Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Von anfänglich sieben Bewerbern sind nach der Auslese anhand formaler Kriterien noch drei übrig – die aber sind allesamt SPD-Mitglieder. Das überrascht nicht. Im Gegensatz zu einem anderen Detail über den Bewerberkreis, der bereits durchgesickert ist.

Kreis Unna

, 15.03.2018 / Lesedauer: 4 min

Drei Bewerber haben die Erstauslese überstanden, erfüllen die formalen Voraussetzungen für die vakante Stelle des Kreisdirektors. Womöglich gibt es sogar bereits eine Vorentscheidung.

Die ersten Bewerber sind bereits aussortiert: Wie Landrat Michael Makiolla dem Kreistag mitteilte, erfüllen lediglich drei der insgesamt sieben Bewerber die formellen Voraussetzungen für die Stelle des Kreisdirektors. Dass dieses Trio auch die inoffizielle Hürde wird nehmen können, ist gewiss. Soll heißen: Alle drei sind SPD-Mitglieder.

SPD-Mitglied gesetzt

Dass der SPD-Landtagsabgeordnete Hartmut Ganzke vor Beginn der Kreistagssitzung am Dienstag für ein Pläuschchen mit Parteifreund Torsten Göpfert auf der Verwaltungsbank Platz genommen hat, könnte man als Vorzeichen werten: Hat der 52-jährige Jurist aus Unna seinen Hut für die Stelle des Kreisdirektors in den Ring geworfen und übt sich nun schon mal im Perspektivwechsel? Er selbst quittiert die Frage tags darauf mit einem beherzten Lachen und verneint, sich beworben zu haben. Sein Name aber war seit dem Weggang von Dr. Thomas Wilk des Öfteren gefallen; wie auch die anderer SPD-Spitzen aus dem Kreis Unna, die womöglich Ambitionen auf dessen Nachfolge haben könnten.

Nur noch drei Bewerber für Stelle des Kreisdirektors übrig

Brigitte Cziehso, Fraktionsvorsitzende der SPD im Kreistag © Drawe

Gerade auch vor dem Hintergrund der Landratswahl 2020. Amtsinhaber Michael Makiolla steht für keine weitere Amtszeit zur Verfügung. Die Vermutung, dass die SPD im Kreis Unna über die durchaus prestigeträchtige Position des Kreisdirektors schon mal den Kronprinzen in Stellung bringen möchte – das ist an sich nicht abwegig, aber offenbar nicht der Fall. Brigitte Cziehso, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Kreistag, bestätigte im Gespräch mit unserer Zeitung jedenfalls, dass kein Eigengewächs ins Rennen um die Position des Kreisdirektors geht. Sie verifizierte darüber hinaus auch, dass alle drei finalen Bewerber Mitglieder der SPD sind.

Es wird gemunkelt, dass Cziehso gezielt auf die Suche gegangen ist und sich um genau diese drei Bewerber bemüht hat. Sie gibt sich in dieser Frage zurückhaltend, sagt, sie habe „natürlich mit Menschen gesprochen“. Verwerflich ist das freilich nicht. Wohl aber wenn es stimmen würde, dass die Fraktionsspitzen von SPD und CDU im Kreistag sich insgeheim längst auf einen neuen Kreisdirektor geeinigt haben. Das ist aus internen Kreisen zu hören – und wird genährt davon, dass die Politik den Bewerberkreis kurz vor Beginn der Ausschreibung noch erweitert hat, indem sie die Befähigung zum Richteramt gegen den Willen von Landrat Makiolla als Einstellungsvoraussetzung gestrichen hat; bei der Auswahl Wilks war sie noch obligatorisch.

Wurde die Hürde also gezielt niedriger gehängt, um den bereits in Aussicht stehenden Wunschkandidaten installieren zu können?

Absprachen nicht neu

Auch rund um die Wahl von zunächst Dr. Thomas Wilk (SPD) Anfang 2013 zum Kreisdirektor und rund ein Jahr später dann Dirk Wigants (CDU) zum neuen Gesundheitsdezernenten stand der Vorwurf der Absprache der beiden großen Fraktionen im Raum. Der Verdacht damals: Die SPD installierte ihren Mann an der Verwaltungsspitze, die CDU durfte im Gegenzug einen Parteifreund als gesicherten Dezernenten nominieren. Damals waren freilich beide Fraktionsspitzen um Dementi bemüht. Mit einiger Zeit Abstand mehrfach darauf angesprochen reagierten zumindest führende Christdemokraten in den vergangenen Jahren allerdings eher mit einem vielsagenden Lächeln denn mit einem klaren Nein auf den Vorwurf der Absprache. Nun also steht er wieder im Raum.

SPD und CDU dementieren

Brigitte Cziehso betont vehement: „Wir alle – auch die SPD im Kreis Unna – hätten doch nichts davon wenn jemand käme, der zwar formal geeignet wäre, aber den Anforderungen des Amtes nicht gerecht würde.“ Sie betont, dass es einzig und allein darum gehe, einen kompetenten Kreisdirektor zu finden, der den Kreis Unna weiter nach vorne bringe.

Nur noch drei Bewerber für Stelle des Kreisdirektors übrig

Wilhelm Jasperneite, Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag © Heine

Auch Wilhelm Jasperneite (CDU) verwies auf Nachfrage auf ergebnisoffene Bewerbungsgespräche und wies den im Raum stehenden Verdacht entschieden von sich. Mehr als den im Ältestenrat vorgelegten Bewerberspiegel habe er nicht gesehen, kenne keine darüber hinausgehenden Details über die Bewerber. Absprachen jedweder Art habe es im Vorfeld nicht gegeben, man habe keinerlei Kontakte gehabt.

Der weitere Zeitplan sieht nun vor, dass am Nachmittag des 17. April Gespräche mit den drei finalen Bewerbern geführt werden. Danach bleiben einige Wochen Zeit für Vorstellungsrunden in den Kreistagsfraktionen und -gruppen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Das sind die bisherigen Kreisdirektoren des Kreises Unna

Das Amt des Kreisdirektors gibt es in Nordrhein-Westfalen noch nicht allzu lange. Eine Reform der Kreisordnung sah vor, dass die bis dahin ehrenamtlichen Landräte ab der Kommunalwahl 1999 hauptberufliche Wahlbeamte werden und damit auch Chefs der Kreisverwaltungen im Land sein sollten. Bis dahin führten die Oberkreisdirektoren das Regiment in den Verwaltungen, Landräte hatten repräsentative Aufgaben.
15.03.2018
/
Erster Kreisdirektor im Kreis Unna wurde 2000 Michael Makiolla an der Seite des damaligen Landrates Gerd Achenbach. Bis zu seiner eigenen Wahl zum Landrat im Oktober 2004 blieb Makilla im Amt.© Kreis Unna
Ihm folgte Rainer Stratmann aus Soest, der bereits 1988 als Dezernent zum Kreis Unna kam und 2000 zum Kämmerer bestellt wurde.
Seine Wahl erfolgte im März 2005 einstimmig. Im Oktober 2012 stellte Stratmann sich der Wiederwahl, wurde vom Kreistag jedoch mehrheitlich abgewählt und schon vor Erreichen des Alters in Pension geschickt. Eine Affäre mit Auswirkungen auf die Wahl des Nachfolgers.© Hennes
Dr. Thomas Wilk wurde im Februar 2013 bei sechs Enthaltungen von Grünen und Freien Wählern an die Verwaltungsspitze gewählt – die Abgeordneten wollten ob der Vorgeschichte um die Abwahl Stratmanns ihren Protest kundtun. Wilk seinerseits folgte Ende vergangenen Jahres
dem Ruf von Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) aus Kamen, die ihn als Abteilungsleiter Bauen in ihr Haus nach Düsseldorf geholt hat.© Kreis Unna

Die Wahl des neuen Kreisdirektors soll in der Kreistagssitzung am 8. Mai erfolgen. Ob es echte Wahlalternativen gibt, wird sich zeigen. Einen Tag vor der Wahl Wilks zum neuen Kreisdirektor war sein einziger Mitbewerber seinerzeit ausgestiegen – er hatte schlichtweg keine Aussicht auf Erfolg, weil sich SPD, CDU, FDP und Linke im Vorfeld bereits öffentlich für Wilk positioniert hatten.

  • Die Kreisordnung des Landes Nordrhein-Westfalen (KrO NRW) sieht vor, dass der Kreistag einen allgemeinen Vertreter des Landrates bestimmen muss (§47).
  • Dafür gibt es zwei Alternativen: Entweder ein leitender Beamter der Kreisverwaltung wird dazu bestellt, oder der Kreistag wählt einen allgemeinen Vertreter für die Dauer von acht Jahren.
  • Der Kreistag Unna hat sich für letztere Variante entschieden und dies in der Hauptsatzung des Kreises (§8) verankert.
  • So oder so: Die Personalie bedarf schlussendlich – egal ob bestellt oder gewählt – der Bestätigung der Bezirksregierung Arnsberg.
Lesen Sie jetzt