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E-Auto, Kita-Zuschuss: So kämpft Dachdeckermeister Markus Janz (50) um Fachkräfte

dzFachkräftemangel

Dachdeckermeister Markus Janz hat gut zu tun. Er sucht zwei Gesellen und einen Auszubildenden. Doch bisher hat sich niemand gemeldet. Dabei macht er seinen Beschäftigten besondere Angebote.

Horstmar

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Schon länger schaut sich der Chef der Janz Nergenau Bedachung GmbH in Horstmar nach Mitarbeitern um. Er versteht nicht, dass sich niemand meldet. Vor allem kein Auszubildender. „Es gibt ja Leute, die noch suchen.“

Der Hochbautechniker und Dachdeckermeister vermutet, dass es oft die Ängste von Eltern sind, die den Dachdeckerberuf nicht für ihre Kinder wollen. „Zu gefährlich“, glauben manche. „Das ist unbegründet“, sagt der 50-Jährige. Denn Arbeitssicherheit werde groß geschrieben. Janz setzt in seinem Betrieb neben Schutzgerüsten einen Autokran ein. So erreichen die Mitarbeiter schwierige Stellen per Gondel oder Hubarbeitsbühne. Außerdem erspart der Kran schweres Heben.

Konkurrenz in der Industrie

Konkurrent für das Dachdeckerhandwerk sei auch die Industrie. Die habe bessere Arbeitszeiten. Markus Janz bietet seinen Mitarbeitern Extras an: Gesellen, die länger als ein Jahr im Unternehmen sind, stellt er ein E-Bike oder E-Auto für den Weg zur Arbeit zur Verfügung. Wer das nicht möchte, kann einen Kindergartenzuschuss bekommen. Es gibt weitere Vergünstigungen wie Prämienkarten, Firmenhandy, Dienstkleidung, die gewaschen und repariert wird, sowie Mineralwasser.

Ein Facharbeiter verdient zwischen 3500 und 4000 Euro brutto, ein Azubi steigt im 1. Lehrjahr ab September 2019 mit 760 Euro ein. Markus Janz hat das Traditionsunternehmen nach fast 40-jährigem Bestehen von Horst Nergenau übernommen. Inzwischen ist er seit 18 Jahre dort Chef. Von seinem Beruf schwärmt er wie am ersten Tag. „Es ist einfach herrlich auf dem Dach.“ Außerdem könne er sich in Lünen noch heute Dächer und Fassaden anschauen, die er mal gebaut hat.

Fachkräftemangel ein grundsätzliches Problem

Fachkräftemangel sei ein generelles Problem im Handwerk, erklärt zu dem Thema Ludgerus Niklas, Geschäftsführer der Dachdecker-Innung Dortmund und Lünen. Wie viele Kräfte zurzeit gesucht würden, darüber habe die Innung keine Zahlen, wohl aber über die Zahl der Lehrstellen. 80 Auszubildende würden 2019 in Dortmund und Lünen beschäftigt. Im vergangenen Jahr waren es 76 und vor zehn Jahren 71.

Information

20 Dachdeckerbetriebe in Lünen

60 Dachdeckerbetriebe gehören zur Dachdecker-Innung Dortmund und Lünen. Davon sind etwa 20 Betriebe in Lünen.

Niklas sieht einen „Wettkampf um Köpfe“, weil der demografische Wandel weniger Schüler bedeute. Das Handwerk unternehme Anstrengungen, um auf sich aufmerksam zu machen: Mit Malwettbewerben in Kindergärten und Informationen in Schulen durch den Bildungskreis Handwerk.

Auch der Lüner Stadthandwerksmeister Reiner Horstmann sagt: „Der Fachkräftemangel hat uns erreicht.“ Die geburtenstarken Jahrgänge seien weg und nicht jeder wolle ins Handwerk. Dabei gebe es dort gute Verdienstmöglichkeiten udie Chance, bezogen auf die Lebensarbeitszeit sogar mehr zu verdienen als mancher mit Studium.

Kein Berufs-Infotag mehr in Lünen

Dachdeckermeister Markus Janz hat gerne den Berufs-Informationstag in Lünen genutzt, um Auszubildende zu gewinnen. Nach 22 Jahren setzte die Stadt 2017 auf ein neues Konzept: Mit der Nacht der Ausbildung, Elternveranstaltung zur Berufsorientierung mit Firmenvertretern und dem Fachtag Ausbildung im Hanseaal als Angebot für Lehrer und Wirtschaftsvertreter. Monika Lewek-Altoff vom Übergangsmanagement Schule-Beruf erklärt: „Gerade das Handwerk liegt uns sehr am Herzen.“ Im vergangenen Jahr sei beispielsweise vor allem für das Handwerk in einer Gesamtschule ein Berufsparcours mit 18 Firmen durchgeführt worden. Hier sei eine Neuauflage konkret im Gespräch.

Darüber hinaus gebe es die „Berufsfelderkundung“. Das sind Tagespraktika für Schüler der Jahrgangsstufe 8, die verpflichtend in allen Schulen in NRW durchgeführt werden. Hier hätten Betriebe die Möglichkeit, über ein kreisweites Portal zur Berufsfelderkundung Tagespraktika anzubieten. „Das Lüner Handwerk nutzt diese Möglichkeit bisher nur sehr begrenzt“, so Lewek-Althoff.

Markus Janz jedenfalls will nicht locker lassen. Zum Thema Nachwuchsgewinnung hat er in Kürze einen Termin beim Bürgermeister.

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