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Zimmer frei in der Polizeistation

Hauswächter gesucht

Wer schon mal in einer früheren Polizeiwache leben wollte, hat jetzt in Südkamen die Chance dazu. Zehn Räume werden an „Hauswächter“ vergeben. Zum Wohnen eignen sie sich aber nur bedingt.

Kamen

, 28.06.2018 / Lesedauer: 3 min
Zimmer frei in der Polizeistation

Die ehemalige Autobahnpolizeiwache ist ein Fall für einen Leerstandsmanager. Dieser sucht derzeit Hauswächter, die dort Zimmer bekommen.Milk © Stefan Milk

Von Carsten Fischer

Zuletzt diente die ehemalige Polizeikaserne, erbaut in den Dreißiger-Jahren, als Flüchtlingsheim, nun sind die Blöcke rund um den alten Exerzierplatz verwaist. Keine Kinder mehr, die auf dem weitläufigen Gelände Fußball spielen. Keine Männer und Frauen mehr, die dort eine Schlafquartier und Verpflegung bekommen. Und auch kein Sicherheitsdienst mehr, der das Eingangstor hütet.

Es wird also Zeit, wieder etwas Leben in die Bude zu bringen. Die Verwalter der Landesimmobilie in Dortmund und Düsseldorf haben jetzt erstmals seit dem Auszug der Flüchtlinge ein öffentliches Zeichen von sich gegeben, dass die Vermarktungsbemühungen nicht vollständig eingeschlafen sind. Kürzlich ist durch eine beauftragte Düsseldorfer Immobilienverwaltung eine Anzeige veröffentlicht worden, in der sogenannte Hauswächter gesucht werden. „Möchten Sie einmal in einer ehemaligen Polizeistation leben?“ heißt es darin.

Der frühere Standort der Autobahnpolizei, die 2011 ausgezogen war, bevor ab Oktober 2014 das Asyl-Notquartier eingerichtet wurde, gäbe vermutlich eine coole Studenten-WG ab. Die denkmalgeschützten Altbauten mit ihren hohen Decken sind teilweise mit Parkett ausgelegt. Es gibt im sogenannten Block 1 einen repräsentativen Raum mit Wappen an den Wänden, den Autobahnpolizisten früher scherzhaft als Rittersaal bezeichneten. Das ehemalige Sanitätsgebäude wird von einem kleinen Türmchen geziert. Sogar eine Tankstelle, die den Charme der Wirtschaftswunderzeit versprüht, gibt es auf dem Grundstück.

„Inmitten von Kamen suchen wir für ein ehemaliges Areal einer Polizeistation Hauswächter“, formuliert die beauftragte Hausverwaltung. „Aufgeteilt auf drei Gebäudekomplexe kann hier eine Hausgemeinschaft von mehreren Hauswächtern entstehen.“ Die Rede ist von 30 bis 40 Quadratmeter großen Privatzimmern und „Sanitärräumlichkeiten“, die sich die „Gemeinschaft pro Etage“ teilt. Insgesamt zehn Zimmer sind annonciert, für eine Kaltmiete von jeweils 195 Euro. Da die Häuser offiziell keinen Wohnzwecken gewidmet sind, kommt das Hauswächter-Dasein vor allem für diejenigen infrage, die tage- oder stundenweise einen Hobby-, Büro- oder Rückzugsraum benötigen, und sei es einen Band-Probenraum. Es geht darum, dass Objekt zu beleben, um Vandalismus vorzubeugen.

Die Hauswächter-WG ist also nur eine Übergangslösung auf dem Weg zu einer zukunftsträchtigen Nutzung für den Gebäudekomplex an der Dortmunder Allee. Im Gespräch sind barrierefreies Wohnen oder Pflege für jüngere Menschen mit Behinderung. Auch sozialer Wohnraum mit besonderer Ausrichtung auf studentisches Wohnen wurde schon diskutiert. Zuletzt äußerten sich in einer Umfrage dieser Zeitung auch die drei Bürgermeisterkandidaten Elke Kappen, Tanja Brückel und Jonas Büchel zur Polizeikaserne.

Wie die 1,3 Hektar große Fläche konkret entwickelt werden kann, darüber sind bislang keine klaren Vorstellungen formuliert worden. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW müsste einen Investor finden, die Stadt Kamen das Planungsrecht schaffen. Der Denkmalschutz macht das Projekt nicht unbedingt leichter. Ausgeschlossen wurde bislang auch, dass die Stadt das Areal übernimmt – zumindest nicht für den Betrag von 800.000 Euro, der vor einigen Jahren aufgerufen wurde.

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