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Bei den Katholiken in Kamen, Bergkamen und Bönen sollen nun auch Ehrenamtler den Beerdigungsdienst übernehmen. Ein Mangel an Mitarbeitern wird als Grund genannt. Doch wie kann das funktionieren?

Kamen

, 02.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Gestorben wird immer“, sagt Pfarrer Bernhard Nake, Leiter des Pastoralverbundes Kamen-Kaiserau, mit einem ruhigen Gesichtsausdruck. Was hingegen nicht immer gleich bleibt, ist die Struktur der Kirche. Im Jahr 2020, wenn Kamen, Bergkamen und Bönen zu einem pastoralen Raum verschmelzen, wird die Anzahl der pastoralen Mitarbeiter reduziert. Lediglich drei Priesterstellen und 2,5 Referentenstellen seien für den pastoralen Raum vorgesehen, so Nake. „Doch die Anzahl der Beerdigungen bleibt“, ergänzt Pastor Gordon Richardt.

Das Phänomen sei keine lokale Sondersituation. Im gesamten Erzbistum Paderborn ließen sich ähnliche Fälle beobachten. Die Lösung, die das Erzbistum vorschlägt: Ehrenamtler aus den Kirchengemeinden sollen künftig Beerdigungsdienste übernehmen. „Es ist eine Einsicht in die Notwendigkeit“, sagt Richardt, „die Menschen müssen in der Trauer weiterhin gut begleitet werden.“ Beerdigungsdienste seien ein Zeitfaktor, wenn man sie mit der nötigen Sorgfalt ausführen will.

Zum Dienst gehören der Kontakt mit den Angehörigen, die Kondolenzgespräche, die Vorbereitung auf den Gottesdienst und schließlich die Beerdigung. „Beerdigungen sind die Gottesdienste, die ich am meisten vorbereite“, sagt Richardt. Bei einer normalen Arbeitslast seien zwei bis drei Beerdigungen pro Woche realistisch, darüber hinaus werde es schwer. Doch ist so ein ernster und schwieriger Dienst nicht zu viel für einen Ehrenamtler? Überfordert die große Bürde, Trauernden Halt zu geben und ihnen einen würdigen Abschied zu ermöglichen?

Verbindliche Ausbildung

„Es ist zumutbar“, meint Nake. Interessierte Ehrenamtler werden nicht allein gelassen, sie müssen, bevor sie die Beerdigungsdienste ausführen können, verbindlich eine Ausbildung durchlaufen, die das Erzbistum Paderborn anbietet. In dieser Ausbildung erhalten die Interessenten in sechs Kurseinheiten Einblicke in den Beerdigungsdienst, erfahren Neues über die Bestattungskultur im Wandel der Zeit, sprechen über die sogenannte Psychohygiene und proben die Gestaltung der gottesdienstlichen Feiern. Auch nach der Ausbildung seien die Pastoren weiterhin Ansprechpartner für die Ehrenamtler, denkbar seien auch praktische Übungseinheiten, die nach den Kursen durchlaufen werden. Zudem „muss man nicht jedes Mal das Rad neu erfinden“, ergänzt Nake, für Beerdigungen gebe es ein liturgisches Grundgerüst, das einem die Arbeit erleichtere.

Vergleich mit Lektoren

Nake vergleicht die Entwicklung mit der Einführung der Lektoren, die in den 70er- Jahren ein Novum gewesen seien. Diese Änderung sei damals auch auf viel Kritik gestoßen, man habe gelästert und sich innerhalb der Gemeinde gefragt, ob sich die Lektoren für etwas besseres halten. Doch die Mentalität habe sich gewandelt „und es ist auch gut, dass sich die Mentalität wandelt“, ergänzt Nake. Einen anderen Vergleich zieht Richardt, der zur Horizonterweiterung ein Praktikum in einem Hospiz gemacht hat. Auch dort setzen sich Ehrenamtler mit den Themen Tod und Trauer auseinander, müssen schwierige Situationen meistern und Halt für die Angehörigen bieten.

Hauptsache kümmern

Dass die Beerdigungen nun auch von Laien übernommen werden sollen, bedeute nicht, dass sich die Priester ganz aus diesen Diensten zurückziehen, betont Nake. Angst davor, dass die Trauernden lieber einen Geistlichen vorziehen anstatt einen Laien, hat der Pfarrer nicht. Rund 80 Prozent der Angehörigen seien mit der Kirche sowieso wenig bis gar nicht verbunden. In vielen Fällen sei es einfach die Hauptsache, dass sich überhaupt jemand der Beerdigung annimmt und den Trauernden Halt und Unterstützung anbietet.

Auch kirchenrechtlich sei das Vorhaben abgesichert. Die Beerdigung falle in der katholischen Kirche unter die sogenannten Werke der Barmherzigkeit, die nicht an das Weihesakrament gebunden seien. Grundlage dafür sei das Zweite Vatikanische Konzil 1962-65, das die Begabungen von jedem Menschen hervorgehoben habe. Auch davor habe es bereits katholische Beerdigungen durch Laien gegeben, etwa in Südamerika, wo relativ wenige Priester einer großen Bevölkerung gegenüberstehen.

Zurzeit suchen die Geistlichen nach geeigneten Ehrenamtlern. In den Pfarrnachrichten ist bereits ein Aufruf erschienen, einige Gemeindemitglieder seien bereits angesprochen worden. Doch verbindlich bereit erklärt habe sich noch niemand. „Wenn sich keiner meldet, können wir halt keine Leute zu dem Kurs schicken“, sagt Nake lakonisch. Der Pfarrer sei der Panik nicht zugeneigt, doch der Realität sieht er ins Auge: „Ein gewisser Druck ist erkennbar.“

Der Weg zum Ehrenamtler für Beerdigungsdienste

Einfühlungsvermögen, Sensibilität und eine gewisse Belastbarkeit müssen interessierte Ehrenamtler mitbringen, wenn sie Beerdigungsdienste übernehmen wollen. „Ðie Kernaufgaben sind das Trostspenden und die Vermittlung von Hoffnung“, sagt Richardt. Außerdem sei es wichtig, dass die Interessierten sich vor Ansprachen vor Publikum nicht scheuen und ein gewisses Fingerspitzengefühl mitbringen. „Gerade bei den Kondolenzbesuchen muss man Anteil nehmen, aber nicht mittrauern“, erklärt Richardt, „diese Professionalität muss sich jeder aneignen.“ Die Angehörigen sehnen sich nach Halt, die von den Geistlichen und den Ehrenamtlern vermittelt werden müssen.

Auch eine Ausbildung ist verpflichtend, die das Erzbistum Paderborn anbietet. Ausbildungsbeginn in diesem Jahr ist Samstag, 6. Oktober, im Bildungs- und Exerzitienhaus St. Bonifatius in Elkeringhausen. In sechs Kurseinheiten, die sich teilweise über ein Wochende erstrecken, lernen die Auszubildenden Verschiedenes zum Thema Beerdigung, etwa zur Bestattungkultur, Gottesdienstvorbereitung und Psychohygiene. Die anfallenden Kosten für den Informationstag und alle Kurseinheiten inklusive Verpflegung und Unterbringung in einem Einzelzimmer trägt das Erzbistum. Wer Interesse hat, sich ehrenamtlich zu engagieren und die Ausbildung zu durchlaufen, kann sich persönlich bei Pastor Bernhard Nake melden oder unter Tel. (02307)964370.

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