Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Lesung aus Buch von Björn Höcke: Mal Schaf, mal Wolf

dzRunder Tisch gegen Rassismus

Björn Höcke gilt als einer der prominentesten und polarisierendsten Köpfe der AfD. In einem Buch geriert er sich als Denker, Philosoph, Vernunftmensch. Und zugleich als Wolf im Schafspelz.

Kreis Unna

, 11.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Zeitgleich zur AfD-Veranstaltung auf Haus Opherdicke lud der Runde Tisch gegen Rassismus am Montagabend in Unna zur Lesung. Kein Zufall natürlich, sondern eine sehr bewusste Entscheidung, wie die Vertreter zu Beginn der Veranstaltung erklärten: „Wir haben überlegt, ob wir bei dem ,Bürgerdialog‘ wirklich in einen Dialog kommen können und sind zu dem Schluss gelangt, dass wir dort nicht die Gelegenheit bekommen würden, unsere Argumente zu entfalten“, gab Sprecherin Ute Fischer die Diskussion im Vorfeld wider. Stattdessen entstand die Idee einer Parallelveranstaltung. „Wir wollen genau hinschauen. Dann erklärt sich schon, wo die AfD hin will“, so Sprecher Klaus Koppenberg.

Lesung aus Buch von Björn Höcke: Mal Schaf, mal Wolf

Klaus Koppenberg vom Runden Tisch gegen Rassismus moderierte die Diskussion. © Kevin Kohues

Als Vorlage diente ein sogenanntes Interview-Buch Björn Höckes mit dem Titel „Nie zweimal in denselben Fluß“. Von einem Streitgespräch hat es freilich nichts, der Interviewer fungiert eher als Stichwortgeber. Die Unnaer Rezitatorin Anne-Katrin Schlegel las zunächst einige Passagen vor, die wenig bis gar nichts mit dem gemein hatten, wofür Björn Höcke in der Wahrnehmung vieler steht. Wenn der gelernte Geschichtslehrer Böll, Hegel oder Goethe zitiert, wenn er Sätze sagt wie „Ich lehne jede Form von Extremismus ab“, dann ist er nicht der rechtsradikale, rassistische Hetzer, der auf dem Marktplatz steht und Parolen brüllt.

Mitunter moderat, immer wortgewandt

Höcke, das arbeitete auch das Publikum in der Diskussion nach der Lesung heraus, kommt bisweilen moderat, immer wortgewandt und clever daher, „manches möchte man unterschreiben“, so der Tenor.

Auf anderen Seiten des Buches finden sich aber auch Sätze wie diese:

  • „Wer seinem Land wirklich mit der Waffe dienen möchte, sollte sich überlegen, ob er nicht auf andere, bessere Zeiten wartet.“ (über den Zustand der Bundeswehr)
  • „Unsere Zukunft hängt auch an der Frage männlicher Ehre und Würde.“ (über die Rolle von Mann und Frau)
  • Männern schreibt Höcke die Tugenden „Wehrhaftigkeit, Weisheit und Führung“ zu, während Frauen im Unterschied dazu „Intuition, Sanftmut und Hingabe“ innewohnten.
  • Und er sagt: „Wir brauchen uns nicht zu rechtfertigen, schon gar nicht vor den Zerstörern unseres Landes.“

Diese Aussagen speisen sich aus einer Selbstwahrnehmung, wonach der Einsatz für die „autochtone Bevölkerung“ (die Einheimischen) das einzig Richtige, Vernünftige ist. Ergo sieht Höcke sich auch nicht als Extremist, sondern als Vertreter der Mitte des Volkes, braucht sich daher auch nicht zu rechtfertigen. Vielmehr kämpft er gegen korrupte Machteliten, „die bereits ahnen, dass ihre Zeit bald vorbei ist.“

Lesung aus Buch von Björn Höcke: Mal Schaf, mal Wolf

Das Publikum setzte sich intensiv mit Höckes Aussagen auseinander. © Kevin Kohues

Das verfängt bei vielen Menschen, ganz sicher aber nicht bei denen, die sich am Montagabend im Haus der Kirche damit auseinandersetzen. Ihr Urteil: Höcke ist „leider sehr clever“ – und gerade deshalb so gefährlich.

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt