sturm in Kamen auf dem Betriebshof der VKU, wo auch Müllfahrzeuge standen. © Marcel Drawe

Erst im Laufe des Vormittags war auch sichergestellt, dass wie geplant 1100-Liter-Gefäße in Methler, Südkamen und Methler geleert werden können. Die Müllwagen parkten auf dem Betriebshof der Verkehrsgesellschaft Kreis Unna (VKU) an der Lünener Straße. Der defekte Hecklader habe einen Schaden an der Schüttungsvorrichtung und werde am Montag in die Werkstatt gebracht, so Hellmich. Auch ein daneben stehender Linienbus wurde beschädigt.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Der Baum, der den Müllwagen in Kamen beschädigt hat, hat auch eine Scheibe eines abgestellten VKU-Busses getroffen. © Marcel Drawe

In der Kamener Nordstadt lehnte am Tag nach dem Sturm noch ein umgestürzter Baum an einem Mehrfamilienhaus an der Fritz-Erler-Straße. Das war für die Kamener Freiwillige Feuerwehr nach Angaben ihres Chefs der gravierendste Einsatz. „Wenn wir den Baum weggezogen hätten, hätten wir nur weiteren Schaden angerichtet“, sagte Rainer Balkenhoff. Die Feuerwehr war am Sonntag alarmiert worden und hatte die Gefahrenstelle abgesichert. Die Hausbewohner müssen vorläufig den Hintereingang nehmen, bis eine Fachfirma den Baum zerstückelt hat. An städtischen Gebäuden in Kamen sind die bekannten Schäden gering. „Nur an der Musikschule sind einige Pfannen herunter gekommen“, berichtet Bauhof-Chef Reiner Steffen. Eine Liste mit gemeldeten Schäden wird noch abgearbeitet. Stadtpark und Edelkirchenhof blieben vorsorglich noch gesperrt, die Friedhöfe seien nach einer Überprüfung wieder geöffnet.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Umgestürzter Baum auf Mehrfamilienhaus an der Fritz-Erler-Straße in Kamen. © Marcel Drawe

Insgesamt verzeichnete die Kamener Feuerwehr mindestens 40 unwetterbedingte Einsätze allein am Sonntag, 118 freiwillige Feuerwehrleute waren beteiligt. Am Seseke-Uferweg wurden zwei umgestürzte Pappeln weggeräumt, am Gartencenter Dehner im Kamen-Karree windgeschüttelte Gartenhäuser gesichert. Im P&R-Parkhaus am Bahnhof Kamen musste die Feuerwehr losgerissene Türen festmachen. Am Bahnhof Kamen kam es nach der Wiederaufnahme des Zugverkehrs am Montagmorgen noch zu Verspätungen bei einigen Regionalzügen.

Unna

Manche Kritiker halten den Verkehrsversuch am Kreishauskreisel in Unna für verrückt. Am Montag hatten sie auf jeden Fall Recht: Es dürfte der Sonntagssturm gewesen sein, der Absperrungen und Schilder an der Viktoriastraße verrückte. Die rot-weißen Absperrungen, die zu beiden Seiten der Viktoriastraße standen, waren kreuz und quer verschoben. Fußgänger mussten sich ebenso Wege suchen wie Fahrradfahrer. Die Bedarfsampel an der Viktoriastraße blieb allerdings intakt. Offenbar wurden die Absperrungen nach den sturmbedingten Verschiebungen am Wochenende notdürftig so zur Seite gerückt, dass der Autoverkehr daran vorbeikommen konnte.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Am Kreishauskreisel in Unna verschob der Sturm die Absperrungen für den Verkehrsversuch. © Raulf

Auch an anderen Stellen ist noch zu sehen, welche Kraft die Böen des Sturms Eberhard am Sonntag hatten. Am Käthe-Kollwitz-Ring zum Beispiel ist die Ampel in Höhe der Rembrandtstraße deutlich verdreht – nicht das einzige betroffene Verkehrszeichen.

Unna zählte am Sonntag tatsächlich zu den Orten, an denen die stärksten Sturmböen gemessen wurden: Die Wetterstation der Meteo Group verzeichnete Böen von 122 Stundenkilometern – das entspricht Windstärke 12 und damit einer Orkanböe. Auch der Deutsche Wetterdienst bestätigt, dass in Unna an dem Tag verbreitet Böen der Stärke 11 unterwegs waren.

Der bei Sturm „Friederike“ im Januar 2018 stark gebeutelte Kurpark in Königsborn ist trotz dieser Windstärken glimpflich davon gekommen. „Wir haben dieses Mal Glück gehabt“, sagt Ralf Calovini, Leiter des Grünflächenbereichs der Stadtbetriebe. Im Kurpark seien lediglich kleinere Schäden aufgetreten und diese auch nur in dichter bewachsenen Gebieten, so dass keine Wege gesperrt werden mussten. Am Montagmorgen waren die Stadtbetriebe unter anderem an der Grundschule in Billmerich im Einsatz. An der Liedbachschule stürzte ein Ast ab, der das Schulgebäude zum Glück nicht beschädigte. Der betroffene Baum musste indes aus Sicherheitsgründen gefällt werden.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Die Nordlünerner Straße war wegen der Beseitigung eines Sturmschadens am Montag zeitweise gesperrt. © Udo Hennes

Stadtsprecher Christoph Ueberfeld bestätigt nach Rücksprache mit der Feuerwehr, „Dragi“ und „Eberhard“ seien trotz heftiger Böen mit der Stärke von „Friederike“ nicht vergleichbar gewesen. Die Unnaer Feuerwehr habe am Samstag drei, am Sonntag 28 sturmbedingte Einsätze bewältigt. Insgesamt 74 Einsatzkräfte haben Gefahrstellen beseitigt, die durch Schäden an Bäumen, Ampeln und Dächern entstanden waren. Vom ehemaligen Übergangswohnheim an der Hammer Straße fielen Dachziegel herunter, und am Rathausgebäude wurde die Sonnenmarkise eines Ladenlokals zerfetzt.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Der Sturm fordert auch Privatleute: Michael Wellmann erneuert die Dachpappe seines Gartenhauses in Lünern. © Udo Hennes

Noch immer Gefahr durch Bäume

Am Wochenende ließ die Unnaer Feuerwehr sicherheitshalber Wege im Bornekamp sperren, damit niemand von einem umstürzenden Baum verletzt werden konnte. „Wir bitten die Bürger immer noch, Waldgebiete zu meiden“, sagte Unnas Verwaltungssprecher Christoph Ueberfeld am Montag. Es könne jederzeit noch Totholz von Bäumen herabstürzen. Insgesamt 22 Bäume im Stadtgebiet Unna fielen dem Sturm buchstäblich zum Opfer. Entweder, weil sie umknickten oder weil gefällt werden mussten.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

„sohle 1“ ohne „Galerie“: Ein Teil des Schildes am Stadtmuseum Bergkamen wurde vom Winde verweht. © Marcel Drawe

Bergkamen

Die Einheit Oberaden der Feuerwehr ist am Montagmorgen um kurz vor 8 Uhr noch einmal zu einem Sturmeinsatz ausgerückt, weil sie einen Baum sichern musste, der auf ein Grundstück zu stürzen drohte. Ansonsten ist Bergkamen relativ glimpflich davon gekommen: Feuerwehrchef Dietmar Luft berichtete von 20 Einsätzen am Wochenende. In den meisten Fällen ging es um umgestürzte Bäume. Aufräumarbeiten waren Lufts Angaben demzufolge am Montag nicht mehr im größeren Maße nötig.

Spaziergänger müssen damit rechnen, dass Bäume angeknackst sind und noch Gefahr von ihnen ausgeht. Ein Teilbereich des Wiekenbuschwalds und der Bereich des Spielplatzes im Landwehrpark in Rünthe seien gesperrt, sagte der Erste Beigeordnete Dr. Hans-Joachim Peters. Schäden an öffentlichen Gebäuden seien bislang nicht zu verzeichnen, außer beispielsweise an der Preinschule, wo einige Dachziegel des Musikschulbereichs herunterfielen. „Bergkamen ist mit einem blauen Auge davongekommen“, sagte Peters. 13 städtische Waldbäume fielen nach vorläufigen Zahlen dem Sturm zum Opfer, dazu kommen Schäden an 15 kleinen Stadtbäumen.

Fröndenberg

Die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg hatte am Samstag viel zu tun: Wehrleiter Jörg Sommer zählt unterm Strich 24 unwetterbedingte Einsätze in der Zeit zwischen 15 und 19 Uhr. Ab Mittag war eine Bereitschaft am Standort Mitte eingerichtet. „Damit hatten wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht und es war auch am Samstag absolut sinnvoll“, bilanziert Sommer. Die Bereitschaft wurde bis 24 Uhr aufrecht erhalten. Insgesamt waren 85 Feuerwehrleute im Einsatz. Umgestürzte Bäume, Verkehrsschilder und heruntergefallene Dachpfannen forderten die meisten Einsätze.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Aufräumen in Holzwickede: Bauhofmitarbeiter beseitigen am Montag einen Baum an der Hauptstraße/Ecke Opherdicker Straße. © Udo Hennes

Holzwickede

Vorwiegend mit umgestürzten Bäumen und herabgefallenen Ästen hatten es Zug 1 und 2 der Freiwilligen Feuerwehr Holzwickede am Sonntag zu tun. Bis sich die Wetterlage am späten Nachmittag beruhigte, zählte die Wehr bis 18.30 Uhr zehn Einsätze. „An der Hauptstraße auf Höhe der Sparkasse kamen zwei Dachpfannen runter, die restlichen Einsätze hatten mit Bäumen zu tun“, sagt Feuerwehr-Sprecher Marco Schäfer. An der Hauptstraße wurde der betroffene Bereich abgesperrt, nachdem die Kameraden mit der Drehleiter überprüft hatten, ob sich vom Dach weitere Dachpfannen lösen könnten.

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Neben ein Haus fiel ein Baum laut Schäfer an der Hohenleuchtestraße von Gemeindegebiet auf ein Privatgrundstück. „Weil von dem Baum keine Gefahr ausging, haben wir mit den Anwohnern ausgemacht, dass der Stamm zunächst liegenbleibt und sich am Montag die Gemeinde darum kümmert“, so Schäfer. Auf Höhe der Wellstraße stand in einer Kurve wiederum die Lichtendorfer Straße am Sonntagmorgen unter Wasser. Hier genügte es, einen Einlauf von Unrat zu befreien, damit das Wasser abfließen konnte. Zu Schaden kam in Holzwickede niemand durch den Sturm.

245 Sturmeinsätze am Wochenende – und Windstärke 12 in Unna

Überreste eines Baumes an der Vinckestraße in Holzwickede. © Udo Hennes

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