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Wieder Ärger um einen Boten der Deutschen Post: Ein Mitarbeiter hat ein Postablagefach, das mit Briefen gefüllt war, geöffnet zurückgelassen. Auch der Schlüssel steckte noch.

Werne

, 06.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Während kriminelle Banden in Nordrhein-Westfalen Postablagefächer der Deutschen Post aufbrechen, hat ein Bote in Werne die Tür eines solchen Depots einfach offengelassen. Nur weil ein Nachbar geistesgegenwärtig reagierte, konnte die Sicherheitslücke geschlossen werden.

„Verteilerstation stand sperrangelweit auf“

Den Vorfall über in der Mülltonne gelandete Briefe hatte Rainer Schütze gerade am Freitagmorgen in den Ruhr Nachrichten gelesen. Kurz darauf machte er selbst eine Beobachtung, die ihn fassungslos machte. Er machte sich gegen 11.20 Uhr mit seiner Frau auf dem Fahrrad Richtung Werner Innenstadt auf. Auf der Ecke Cappenberger Straße/Schottlandstraße fuhren sie an einem geöffneten Postablagefach vorbei. „Die Verteilerstation voller Post stand sperrangelweit auf“, berichtet der Anwohner.

Und an der Tür des Depots steckte der Schlüssel noch im Schloss. Der Postbote war also vielleicht dabei, gerade einige der Briefe aus der Verteilerstation in der Umgebung zu verteilen. Also wartete Rainer Schütze zehn Minuten lang. „Doch weit und breit war kein Postbote zu sehen“, sagt der 79-Jährige. Er selbst habe an diesem Tag bereits seine Post - darunter sehr wichtige - bekommen.

Anwohner bringt Schlüssel zum Postamt

Wie lange das Postablagefach bereits offen stand, ist ungewiss. Für Rainer Schütze war aber klar: „Das kannst du nicht so offenlassen.“ Also schloss er die Box ab und nahm den Schlüssel, an dem sich auch ein Autoschlüssel befand, an sich. Darüber informierte er einen Nachbarn, der in Sichtweise des Depots wohnt. Auch er hatte bereits seine Briefe an diesem Tag erhalten. Wenn der Postbote in unmittelbarer Nähe gewesen wäre und zurück zu dem Ablagefach gekommen wäre, hätte er ihn informieren können.

Rainer Schütze brachte den Schlüssel gegen 11.45 Uhr zum Postamt an der Münsterstraße. Am Schalter sei die Postbedienstete „peinlich berührt“ gewesen. Sie habe den Schlüssel entgegengenommen und sich mit den Worten entschuldigt: „Bei der Hitze sind die Postboten im Stress.“

„Wir wissen auch nicht, wo der Postbote mit seinen Gedanken war“

Rainer Schütze beschreibt es als Schusseligkeit. Sie reiht sich ein in eine Reihe von ärgerlichen Vorfällen bei der Deutschen Post. „Der Vorgang fördert nicht gerade das Vertrauen der Bürger in eine zuverlässige, sichere und geheime Postzustellung“, sagt Rainer Schütze.

Die Deutsche Post bedauert den Vorfall. „So etwas darf nicht passieren. Wir wissen auch nicht, wo der Postbote mit seinen Gedanken war“, sagt Achim Gahr, Leiter der Pressestelle Mitte der Deutschen Post.

Es handele sich um eine Aushilfskraft, die schon länger bei der Deutschen Post angestellt ist. Konsequenzen gebe es keine für den Mitarbeiter. Man nehme den Vorfall aber nun zum Anlass, alle Mitarbeiter auf ihre Sorgfaltspflicht hinzuweisen, so Gahr.

Berichte über geplünderte Ablagefächer

Achim Gahr bedankt sich im Namen der Deutschen Post bei Rainer Schütze, der das Postablagefach abgeschlossen und den Schlüssel zum Postamt gebracht hat. Der Dank gilt auch einer anderen aufmerksamen Kundin. Sie habe den Postboten, der gerade noch im Bezirk unterwegs war, auf den vergessenen Schlüssel hingewiesen. Er habe den Schlüssel dann beim Postamt abgeholt, erklärt Achim Gahr.

Rainer Schütze hat richtig reagiert und vielleicht Schlimmeres verhindert. In der Vergangenheit haben kriminelle Banden in Nordrhein-Westfalen - darunter auch in Dortmund - Postablagefächer geplündert, um an sensible Daten wie PIN-Nummern für neu ausgestellte Bankkarten zu kommen. In Werne hätten Kriminelle einfaches Spiel gehabt.

Postwurfsendungen in dem Depot

Laut Achim Gahr haben sich aber glücklicherweise nur noch Postwurfsendungen - sprich Werbung - in dem Ablagefach befunden. Die individuell adressierten Briefe habe der Postbote bereits aus der Box genommen und sie ausgetragen, so Gahr. Und der Schlüssel, der in der Tür des Postablagefaches in Werne stecken blieb, würde nur in diese Ablagebox passen. In Dortmund hingegen haben die Boten Generalschlüssel, mit denen gleich mehrere Ablagefächer geöffnet werden können.

Die Deutsche Post lagert ihre Briefe nicht nur in großen Verteilerstationen, sondern auch in den kleineren Postablagefächern, die am Straßenrand stehen. 5 bis 10 solcher Depots gebe es laut Achim Gahr in jedem Bezirk in Werne. Dazu würden aber auch beispielsweise Geschäfte gehören.

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Die Deutsche Post arbeitet in der Ferienzeit verstärkt mit Aushilfskräften. „Wir haben einen Stamm an Aushilfskräften, die über einen ständigen Vertrag verfügen“, erklärt Achim Gahr, Leiter der Pressestelle Mitte der Deutschen Post. Während die geschulten Aushilfskräfte außerhalb der Ferienzeiten etwa einmal wöchentlich oder für eine Woche lang die Angestellten vertreten, kämen sie in der Ferienzeit oder in der Vorweihnachtszeit häufiger zum Einsatz. Dies sei alles so vertraglich vereinbart, erklärt Gahr.
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