Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Sozialer Arbeitsmarkt: Nur 240 Plätze für den Kreis Unna

dzGeförderte Beschäftigung

Der Soziale Arbeitsmarkt soll Langzeitarbeitslosen wieder eine sinnvolle Beschäftigung und eine Perspektive geben. Doch der Kreis Unna droht weitgehend leer auszugehen.

Kreis Unna

, 13.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Schon der Gesetzentwurf hatte für jede Menge Kritik gesorgt. Nun sickert durch, wie viele von den bundesweit geplanten 150.000 neuen Jobs in den Kreis Unna gehen sollen. Es sind gerade einmal 240. Wie unsere Redaktion aus Kreisen von Arbeitsagentur und Jobcenter erfuhr, soll NRW-weit nur der Kreis Wesel weniger Plätze zugewiesen bekommen.

„Für gute Arbeit bestraft“

„Dann werden wir bestraft, weil wir hier gute Arbeit geleistet haben“, empört sich Martin Wiggermann (SPD), Vorsitzender der Trägerversammlung des Jobcenters Kreis Unna. Das hiesige Jobcenter weist seit Jahren eine Top-Vermittlungsquote auf, hatte zudem bundesweit die meisten Plätze im Programm Soziale Teilhabe akquiriert, quasi der Vorläufer des Sozialen Arbeitsmarktes. Den 700 Menschen, die dadurch aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus wieder Arbeit etwa bei der Werkstatt im Kreis Unna, der Diakonie oder der Awo fanden, droht aber zum Jahreswechsel die Rückkehr in den Kundenkreis des Jobcenters.

Sozialer Arbeitsmarkt: Nur 240 Plätze für den Kreis Unna

Martin Wiggermann ist stellvertretender Landrat und Vorsitzender der Trägerversammlung des Jobcenters. © UDO HENNES

Wiggermann will sich damit nicht abfinden, ebenso wenig wie Thomas Helm, der Leiter der hiesigen Arbeitsagentur. „Wir sind auch nicht glücklich damit, dass jemand sieben Jahre Arbeitslosigkeit vorweisen muss, um in das Programm zu kommen. Wir möchten die Politik bewegen, den Gesetzentwurf noch zu verbessern“, sagt Helm im Gespräch mit unserer Zeitung.

Tariflohn statt Mindestlohn

Weitere Kritik am Gesetzentwurf zum Sozialen Arbeitsmarkt entzündet sich daran, dass den Teilnehmern nur der gesetzliche Mindestlohn gezahlt werden soll. Denn der ist meist zu niedrig, um wirklich aus dem Leistungsbezug herauszukommen. „Nur ein Single, der Vollzeit arbeitet, kann mit dem Mindestlohn wirklich seinen Lebensunterhalt bestreiten“, erklärt Torsten Göpfert, Sozialdezernent beim Kreis Unna.

Brief an Angela Merkel

Eine hundertprozentige Förderung in Höhe des Mindestlohnes würde auch nach Ansicht von Landrat Michael Makiolla bedeuten, dass tarifgebundene Arbeitgeber zuzahlen müssten und damit die Zahl der potenziell zur Verfügung stehenden Plätze nicht ausgeschöpft würde. Makiolla spricht sich in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel außerdem dafür aus, die Zugangsvoraussetzung von sieben auf vier Jahre Leistungsbezug herunterzusetzen. Seiner Ansicht nach würde „ein längerer Zeitraum (…) die Lebenssituation vieler betroffener Menschen verkennen. Gerade wenn in Familien Elternteile Jahre ohne Beschäftigung sind, können das die für die kommende Generation prägenden Jahre sein“.

Sozialer Arbeitsmarkt: Nur 240 Plätze für den Kreis Unna

Torsten Göpfert ist Sozialdezernent des Kreises Unna. © UDO HENNES

Mit seiner Forderung nach der Schaffung eines Sozialen Arbeitsmarktes verknüpft Makiolla seit Jahren die Hoffnung, ganze „Dynastien“ von Langzeitarbeitslosen zu durchbrechen. Die Idee sieht vor, statt Arbeitslosigkeit Arbeit zu finanzieren – also Menschen, die keine Chance auf eine Beschäftigung am normalen Arbeitsmarkt haben, statt der Überweisung von „Hartz IV“ einen geförderten Job zu geben.

Lesen Sie jetzt