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Dokumente, die zwischen 1850 und 1970 erstellt wurden, haben ein Problem, sie sind zu sauer und fressen sich selbst auf. Damit den Beständen des Kreisarchivs dieses Schicksal erspart bleibt, werden die Akten nun speziell behandelt.

Kreis Unna

, 20.07.2018

Die Luft ist frisch und angenehm kühl im Archiv des Kreises Unna. An der linken Seite erstrecken sich metallene Schränke dicht an dicht. An ihrer Seite glänzen die dreiarmigen Kurbeln, mit denen die Schränke hin und her bewegt werden können. Sie sind so zurechtgekurbelt, dass zwischen den ersten beiden Regalen ein etwa eineinhalb Meter breiter Gang entstanden ist, aus dem zwei Männer unermüdlich Akte um Akte hervorbringen. Im warmen Licht der Deckenlampe wirken die alten Dokumente noch gelblicher, als sie es eigentlich sind. Josef Börste schlägt eine Akte mit blauem Deckblatt auf. Die Jahreszahl 1893 ist in der oberen linken Ecke des Papiers zu erkennen, der Rest des handgeschriebenen Dokuments lässt sich hingegen nicht so leicht entziffern. Ob es an der altertümlichen Kurrentschrift liegt, oder der damalige Landrat einfach eine Sauklaue hatte, lässt sich nicht mehr eindeutig bewerten, vielleicht beides ein bisschen. „Das hier“, der Kreisarchivar klappt die Mappe auf und dreht den seitlichen Einband nach oben „nennt man Fadenheftung, dadurch hat man früher die Ordner zusammengehalten.“ Er deutet auf die mit hellem Garn vernähte Seite des dicken Ordners und reicht ihn weiter an Gabriele Rothkegel. Sie ist die Projektleiterin der Landesinitiative Substanzerhalt des Landes NRW (LISE) und somit war die Übergabegeste der Akte auch ein wenig symbolhaft. Denn der Kreis Unna übergibt sein Dokumenten-Archiv vertrauensvoll in die Hände des LWL-Archivamtes, das sich um die Erhaltung der historisch bedeutsamen Dokumente kümmert. An ihnen nagt nämlich im wahrsten Sinne der Zahn der Zeit, sie fressen sich sozusagen selbst auf. Der Grund dafür liegt im Papier selbst, oder vielmehr in der Herstellungsmethode begründet, die in der Zeit zwischen etwa 1850 und 1970 üblich war. Papierexpertin Rothkegel erklärt: „Bei der Herstellung ist das Papier in der Vergangenheit mit Stoffen behandelt worden, die es sauer machen, der ph-Wert liegt somit weit unter 7, das wäre neutral. Damit das Papier länger erhalten bleibt, muss es entsäuert werden.“ Dabei wird der ph-Wert des Dokuments in den basischen Bereich angehoben und ein Puffer in die Papierfasern eingebracht, der es haltbarer machen soll. „Entsäuern“, nennen die Experten dieses Verfahren. „Wie dringend das Papier entsäuert werden muss, können wir hier vor Ort direkt untersuchen.“ Rothkegel legt die Akte auf den Tisch vor sich und schlägt sie an einer willkürlichen Stelle auf. Sie greift zu einer kleinen Flasche mit einer klaren Flüssigkeit darin und tropft etwas davon auf das historische Dokument. „Keine Sorge“, beruhigt sie, „das ist nur destilliertes Wasser.“ In den Tropfen hält sie nun einen kleinen Teststreifen, der sich beim Kontakt mit der Flüssigkeit sogleich verfärbt. Prüfend hält die LISE-Projektleiterin den Streifen neben die Vergleichsskala und notiert 5,0. „Das ist schon ganz schön sauer“, kommentiert sie die Demonstration, „optimal ist ein Wert von 8.“ Neben dem ph-Wert schreibt sie noch die Kartonnummer und Aktennummer, sowie welches Blatt sie untersucht hat. „Wenn die Dokumente von der Entsäuerung zurück sind, testen wir genau diese Stichproben erneut, um zu untersuchen, ob das Verfahren korrekt durchgeführt wurde.“ Die Entsäuerung wird nämlich von externen Unternehmen durchgeführt, das Archivamt kann diese Arbeit nicht selbst leisten und kümmert sich hauptsächlich um die organisatorischen Dinge. Die Akten aus dem Archiv des Kreises Unna kommen zu einem Spezialunternehmen nach Aschau am Inn in Süddeutschland.

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