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Die Unnaer Tafel wünscht sich einen neuen Kühlwagen

Aktion Zeitungsspende

Lebensmittel für Menschen, mit denen es das Schicksal nicht so gut meinte wie mit manch anderen. Die Mitarbeiter der Unnaer Tafel unterstützt Bedürftige bereits seit 14 Jahren. Seit vier Jahren geht Martina Bussmann zur Tafel. Die sechsfache Mutter traf das Schicksal besonders hart. Und das nicht nur einmal.

Kreis Unna

, 14.07.2018 / Lesedauer: 4 min
Die Unnaer Tafel wünscht sich einen neuen Kühlwagen

Martina Bussmann (r.) kommt regelmäßig zur Unnaer Tafel – dieses Mal mit ihrer Tochter Layla (7). Die Kamenerin ist alleinerziehend und hat sechs Kinder. Als ihre Eltern starben, starb auch die letzte Unterstützung, die sie hatte. Sie ist auf die Tafel angewiesen und für die Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter sehr dankbar. Pott © Claudia Pott

Inmitten eines ruhigen Wohngebiets in Unna-Königsborn gibt es einen Ort, an dem jeden Tag Trubel herrscht. Genauer gesagt eine Halle. An der Seitentür halten mit Lebensmitteln gefüllte Transporter, die von Männern ausgeräumt werden, drinnen werden die grünen Kisten sortiert und neu gepackt.

Um 11 Uhr öffnet die Unnaer Tafel ihre Pforten. Bis dahin muss die Ausgabe vorbereitet sein. Vor dem Haupteingang bildet sich schon vor 11 Uhr eine Schlange aus Leuten. Sie sind mit Taschen und Tüten bepackt. Dass es an diesem Tag regnet, stört sie offenbar nicht.

Ein ganz normaler Traum

In dieser Schlange steht auch Martina Bussmann. Wie viele andere auch, holt sie jede Woche frische Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Brot für ihre Familie von der Unnaer Tafel ab. Seit über vier Jahren kommt die Kamenerin bereits nach Königsborn. Anfangs war ihr das noch unangenehm, aber mittlerweile steht sie dazu – genau wie ihre Kinder.

Bussmann hatte als junge Frau einen Traum, den viele Mädchen träumen. Erst heiraten, dann Kinder bekommen und ein eigenes Haus besitzen. Sie hat auch begonnen, ihren Traum zu leben. „Aber eine Garantie hat man für nichts“, sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau heute. Ihre erste Ehe scheiterte, die zweite vor vier Jahren auch. Bussmann ist nun alleinerziehende Mutter von sechs Kindern – fünf davon leben noch bei ihr. Vor fünf Jahren verlor sie ihre Mutter und vor drei Jahren auch ihren Vater – und damit die letzte Unterstützung, die sie für ihre Familie noch hatte. Eine Vollzeitstelle kann sie deshalb nicht besetzen. Doch „der Tag wird kommen, an dem die Kinder groß sind und ich wieder arbeiten kann“, so Bussmann.

Die Unnaer Tafel wünscht sich einen neuen Kühlwagen

Rita Krolik ist die einzige Angestellte der Unnaer Tafel. Sie ist für die Helfer aus dem Programm „Soziale Teilhabe“ zuständig.

Sie wird dann nicht mehr auf die Unnaer Tafel angewiesen sein und obwohl sie auf eigenen Füßen stehen will, wird ihr etwas fehlen. „Wenn es mir besser geht, werde ich nicht den Apfel vermissen, sondern die Leute.“ Die Mitarbeiter seien sehr hilfsbereit und auch unter den Kunden kenne man sich mittlerweile. Es gehe dort familiär zu. „Die Mitarbeiter wissen, dass meine Eltern hier auf dem Friedhof liegen und wenn es Blumen gibt, dann binden sie mir manchmal extra einen Strauß“, sagt Bussmann.

Die Mitarbeiter setzen sich aus Ehrenamtlichen und Teilnehmern des Programms „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ zusammen. Täglich vor 11 Uhr bereiten einige von ihnen die Ausgabe vor. Auf einem langen Tisch stehen Kisten mit Möhren, Salatherzen und Brötchen. Im hinteren Bereich der Halle wird Nachschub vorbereitet. Auf einem langen Tisch stehen außerdem Kisten mit einer bunten Auswahl an Lebensmitteln. Sie werden für Behinderte und Kranke gepackt und später zu ihnen geliefert.

Die Lebensmittel sind hochwertig und frisch. Knallrote Tomaten, frische Salatherzen, manchmal gibt es auch Lindt-Schokolade. „Die Lebensmittel sollen gut aussehen. Wir wollen unseren Kunden nicht vermitteln, dass sie etwas Ausgemustertes bekommen“, erklärt Tafelchefin Ulrike Trümper.

Die Unnaer Tafel wünscht sich einen neuen Kühlwagen

Petra Schäfer, Ramona Kroh und Nadia Riede (v.l.) arbeiten an der Ausgabe der Unnaer Tafel – und verteilen zum Beispiel frische Möhren.

Jeden Morgen holen Fahrer die Lebensmittel aus 72 Läden im Kreis Unna ab. Dort sortieren sie einiges davon aus, in Königsborn wird anschließend noch einmal aussortiert. Am Ende bleibt das Beste übrig. Und davon nicht zu wenig. Warum die Supermärkte so viele teils hochwertige Lebensmittel täglich auf Trollis vor ihre Läden für die Tafel bereitstellen, erklärt Trümper an einem einfachen Beispiel: „Wenn in einer Palette ein Glas kaputt geht, dürfen die Supermärkte die ganze Ware auf der Palette aus versicherungstechnischen Gründen nicht mehr verkaufen. Dann bekommen wir sie.“

Neun Ausgabestellen

Lebensmittel stehen der Tafel ausreichend zur Verfügung. Neben den neun Ausgabestellen im Kreis Unna profitieren noch andere davon, dass die Unnaer Tafel so viel Unterstützung erfährt – beispielsweise Kinder und Schüler. „Manche Kinder kommen ohne Pausenbrot in die Schule oder den Kindergarten“, sagt Trümper. Die Tafel liefert Lebensmittel an Schulen, Kindergärten, Krippen und auch an Verbände, die sich um Migranten kümmern – zum Beispiel das Café International in Kamen. Und auch Tiere versorgt die Unnaer Tafel. Sie seien schließlich die besten Freunde der Menschen, sagt Trümper. Kunden, die vorweisen können, dass sie ihr Haustier bereits lange besitzen, erhalten bei der Tafel Futter – besonders kranke Tiere verursachen hohe Kosten.

So wie bei den Tieren geprüft wird, ob ein Anspruch auf die Unterstützung durch die Tafel besteht, gibt es auch für die Besitzer bestimmte Voraussetzungen. Die Kunden der Unnaer Tafel müssen nachweisen, dass sie Arbeitslosengeld II sowie eine weitere Leistung von der Stadt oder dem Kreis beziehen – beispielsweise Wohngeld. Sie bekommen dann eine Tafelkarte mit begrenzter Gültigkeit. Migranten erhalten beispielsweise eine Karte, die nur drei oder vier Monate gültig ist, Rentner, die unter Altersarmut leiden, eine Karte, die länger gültig ist.

Da die Supermärkte in der Sommerzeit anders disponieren, könnten derzeit keine neuen Kunden aufgenommen werden, erklärt Trümper. Im September werden wieder neue Tafelausweise vergeben. Derzeit sind 880 Kundenkarten im Umlauf. Versorgt werden damit 1852 Personen. „Hinter jedem Menschen steht noch eine Familie“, sagt Trümper.

Die Unnaer Tafel wünscht sich einen neuen Kühlwagen

Heinz Wiemers arbeitet seit zwölf Jahren bei der Unnaer Tafel. Vor dem Tod seiner Frau versprach der Rentner ihr, sich ehrenamtlich zu engagieren.

Keine Vollversorgung

Mit vollgepackten Taschen verlassen die Kunden die Hallle. Vollgepackt heißt aber nicht vollversorgt. Und auch wenn die Tafel könnte, würde sie die Leute nicht rundum versorgen. „Die Leuten sollen und müssen für sich selbst Verantwortung tragen“, betont Trümper. So gibt es in Königsborn grundsätzlich kein Fleisch.

Am schönsten wäre es laut Trümper, wenn es die Tafel gar nicht gäbe. Aber sie werde gebraucht und übernehme Aufgaben, die eigentlich der Staat übernehmen müsste. Trümper sagt: „Wir können nicht die ganze Welt retten, aber wir setzen uns dafür ein, dass manche Dinge besser werden.“

Viele kleine Spenden können einiges bewirken. Das hat die Aktion Zeitungsspende des Zeitungsverlags Rubens schon viele Male bewiesen. Und auch dieses Jahr spenden unsere Leser wieder fleißig. 12.160 Euro sind schon vor der Haupturlaubszeit zusammengekommen. Wer in den Sommerferien wegfährt und seine Zeitung abbestellt, kann diese an Bedürftige spenden. Wer zusätzlich eine digitale Zeitung abonniert hat, kann online weiterlesen. Der Zeitungsverlag Rubens bedankt sich mit 50 Cent pro gespendetem Zeitungsexemplar. Am Ende des Jahres wird der Erlös für den guten Zweck gespendet. Dieses Jahr erhält die Unnaer Tafel den Erlös aus der Aktion Zeitungsspende. Ulrike Trümper, Chefin des gemeinnützigen Vereins, hofft, dass genug Geld zusammenkommt, um einen neuen Kühlwagen zu kaufen. „Es wäre toll, wenn man sich in etwas setzen kann, das auch funktioniert“, sagt sie. Bei dem jetzigen Kühlwagen müsse sie immer hoffen, dass er bis zum Mittag kühlt. „Wir behelfen uns mit Kühlboxen, aber die reichen nicht aus.“ Sollte übrigens noch Geld übrig sein, weiß Trümper auch schon, was sie damit anfangen wird: „Dann gibt es ein paar Kärcher. Wir müssen nämlich alle Kisten per Hand reinigen.“ Weitere Informationen zur Aktion Zeitungsspende gibt es im Servicecenter des Verlags Rubens an der Wasserstraße 20 in Unna, montags bis freitags von9 bis 17 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr, Tel. (02303) 2020.
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