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Feste Kleiderordnungen gibt es in den Betrieben des Kreises kaum

dzKurzarm statt hochgekrempelt

Auch Bankmitarbeiter können an heißen Tagen mal auf Krawatte und Sakko verzichten. Viele glauben zwar, dass sich Banker festen Kleiderregeln unterwerfen müssen. Doch der Schein trügt.

Kreis Unna

, 17.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Banker müssen immer fein herausgeputzt sein und auch bei hohen Temperaturen unter ihrem Jackett schwitzen – könnte man meinen. Ein Muss ist das nämlich nicht. Eine feste, schriftliche Kleiderordnung gibt es nämlich in den seltensten Fällen – nicht einmal bei der Sparkasse. „Ich sitze hier gerade in einem Kurzarmhemd“, erzählt Andreas Schlüter, Pressesprecher der Sparkasse Unna-Kamen, an einem heißen Tag. „Eine 100-prozentige Kleiderordnung gibt es nicht“, erklärt er. Dennoch: Die Kunden haben eine gewisse Erwartung an Banker und die wollen erfüllt werden. Dass die Bankangestellten also mit schickem Kostüm bzw. Anzug in der Empfangshalle stehen, könnte man als ungeschriebenes Gesetz bezeichnen. Dennoch gibt es Lockerungen. „Bei sehr warmem Temperaturen verzichten einige auf Krawatte und Sakko verzichten“, sagt Schlüter. Es gebe Lockerungen und „bevor ich ein langärmliges Hemd anziehe und es hochkrempeln muss, ziehe ich ein Kurzarmhemd an“, sagt Schlüter. Zudem gebe es natürlich Unterschiede zwischen Angestellten, die Kundenkontakt haben und jene, die keinen haben. Seit den 34 Jahren in denen er bei der Sparkasse tätig ist, sei die Regelung so gewesen. Ob sich der Dresscode in Zukunft lockern könnte, kann Schlüter nicht sagen, aber es gibt eine Sparkasse, die es ausprobiert. „Die Hamburger Sparkasse hat sich smart casual auf die Fahnen geschrieben. Man weiß nicht, wohin es geht“, sagt Schlüter.

Flotte Postboten

Mehr Veränderungen gibt und hab es bei der Deutschen Post – wobei auch diese keine spezielle Kleidervorschrift hat. „Die Kollegen, die draußen Briefe und Pakete ausliefern, müssen sich in Dienstkleidung bewegen“, beschreibt Presseprecher Rainer Ernzer, die einzige Regel, an die die Zusteller sich halten müssen. Ob sie eine Bluse, Poloshirt oder ein T-Shirt tragen, sei ihnen überlassen. „Die Zusteller können sich aus einem reichlichen Fundus Kleidung bestellen“, sagt Ernzer. Der habe sich mit der Zeit immer mehr erweitert. In damaligen Behördenzeiten seien die Zusteller eingeschränkter gewesen – jetzt gibt es vom Stirnband bis zur wetterfesten Regenjacke für jede Witterung die passende Kleidung. Und sie ist „flotter und moderner“ geworden.

Sommer auf Anordnung

Die Polizei achtet schon mehr auf Einheitlichkeit. Wie Thomas Röwekamp, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Unna erklärt, gibt es einen Kleidererlass. Je nach Funktion ist darin genau aufgeführt, was die Beamten tragen dürfen. Steigen die Temperaturen, dürfen die Beamten im Wachdienst kurzärmlige Hemden tragen, kurze Hosen gibt es hingegen nicht. „Vor Jahren gab es für die Frauen Röcke, aber die haben sich nicht durchgesetzt“, sagt Röwekamp. Die Beamten dürften selbst entscheiden, wann sie ein kurzärmliges Hemd tragen. „Sie sollten sich aber absprechen, sodass zwei Beamte im Streifenwagen einheitlich gekleidet sind“, so Röwekamp. Es gebe jedoch auch Ausnahmen, denn jeder habe ein anderes Wärme- und Kälteempfinden. „Ein Kollege in Schwerte zieht erst ab Minus 2 Grad ein kurzärmliges Hemd an.“ Früher wurde übrigens festgelegt, ab wann die Polizisten kurzärmlige Oberteile tragen mussten. „Der Sommer wurde angeordnet.“

Während Polizisten sich an heißen Tagen ihrer Klimaanlagen im Auto erfreuen, halten sich die Busfahrer der VKU in ihrer klimatisierten Busfahrerkabine den Schweiß vom Leib –während so manch ein Fahrgast unter der Körperwärme des Sitznachbars leidet. Im Gegensatz zu seinen Fahrgästen dürfen die Fahrer aber nicht frei über das entscheiden, was sie tragen. Laut VKU müssen Busfahrer dunkle, lange Stoffhosen und dazu geschlossene Schuhe tragen. „Aus Sicherheitsgründen muss geschlossenes und sicheres Schuhwerk getragen werden“, erklärt VKU-Sprecherin Katrin Heyer.

Den Stoff ihrer Hosen wählen die Fahrer selbst, die Oberbekleidung wird vom Unternehmen zur Verfügung gestellt. Auch Wasser bekommen die Fahrer im Sommer gestellt. Und sie dürfen laut VKU auf Halstuch und Krawatte verzichten.

Feste Kleiderordnungen gibt es in den Betrieben des Kreises kaum

Krankenpfleger tragen im Sommer weiße Polo-Shirts. Die werden vom Arbeitgeber gestellt¨– und professionell gereinigt. © picture alliance/dpa

Professionelle Reinigung

Dienstkleidung tragen auch die Mitarbeiter im Krankenhaus. Einen festgelegten Dresscode gibt es aber laut Karin Riedel, Pressesprecherin des Katharinen-Hospitals in Unna, auch hier nicht. Der Grund dafür liegt wohl auf der Hand: Das Krankenhaus stellt seinen Mitarbeitern Dienstkleidung zur Verfügung – das sind weiße Hosen und Oberteile wie Kasacks, Polo-Shirts und Kittel. Das Besondere: „Aus hygienischen Gründen wird diese Dienstkleidung von uns als Arbeitgeber bereitgestellt und professionell gereinigt. Es gibt ein Aus- und Rückgabesystem für diese Kleidung“, so Riedel. In den Bürobereichen wird es im Katharinen-Hospital geregelt, wie auch in der Bank. Es gelten unausgesprochene Regeln und die Mitarbeiter kleiden sich „angemessen“. „In den mittlerweile 19 Jahren, die ich hier überblicken kann, hat es auch in heißen Sommern da noch nie ein Problem gegeben, dass sich beispielsweise Patienten, Besucher oder Kollegen beschwert haben“, sagt Riedel.

Wie auch bei der Sparkasse, in der Pressesprecher Andreas Schlüter ab und an mitfühlende Worte von Kunden an adrette Bankmitarbeiter vernimmt, haben auch Krankenhausbesucher Verständnis. Schließlich schwitzen wir aller gleichermaßen. Und niemand gönnt dem anderen ein Schweißbad.

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