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Es ist nicht zu übersehen: An vielen Stellen im Kreis Unna künden inzwischen Wahlplakate von der nahenden Europawahl. Weil viele ihrer Plakate beschädigt oder gestohlen werden, erstattet eine Partei nun Anzeige.

Kreis Unna

, 25.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Wahlplakate scheinen für die Parteien auch in Zeiten zunehmender Digitalisierung unverzichtbar zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass zur Europawahl am 26. Mai wieder Werbung geklebt und aufgehängt wird, was das Zeug hält. Dass manch einer sich dazu bemüßigt fühlt, Plakate zu verunstalten oder gar abzureißen, ist dabei kein neues Phänomen.

AfD listet Beschädigungen an 13 Standorten auf

Die AfD im Kreis Unna sieht sich dieser Tage freilich so sehr geschädigt, dass sie nun eine Strafanzeige „wegen massiver AfD-Plakatbeschädigungen/-entwendungen im Kreis Unna“ erstattet hat.

AfD erstattet Anzeige wegen Beschädigung und Diebstahls von Wahlplakaten

Derangiertes AfD-Plakat am Beethovenring in Unna. © Neumann

AfD-Kreissprecher Michael Schild listet darin Beschädigungen beziehungsweise Entwendungen von Plakaten an insgesamt 13 Standorten in Fröndenberg, Kamen und Schwerte auf. Für sich genommen, möge es sich um niederschwellige Kriminalität handeln, in der Vielzahl jedoch „um politisch motivierte Kriminalität in massivem Ausmaß“, so Schild. Deshalb beantrage er die Einschaltung des Staatsschutzes als Ermittlungsbehörde sowie „die kriminaltechnische Untersuchung der beigebrachten mit ,Antifa‘-Aufklebern beklebten und heruntergerissenen AfD-Wahlplakate“, da er vermute, dass sich so polizeibekannte Fingerabdrücke der Täter sichern ließen.

Staatsschutz prüft politischen Hintergrund

Einen solchen Antrag hätte es laut Polizei nicht gebraucht. Es sei allgemein so, dass Fälle mit einem möglich politischen Hintergrund an den Staatsschutz nach Dortmund geschickt würden, erklärt der Unnaer Polizeisprecher Thomas Röwekamp. Und die Pressestelle des Dortmunder Polizeipräsidiums bestätigt, dass der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen hat. Etwaige Zeugen, die Vandalismus an Plakaten in den genannten Städten beobachtet haben, werden gebeten, sich beim Kriminaldauerdienst unter Tel. (0231) 1327441 zu melden.

AfD erstattet Anzeige wegen Beschädigung und Diebstahls von Wahlplakaten

„Zusammengefaltete“ SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley an der Kleistraße in Unna-Massen: Auch Wind und Wetter können den Plakaten zusetzen. © Neumann

Unsitte in jedem Wahlkampf

Dass Kandidaten von Parteien auf Plakaten die Gesichter angemalt, die Augen „ausgekratzt“ oder sie anderweitig verunstaltet werden, ist in jedem Wahlkampf zu beobachten. Andere Parteien sehen diesbezüglich bisher keine Auffälligkeiten. „Ja, es gibt immer mal wieder Plakate, die verschwinden, sei es durch Vandalismus oder weil sie schlecht angebracht sind“, bestätigt zwar SPD-Kreisgeschäftsführer Florian Westerwalbesloh. Doch das sei ein normaler Schwund und werde nicht zur Anzeige gebracht. Sehr wohl Anzeige habe die SPD in der Vergangenheit erstattet, als in einer Straße sämtliche Plakate abgerissen worden waren beziehungsweise welche angezündet wurden. Die Täter hätten jedoch nicht ermittelt werden können.

AfD erstattet Anzeige wegen Beschädigung und Diebstahls von Wahlplakaten

Treten Hubert Hüppe (CDU) und Michael Sacher (Grüne) etwa auch bei der Europawahl an? Die Antwort lautet Nein, sie waren Direktkandidaten ihrer Parteien zur Bundestagswahl 2017. An der Gedächtnisstraße in Bergkamen hängen noch alte Plakate. © Neumann

„Jugendlicher Übermut“

Der CDU-Kreisvorsitzende Marco Morten Pufke weiß aus eigener Erfahrung als Landtagskandidat 2017 zu berichten, dass damals in Lünen Plakate mit seinem Konterfei, aber auch dem anderer Kandidaten abgerissen und verunstaltet wurden. Das sei damals wohl „jugendlichem Übermut“ zuzuschreiben gewesen.

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