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Türkischunterricht soll ausgeweitet werden

Integrationsrat

Einige Kinder erhalten in Schulen türkischen oder anderen Sprachunterricht. Das soll ihnen die Möglichkeit bieten, sich mit der Muttersprache ihrer Eltern oder Großeltern zu befassen. Der Integrationsrat der Stadt Kamen sieht Missstände wegen zu großer Klassen und hat 460 Protest-Unterschriften ans Rathaus übergeben.

18.06.2018
Türkischunterricht soll ausgeweitet werden

Murat Akyol (v.l.n.r.), Mustafa Yücel und Cihan Can vom Integrationsrat wollen den herkunftssprachlichen Unterricht in Kamen verbessern.Milk © Stefan Milk

Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU) bietet Kindern und Jugendlichen aus anderen Sprachkreisen die Möglichkeit, sich auch an deutschen Schulen mit ihrer Muttersprache auseinanderzusetzen. Auch in Kamen nutzen die Schüler der weiterführenden Schulen dieses Angebot, um etwa Türkisch zu lernen. Der Integrationsrat in Kamen bemängelt die Situation der Schüler, die am HSU teilnehmen. Die Lage sei wegen Überfüllung und gemischten Altersklassen nicht mehr zumutbar, weshalb der Integrationsrat eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen hat, deren Ergebnis sie am Freitag der Stadtverwaltung übergeben haben. Der HSU wird zur Zeit nur in der Hauptschule angeboten, eine Gruppe aus 14 Hauptschülern und eine gemischte Gruppe aus Schülern der anderen weiterführenden Schulen lernen hier die türkische Sprache. Diese gemischte Gruppe besteht aus über 30 Schülern aus jeweils unterschiedlichen Altersgruppen. Die Kritik des Integrationsrates bezieht sich auf diese zweite Gruppe.

„Der herkunftssprachliche Unterricht ermöglicht dem Kind, mindestens zweisprachig in Deutsch und in Türkisch aufzuwachsen. Dies ist die wesentliche Grundlage für die Verständigung in einer immer stärker zusammenwachsenden Welt“, erklärt Yücel. Mit der Unterschriftenaktion wolle der Integrationsrat das Schulamt auf die Situation aufmerksam machen. Kopien der Unterschriften seien auch zur Bezirksregierung Arnsberg unterwegs, zudem habe man sich auch bereits mit den weiterführenden Schulen kurzgeschlossen und plane zudem auch, Vertreter der Kreisverwaltung zu einer der kommenden Integrationsratsitzungen einzuladen, um die Kritik vorzutragen.

Dem Integrationsrat schwebt neben der Sensibilisierung für das Thema auch ein Idealzustand vor. „Wir wollen zu Besserungsmaßnahmen anregen“, sagt Yücel. Ideal sei HSU, der in den jeweiligen Schulen der teilnehmenden Schüler stattfindet. Zudem wünscht sich der Integrationsrat homogene Altersklassen, etwa in den Gruppen fünfte und sechste, siebte und achte sowie neunte und zehnte Klasse. Ob für dieses Vorhaben auch genügend interessierte Schüler vorhanden sind, kann Yücel nicht genau sagen. Konkrete Zahlen habe er hierzu nicht. Er beruft sich hierbei aber auf viele Gespräche, die er und seine Kollegen mit betroffenen Familien geführt haben. „Das Potential ist da“, beteuert Cihan Can, ebenfalls Mitglied des Integrationsrates. Ein Problem bestehe aber zum Beispiel darin, dass durch das jetzige unattraktive Angebot nur wenige Schüler den HSU besuchen, denn das Angebot ist freiwillig. Im Idealfall könnte der HSU in den normalen Stundenplan eingebunden werden, zum Beispiel anstelle des Religions- oder Philosophieunterrichts.

Yücel ist Mitglied der Kamener Migrantenliste im Integrationsrat. Zudem ist er Mitglied der multikulturellen Partei „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“ (BIG), für die er bei der Kommunalwahl 2014 angetreten war. Damals hatte er für die BIG mehr muttersprachliche Angebote für Kinder gefordert. Auf seine Mitgliedschaft bei der BIG angesprochen, sagt Yücel, dass die jetzige Unterschriftenaktion ein reines Projekt des Integrationsrates sei, dessen gewählte Mitglieder einstimmig dafür gestimmt haben. Die BIG steht Kritikern zufolge der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von Recep Tayyip Erdogan und ihrer Auslandsorganisation UETD nahe.