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Lehrer fühlt sich diskriminiert: Kein Zurück aus der Frühpension

dzLehrermangel

Wegen einer schweren Krankheit geht Rainer König in Frühpension. Jetzt fühlt er sich wieder fit – und will in Teilzeit zurück in den Unterricht. Das Land fördert das. Doch in seinem Fall heißt es: Nein.

Kreis Unna

, 15.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Rainer König war gerne Lehrer. Er unterrichtete Deutsch und Englisch, zuletzt am Städtischen Gymnasium in Kamen. Bis eine schwere Krankheit ihn im März 2017 dazu zwang, Schluss zu machen. „Es sah mies aus. Es machte Sinn zu sagen: Die Zeit, die womöglich noch bleibt, genieße ich, ohne zu arbeiten.“ Doch es kam anders, als die Ärzte prognostizierten. Der heute 62-jährige Frühpensionär erholte sich, fühlt sich trotz seines Schwerbehindertengrads von 50 fit.

„Es machte Sinn zu sagen: Die Zeit, die womöglich noch bleibt, genieße ich, ohne zu arbeiten.“
Rainer König

Das Maßnahmenpaket von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) gegen den Lehrermangel kam im Sommer 2018 also wie gerufen. Punkt vier auf dem Sechs-Punkte-Plan: Pensionäre stundenweise für den Schuldienst zurückgewinnen, gewissermaßen als Teilzeitlehrer. Als finanzieller Anreiz wurde die bereits ausgesetzte Hinzuverdienstgrenze für Beamte verlängert. „Damit führt eine Tätigkeit im Tarifbeschäftigungsverhältnis bei den betreffenden Pensionären nicht zu Kürzungen bei den Pensionsbezügen“, heißt es in dem sechsseitigen Papier, das das NRW-Bildungsministerium im August vergangenen Jahres veröffentlicht hat.

Lehrerversorgung

Der Sechs-Punkte-Plan

  • Das NRW-Bildungsministerium geht davon aus, dass in den nächsten zehn Jahren 78.000 Stellen an nordrhein-westfälischen Schulen neu zu besetzen sind – und insgesamt fast 140.000 Stellen in den nächsten 20 Jahren.
  • Die Landesregierung hat bereits versucht, mit Maßnahmen gegenzusteuern und unter anderem zusätzliche Studienplätze geschaffen sowie die Möglichkeit zum Seiteneinstieg für das Fach Englisch erweitert.
  • Das im vergangenen Sommer geschnürte Maßnahmenpaket umfasst sechs Punkte: Den potenziellen Bewerberkreis für den Seiteneinstieg erweitern, angehende Gymnasiallehrer für andere Schulformen begeistern, Attraktivitätssteigerung durch Verbeamtung, Pensionäre für befristete Stellen reaktivieren, Oberstufenlehrer für vier Jahre ohne Nachteile für die weitere Laufbahn in der Sekundarstufe I einsetzen und Ausbau der Stellen für Lehrer der Sekundarstufe II an Gesamtschulen.

Bei Rainer König weckte das freilich ein außerordentlich hohes Interesse. „Ich habe immer gerne mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gearbeitet“, sagt der Lehrer aus Hamm. „Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht.“ Die Aussicht, für ein paar Wochenstunden in den Schuldienst zurückkehren zu können – für ihn ein Lichtblick, zumal er sich wieder gebraucht fühlte.

Schulleitung sagt „Ja“, Bezirksregierung „Nein“

Über ein Portal des NRW-Bildungsministeriums für befristete Vertretungsstellen bewarb er sich zunächst an der Jeanette-Wolff-Hauptschule in Dortmund-Mengede für zwölf Englischstunden die Woche. Nach einem erfolgreichen Bewerbungsgespräch mit der Schulleitung habe diese vonseiten der Bezirksregierung eine Absage auf den Antrag erhalten, König für den Schuldienst zu reaktivieren. „Wegen fehlender Eignung“, erfuhr König auf eigene Nachfrage. „Ich bin Pädagoge und kenne den alten pädagogischen Grundsatz: ‚Man holt die Kinder da ab, wo sie stehen“, ist der 62-jährige Gymnasiallehrer überzeugt, nicht etwa überqualifiziert zu sein für den Einsatz an einer Hauptschule. Zumal er früher nebenberuflich an der Volkshochschule gearbeitet und auch Schulabschlüsse an der Abendschule gemacht habe. „Das ist schon sehr lange her, aber ich kam auch mit Hauptschülern gut klar.“

Die Stelle an der Dortmunder Schule sei daraufhin ein zweites Mal ausgeschrieben worden – auf seine erneute Bewerbung habe er aber nie etwas gehört, so König.

Dann fand sich in dem Portal eine Ausschreibung der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Bergkamen: eine Stelle mit 14 Wochenstunden für Deutsch als Fremdsprache. „Das passte eigentlich noch besser, zumal ich bei der Bezirksregierung Düsseldorf eine Zusatzqualifikation für Deutsch als Fremdsprache erworben und zeitweise an der Volkshochschule nebenher Deutsch als Fremdsprache unterrichtet habe.“ Auch hier folgte der Bewerbung ein vielversprechendes Bewerbungsgespräch. „Die Schulleiterin jubilierte, es schien gar keinen anderen Bewerber gegeben zu haben“, erzählt König. Dann kam erneut eine Absage aus Arnsberg – wieder wegen Nichteignung.

„Schulministerin Gebauer arbeitet ja wirklich hart daran, dass kein Unterricht ausfällt – und dann so etwas, das absolut nicht nachvollziehbar und kontraproduktiv ist“, wirft Rainer König der Bezirksregierung vor, ihn entweder wegen seines Alters oder seiner Schwerbehinderung zu diskriminieren. „Man hätte mich auch einfach zu einem Gesundheitscheck auffordern können – in dieser Hinsicht ist aber nichts gekommen.“

Arbeitsgericht Dortmund verhandelt den Fall

König hat einen Anwalt eingeschaltet, der auch Klage vor dem Arbeitsgericht in Dortmund eingereicht hat. „Mir geht’s ums Prinzip“, sagt er. „Ich weiß ja nicht, ob das ein Einzelfall ist – aber selbst wenn: Jeder Einzelfall ist einer zu viel bei der Situation an den nordrhein-westfälischen Schulen.“ Weil es bei einem ersten Gütetermin zu keiner Einigung gekommen ist, wird der Fall nun am 19. März verhandelt.

Die Bezirksregierung Arnsberg wollte sich auf Nachfrage mit Verweis auf das laufende Verfahren zunächst nicht zu dem Fall außen. „Wir wollen der juristischen Bewertung nicht vorgreifen“, sagte eine Sprecherin.
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