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Zwei AfD-Landtagsabgeordnete und gut 100 Zuhörer, darunter vor allem Funktionäre und Sympathisanten der Alternative für Deutschland: Als Bürgerdialog angekündigt, war die Veranstaltung auf Opherdicke alles andere als das.

Kreis Unna

, 11.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Die als Bürgerdialog angekündigte Veranstaltung der AfD ist am Ende vor allem ein Monolog – nämlich von der Landtagsabgeordneten Gabriele Walger-Demolsky, neben der selbst ihre Fraktionskollegin Iris Dworek-Danielowski wie eine Statistin wirkt.

Kritik an Merkels Flüchtlingspolitik kommt an

Es liegt in der Natur der Sache: Dworek-Danielowski ist Sprecherin für Familie, Kinder und Jugend der AfD-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag – das Feld von Walger-Demolsky ist dagegen Integration. Letzteres kommt besser an in dem mit über 100 Zuhörern besetzten Saal; dem Gefühl nach vor allem Sympathisanten der sogenannten Alternative. Ein, zwei Dutzend Kritiker der Partei und ihrer Politik outen sich mit Szenenapplaus, wenn es – wenn auch nur wenige – kritische Fragen und Zwischenrufe gibt. Denen weicht Walger-Demolsky aber ohnehin aus. Obendrein: Wer sich traut, den Pauschalverurteilungen Ausländern gegenüber entgegenzutreten, wird von AfD-Treuen im Saal lächerlich gemacht; und nicht zuletzt von Moderator Jörg Feller (AfD) zumindest belächelt. Eine neutrale Diskussionsleitung ist das nicht.

Die AfD spielt die immer gleiche Flüchtlings-Leier

Moderator war Jörg Feller, Funktionär der AfD. Hier will ein Zuhörer wissen, welche Ideen und Visionen die Alternative für Deutschland konkret hat. Die Antwort von Gabriele Walger-Demolsky: „Wir finden die Gesetze, wie sie sind, eigentlich ganz okay.“ Sie müssten frei von Emotionen angewandt werden. © Udo Hennes

Mehrere offenkundige AfD-Gegner verlassen während der Veranstaltung denn auch kopfschüttelnd den Saal. Vielleicht auch, weil sich der Grundtenor dieser Veranstaltung vor allem gegen Flüchtlinge richtet – und gegen alles, was auch nur im entferntesten damit zu tun hat. Selbst, als jemand mit einem erzürnten Zwischenruf versucht, den beiden Rednerinnen mal etwas anderes als die immer gleichen Parolen zu entlocken („Wir wissen, dass Flüchtlinge ein Problem sind – aber sie sind nicht das Problem“), und ein anderer die Erwartung formuliert, mit der er gekommen ist; nämlich mehr über die AfD und ihre Politik zu erfahren. Es geht am Ende immer um das eine: Kritik an der Flüchtlings- und Migrationspolitik.

Absurde Behauptungen und Theorien

Auch wenn die beiden Protagonistinnen bemüht sind, immer mal wieder ein anderes Bild zu zeichnen; etwa als Dworek-Danielowski – bemüht um Wortbeiträge – sagt: „Kein Mensch hat per se ein Problem mit Zuwanderung.“ Nicht mal sonderlich subtil verpackt sind die Botschaften dieses Abends andere. „Die einzigen, die in diesem Land wirklich rückwärtsgewandt sind, sind Muslime“, ist einer dieser vielsagenden Sätze von Gabriele Walger-Demolsky. Ein anderer: „Eine Scharia neben dem Gesetz ist nicht akzeptabel.“ Oder: „In NRW-Schulen gibt es kein Schweinefleisch mehr.“ Richtig absurd wird es, als Dworek-Danielowski dem deutschen Staat vorwirft, nicht vehement genug gegen die zweifellos inakzeptable Beschneidungstradition junger Mädchen in afrikanischen Ländern vorzugehen. Erst sagt sie: „Angenommen die Zeugen Jehovas würden all ihren Kindern eine Niere entfernen – man würde sofort vehement eingreifen. Aber in diesen Fällen ist man offensichtlich viel mehr damit beschäftigt, nicht als Rassist zu gelten.“ Ein Redner aus dem Publikum fürchtet sogar, die logische Folge sei: „Auch wir müssen unsere Mädchen künftig beschneiden.“

Die AfD spielt die immer gleiche Flüchtlings-Leier

An der Einfahrt zum Haus Opherdicke hatte sich „spontaner Bürgerprotest“ mit etwa 25 Demonstranten versammelt: Wer auf den Parkplatz fuhr, wurde mit Anti-AfD-Rufen empfangen. Da die Demonstration nicht angemeldet war, fertigte die Polizei eine „Strafanzeige wegen der Durchführung der nichtangemeldeten Versammlung“, wie die Polizei später am Abend mitteilte. © Udo Hennes

Das ist natürlich absurd; vermutlich wissen das auch die allermeisten hier im Saal. Doch es scheint fast so, als wäre das egal. Überhaupt ist vieles von dem, was Gabriele Walger-Demolsky und in Teilen auch Iris Dworek-Danielowski so sagen, eher behauptet als mit Fakten untermauert. Und als sich ein kleines Wortgefecht zwischen einer erzürnten Zuhörerin und eben Gabriele Walger-Demolsky zu ihrer Behauptung entwickelt, Flüchtlinge würden nicht sanktioniert – etwa mit Kürzungen ihrer Leistungen –, würgt Moderator Feller die Diskussion einfach ab, indem er sagt: „Da scheinen zwei Fachleute aufeinander zu treffen.“ Dialog sieht anders aus.

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