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Juso-Chef Kevin Kühnert: Der Hoffnungsträger der Sozialdemokratie

dzPolitik im Kreis Unna

Er gilt als der Hoffnungsträger der SPD, und am Samstagabend in Kamen zeigte Kevin Kühnert, warum das so ist. Der Juso-Chef überzeugte so sehr, dass manch einer ihn schon als künftigen Bundeskanzler sieht.

Kreis Unna

, 09.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Schlabberpulli, dunkle Jeans, für einen Mann mit 1,70 Meter Körpergröße eher klein: Rein äußerlich ist Kevin Kühnert gewiss nicht der Typ, der sofort die Aufmerksamkeit eines ganzen Raumes auf sich zieht.

Frontmann der „No-Groko-Kampagne“

Vor einem Jahr erlangte er trotzdem bundesweite Bekannt- und Berühmtheit als Frontmann der „No-Groko-Kampagne“. Der Juso-Vorsitzende wollte einen abermaligen Eintritt seiner Partei in eine Regierung mit CDU und CSU unbedingt verhindern, weil er darin keine Chance für Politikwechsel und Erneuerung sah.

Die Groko-Gegner scheiterten bekanntlich knapp, doch der Respekt und das Ansehen, das Kühnert sich erworben hatte, wurden dadurch nicht beeinträchtigt.

Die Jusos insgesamt und Kühnert insbesondere, so der Eindruck seither, treiben die vielbeschworene Erneuerung der Sozialdemokratie trotzdem mit großer Leidenschaft voran, und wer den Jahresauftakt der Jusos im Kreis Unna besuchte, konnte das hautnah erleben.

Große Strahlkraft

Kühnert besitzt offenbar eine so große Strahlkraft, dass auch viele ältere Parteimitglieder im Technopark Kamen dabei sein wollten, inklusive der Lokalprominenz von Unterbezirkschef Oliver Kaczmarek bis zum Selmer Bürgermeister und Landratskandidaten Mario Löhr.

Als Kühnert ans Mikrofon tritt, verrät der 29-jährige Berliner zunächst, dass er an diesem Samstag bereits Düsseldorf und den Kreis Steinfurt besucht habe, der Kreis Unna nun den Abschluss seines „NRW-Tages“ bilde. Dann kommt er sofort zu politischen Inhalten. Die Europawahl, so seine erste Botschaft, sollte so ernst genommen werden wie eine Bundestagswahl.

Juso-Chef Kevin Kühnert: Der Hoffnungsträger der Sozialdemokratie

Juso-Chef Kevin Kühnert bei seinem Auftritt in Kamen. © Marcel Drawe

Für ein solidarisches Europa

Kühnert plädiert dafür, jungen Menschen gegenüber nicht immer nur mit dem Friedensprojekt Europa zu werben („Krieg ist für die 25-Jährigen sehr weit weg“), wenn es um die Vorzüge der EU gehe, und auch nicht nur mit dem Erasmus-Austausch für Studenten und den offenen Grenzen. Wenn Europa wirklich eine Werte-Union sein wolle, dann müsse auch die Solidarität eine zentrale Rolle spielen. Kühnert erinnert daran, dass man Steueroasen nicht in der Südsee suchen müsse und nennt die Beispiele Luxemburg, Malta und Irland im Zusammenhang mit der politischen Forderung nach einem Mindeststeuersatz. Auch einen gemeinsamen europäischen Mindestlohn bringt er ins Spiel.

Das Thema Gerechtigkeit ist auch Kühnerts großes Thema. Dass die SPD damit bei der Bundestagswahl 2017 nicht punkten konnte, „lag an unseren eigenen Fehlern“, so Kühnert knapp. Er will nicht ewig die Vergangenheit aufarbeiten.

Unterschiede sichtbar machen

Er glaubt vielmehr, wer diese Diskussion heute führe, würden endlich wieder Unterschiede zwischen den einstmals „großen“ Parteien und Koalitionären sichtbar. Als Beispiel nennt der Juso-Vorsitzende die von SPD-Arbeitsminister Hubertus Heil vorgeschlagene „Respektrente“: „Wir wollen denen etwas dazu geben, die 35 Jahre geschuftet und trotzdem zu wenig Rente haben, während die Union darüber diskutiert, den Soli für die oberen zehn Prozent der Einkommen abzuschaffen.“ Die SPD müsse in der weiteren Debatte darauf bestehen, dass es eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung gebe, so Kühnert, bevor er zum Seitenhieb auf die FDP ansetzt: „Die meisten, die 40 Jahre an der Kasse gesessen haben, haben eher kein Millionen-Erbe. Auch wenn Christian Lindner das glaubt.

Juso-Chef Kevin Kühnert: Der Hoffnungsträger der Sozialdemokratie

Kevin Kühnert (vorne, 3.v.l.) neben SPD-Unterbezirkschef Oliver Kaczmarek, rechts im Bild Mario Löhr (Bürgermeister Selm und SPD-Landratskandidat), hinter ihm Landrat Michael Makiolla. © Marcel Drawe

12 Euro Mindestlohn

Kühnert setzt sich außerdem vehement für den Abschied von „Hartz IV“ und mehr Lohngerechtigkeit ein. 12 Euro Mindestlohn fordert er, damit „Aufstocker“ endlich ohne ergänzende Sozialleistungen auskommen könnten, und eine Stärkung der Tarifbindung.

Applaus für potenziellen „Bundeskanzler“

Während Kühnert spricht, brandet immer wieder Applaus auf. Als er fertig ist, steht ein älterer Herr auf und sagt diesen Satz: „Nur eines tut mir leid: Dass ich schon so ein alter Knopp bin, dass ich nicht mehr erleben kann, wenn du Bundeskanzler wirst.“

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